Geschichte · Klasse 5–10 · aktualisiert
Alltagsgeschichte: Alltag historisch untersuchen
Du lernst, wie Menschen früher ihren Alltag erlebten, was ihr Handeln prägte und wie du Spuren ihres Lebens prüfst.
0 von 9 Aufgaben gelöst
Kurz gesagt
Alltagsgeschichte untersucht, wie Menschen früher lebten und ihren Alltag erlebten. Sie fragt nach Arbeit, Wohnen, Essen und persönlichen Erfahrungen. Briefe, Gegenstände und Erinnerungen helfen dabei, zeigen aber jeweils nur einen Ausschnitt.
Was könnten spätere Forscher durch deine Kleidung oder ein Tagebuch über dein Leben erfahren? Sie würden einiges entdecken, aber nicht deinen ganzen Alltag kennen. Genauso prüfen Historiker, also Forscher der Geschichte, die Spuren früherer Menschen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Menschen entscheiden nicht frei von ihrer Umgebung. Länger bestehende Regeln und Bedingungen prägen ihr Leben. Forscher nennen solche Zusammenhänge Strukturen. Dazu gehören etwa die Ordnung eines Staates oder die Zugehörigkeit zu einer Religion.
Forscher der Alltagsgeschichte fragen, wie solche Bedingungen die Menschen prägen und wie Menschen ihrerseits diese Bedingungen mitgestalten. Nach diesem Ansatz sind Menschen nicht bloß Zuschauer: Sie können bestehende Regeln weitertragen oder an Veränderungen mitwirken. Dabei werden auch ihre persönlichen Erfahrungen untersucht. Der Einfluss wird also in beide Richtungen untersucht.
Wie groß die Möglichkeiten der Menschen waren, ist umstritten. Kritiker werfen der Alltagsgeschichte vor, die Möglichkeiten gewöhnlicher Menschen zum Widerstand zu überschätzen. Du musst deshalb im einzelnen Fall prüfen, was Menschen tatsächlich mitgestalten konnten.
Die DDR war ein ostdeutscher Staat und eine Diktatur. Eine Diktatur ist eine Herrschaft, in der die Machthaber Menschen unterdrücken. In der DDR ging diese Unterdrückung von der Staatsführung aus. Ein Museumstext aus dem DDR-Museum Berlin beschreibt Warenmangel: Manche benötigten Dinge waren schwer zu bekommen. Er nennt auch Tauschhandel, also den Austausch von Waren gegen andere Waren, und zusätzliche Arbeit nach Feierabend. An solchen Angaben kannst du untersuchen, wie Menschen unter schwierigen Bedingungen handelten. Daraus folgt aber noch nicht, dass ihr Handeln den Warenmangel beseitigte.
Beispiel: Beispieltext, ausgedacht: eine Regel beim gemeinsamen Essen
- 1Eine Gruppe vereinbart eine feste Zeit für das gemeinsame Essen.
- 2Die Zeit beeinflusst, wann die Mitglieder ihre anderen Aufgaben erledigen.
- 3Die Mitglieder können die Regel beibehalten oder gemeinsam eine andere Zeit vereinbaren.
Merke: Alltagsgeschichte fragt nach beiden Richtungen: Wie prägen Lebensbedingungen Menschen, und wie gestalten Menschen diese Bedingungen mit? Ihre Möglichkeiten musst du am einzelnen Fall prüfen.
Teste dich
Eine Deutung ist eine Erklärung, die jemand aus Quellen entwickelt. Um sie zu beurteilen, prüfst du ihre Belege und ihre Grenzen. Passt die Aussage zu den Quellen? Beachtet sie, für welche Menschen und Lebensbereiche die Belege gelten? Eine persönliche Erfahrung reicht nicht aus, um das Leben aller Menschen gleich zu beschreiben.
Das kannst du an Museen über den DDR-Alltag üben. Die DDR war eine Diktatur, deren Staatsführung Menschen unterdrückte. Der Text des DDR-Museums Berlin beschreibt den Alltag als unterschiedlich erlebte Lebenswirklichkeit. Zu den Themen gehören Aufwachsen, Beruf, Familie und Wohnen. Der Museumstext betont, dass glückliche persönliche Erfahrungen möglich waren, obwohl die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der Diktatur problematisch waren. Glückliche persönliche Erfahrungen widerlegen diese problematischen Bedingungen also nicht.
Das Berliner Museum gehört zu den Museen, die Alltag und Diktatur zusammen betrachten. Dort gehören eine nachgebaute Wohnung und eine simulierte Fahrt mit dem Auto Trabant zu den Stationen. Bei einer simulierten Fahrt wird das Fahren nachgebildet. Ein anderes Museum steht in der Stadt Pirna. Sein Konzept führt durch einen Lebenslauf von Geburt und Kindergarten bis zu Wohnen, Freizeit und Urlaub.
Für dein Urteil gilt: Nenne einen Beleg und erkläre, wie weit er trägt. Prüfe etwa bei einer Deutung aus einer Befragung, ob sie eigenes Erleben und Hörensagen unterscheidet. Übernimm dabei keine Antworten, die durch Fragen in eine gewünschte Richtung gelenkt wurden. Allgemeine Aussagen über eine Zeit ersetzen die Prüfung einer einzelnen Erinnerung nicht. Eine Erklärung wird dem Alltag eher gerecht, wenn sie persönliche Erlebnisse und die Bedingungen des Zusammenlebens berücksichtigt. Angenehme Erinnerungen machen Unterdrückung nicht unwahr; schwierige Bedingungen schließen persönliche Glücksmomente nicht aus.
Definition
Deutung
Eine Deutung ist eine Erklärung über die Vergangenheit, die jemand aus Quellen entwickelt. Du kannst prüfen, ob die Belege diese Erklärung tragen.
Merke: Beurteile eine Erklärung danach, ob ihre Belege zur Aussage passen. Ein einzelner Ausschnitt erklärt nicht das ganze Leben aller Menschen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Alltagsgeschichte
Gegenstand
Alltagsgeschichte untersucht tägliches Leben und persönliche Erfahrungen.
Zusammenhang
Alltagsgeschichte fragt, wie Bedingungen Menschen prägen und wie Menschen diese mitgestalten. Ihre Möglichkeiten sind umstritten.
Quellen
Briefe, Erinnerungen und Gegenstände geben unterschiedliche Einblicke in früheren Alltag.
Grenzen
Kontrolle, Auswahl und Hörensagen müssen bei der Untersuchung berücksichtigt werden.
Urteil
Eine Erklärung braucht passende Belege und muss deren Grenzen beachten.
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Was können Feldpostbriefe über den Alltag zeigen?
- 1Aufgabe klären: Untersuche, was Feldpostbriefe aus dem Ersten Weltkrieg über persönliche Erfahrungen zeigen können.
- 2Mögliche Einblicke nennen: Solche Briefe können Ängste, Hoffnungen und Nachrichten über Lebensbedingungen enthalten.
- 3Grenzen prüfen: Das Militär kontrollierte Briefe. Für Veröffentlichungen wurden auch Schreiben ausgewählt, die das eigene Land besonders lobten.
- 4Ergebnis formulieren: Feldpostbriefe geben Einblicke in persönliche Erfahrungen. Wegen der Kontrolle und Auswahl zeigen sie nicht das gesamte Erleben aller Soldaten.
Fehler finden
Prüfe die Aussagen zum Berliner Museumstext In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Die zweite Aussage macht aus persönlichen Glücksmomenten ein Urteil über die gesamten Bedingungen. Richtig: Glückliche persönliche Erfahrungen widerlegen die problematischen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der Diktatur nicht.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Kontrolle der Feldpost im Ersten Weltkrieg, bei der Inhalte zurückgehalten werden konnten, lag bei . Die hier beschriebene Kombination aus nachgebauter Wohnung und simulierter Trabantfahrt ist dem Museum in zugeordnet. Als Material für Ariès’ Untersuchung der Kindermode werden hier genannt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback