Deutsch · Klasse 5–6 · aktualisiert
Satzarten im Deutschen sicher bestimmen
Aussage, Frage, Aufforderung, Ausruf oder Wunsch? Du lernst, Satzarten nach Absicht, Verbposition, Betonung und Schlusszeichen sicher zu bestimmen.
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Kurz gesagt
Die Satzart zeigt, was ein Satz bewirken soll: Ein Aussagesatz informiert, ein Fragesatz fragt, ein Aufforderungssatz verlangt eine Handlung, ein Ausrufesatz drückt ein Gefühl aus. Entscheidend ist die Absicht, nicht nur das Schlusszeichen: „Komm sofort her!“ ist eine Aufforderung, „Was für ein Chaos!“ ein Ausruf.
Ob jemand informiert, fragt, zu etwas auffordert, ein Gefühl ausdrückt oder etwas wünscht, entscheidet über die Satzart. Das Schlusszeichen hilft dir beim Bestimmen, reicht aber nicht immer aus. Prüfe deshalb zuerst die Absicht und danach Verbposition, Signalwörter, Betonung und Schlusszeichen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir vor, du hörst diese vier Sätze: „Mila öffnet das Fenster.“ „Öffnet Mila das Fenster?“ „Mila, öffne das Fenster!“ „Wie weit das Fenster offen steht!“ Alle Sätze handeln von Mila und dem Fenster. Trotzdem erfüllen sie verschiedene Aufgaben: Der erste informiert, der zweite fragt, der dritte fordert zu einer Handlung auf und der vierte drückt eine Empfindung aus.
Definition
Satzart
Eine Satzart ist eine Satzform mit einer bestimmten kommunikativen Funktion. Sie zeigt, was eine Person mit dem Satz erreichen möchte: informieren, fragen, auffordern, ausrufen oder wünschen.
Merke: Bestimme die Satzart nie nur nach dem Schlusszeichen. Ein Ausrufezeichen kann zum Beispiel eine Aufforderung oder einen Gefühlsausruf abschließen.
Beispiel: Beim Bestimmen helfen dir fünf Merkmale
- 1Absicht: Was soll der Satz bewirken?
- 2Verbposition: Steht die finite, also an Person und Zeit angepasste Verbform zuerst, an zweiter Satzgliedstelle oder am Ende?
- 3Signalform: Gibt es zum Beispiel ein Fragewort oder einen Imperativ?
- 4Schlusszeichen: Steht am Ende ein Punkt, Fragezeichen oder Ausrufezeichen?
- 5Betonung: Klingt der Satz sachlich, fragend, nachdrücklich oder emotional?
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Ein Aussagesatz teilt eine Information, Feststellung oder Meinung mit. Er endet normalerweise mit einem Punkt. Seine finite Verbform steht an der zweiten Satzgliedstelle, und das ist nicht immer das zweite Wort: Im Satz „Am frühen Nachmittag besucht Ben seine Großmutter“ bilden „Am frühen Nachmittag“ gemeinsam das erste Satzglied. Aussagen können positiv oder verneint sein: „Lea spielt Volleyball.“ und „Lea spielt heute kein Volleyball.“ informieren beide. Ein Fragesatz verlangt eine Information oder Entscheidung und endet mit einem Fragezeichen. Eine Entscheidungsfrage lässt sich gewöhnlich mit „ja“ oder „nein“ beantworten; die finite Verbform steht meist zuerst. Eine Ergänzungsfrage verlangt eine genauere Information. Sie beginnt häufig mit einem Fragewort wie „wer“, „was“, „wo“, „wann“, „warum“ oder „wie“, danach steht gewöhnlich die finite Verbform.
Beispiel: „Heute besucht Ben seine Großmutter.“
- 1Der Satz informiert über Bens Plan. Die finite Verbform besucht steht an der zweiten Satzgliedstelle. Vor ihr steht das Satzglied Heute.
- 2Auch nach einer Umstellung bleibt das Verb an zweiter Satzgliedstelle:
- 3„Seine Großmutter besucht Ben heute.“
Beispiel: „Kommst du morgen mit?“
- 1Mögliche Antwort: „Ja.“ oder „Nein.“
- 2Finite Verbform: kommst
- 3Verbposition: zuerst
Beispiel: „Warum kommst du morgen später?“
- 1„Später“ allein beantwortet nicht die Frage nach dem Grund. Eine passende Antwort wäre zum Beispiel: „Weil mein Training länger dauert.“
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Aufforderungssätze und Ausrufesätze enden häufig beide mit einem Ausrufezeichen. Ihre Absicht ist jedoch verschieden. Ein Aufforderungssatz bittet, warnt, befiehlt oder fordert jemanden auf, etwas zu tun. Häufig steht das Verb im Imperativ, also in der Befehls- oder Aufforderungsform, am Anfang: „Schließ bitte die Tür!“, „Bleib auf dem Weg!“, „Ruf mich morgen an!“ Das Wort „bitte“ kann eine Aufforderung höflicher machen. Je nach Nachdruck endet ein Aufforderungssatz mit einem Ausrufezeichen oder einem Punkt: „Lies bitte das Buch am Wochenende.“ Ein Ausrufesatz drückt zum Beispiel Freude, Überraschung, Ärger, Bewunderung oder Erschrecken aus. Er fordert nicht notwendig zu einer Handlung auf: „Was für ein schöner Tag!“, „Wie kalt es heute ist!“, „Das war knapp!“, „Ist das spannend!“ Die Verbposition ist bei Ausrufen nicht eindeutig festgelegt. Ein Ausruf kann ähnlich gebaut sein wie eine Aussage oder Frage. Deshalb sind Absicht und Betonung besonders wichtig.
Beispiel: Aufforderung oder Ausruf?
- 1„Komm sofort her!“ – Jemand soll handeln. Das ist eine Aufforderung.
- 2„Was für ein Chaos!“ – Der Satz drückt eine Bewertung oder ein Gefühl aus. Niemand wird zu einer Handlung aufgefordert. Das ist ein Ausruf.
- 3Als Test kannst du eine mögliche Aufforderung mit „Du sollst …“ umformulieren: „Du sollst sofort herkommen.“ Beim Gefühlsausruf gelingt diese Umformulierung nicht mit derselben Bedeutung.
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Ein Wunschsatz äußert einen Wunsch, eine Hoffnung oder eine ersehnte Situation. Typische Formen enthalten „wenn doch“, „möge“, „wäre“, „hätte“ oder „würde“: „Wenn doch morgen die Sonne schiene!“, „Wäre das Wochenende doch schon da!“, „Möge dein Plan gelingen!“, „Ich wünschte, die Ferien begännen früher.“ Wunschsätze können je nach Form und Nachdruck mit einem Ausrufezeichen oder einem Punkt enden. Häufig verwenden sie den Konjunktiv, eine Verbform für Vorgestelltes, Mögliches oder nicht Wirkliches. Nicht jede grammatische Einteilung zählt den Wunschsatz als eigene Grundart: Manche Übersichten unterscheiden vier Grundarten – Aussage, Frage, Aufforderung und Ausruf – und behandeln Wünsche als besondere Form, andere nennen den Wunschsatz als fünfte Satzart. Wichtig ist, dass du die verwendete Einteilung kennst und den Wunsch begründen kannst. Übrigens: Satzart und Satzbau sind nicht dasselbe. „Hauptsatz“ und „Nebensatz“ beschreiben den grammatischen Aufbau, nicht die Sprechabsicht. Ein Nebensatz ist deshalb keine weitere Satzart.
Beispiel: Satzarten Schritt für Schritt bestimmen
- 1Absicht klären: Informiert, fragt, fordert, ruft oder wünscht der Satz?
- 2Finite Verbform suchen: Welche Verbform ist an Person und Zeit angepasst?
- 3Verbposition prüfen: Steht sie zuerst oder an zweiter Satzgliedstelle? Bei Ausrufen und Wünschen sind verschiedene Positionen möglich.
- 4Signalformen beachten: Gibt es ein Fragewort, einen Imperativ oder eine Wunschform?
- 5Schlusszeichen und Betonung ergänzen: Bestätigen sie deine Vermutung?
- 6Ergebnis begründen: Nenne mindestens die Funktion und ein weiteres Merkmal.
Beispiel: Bestimme den Satz „Warum räumst du dein Fahrrad nicht weg!“
- 1Die Form beginnt mit dem Fragewort „Warum“ und ähnelt einer Ergänzungsfrage.
- 2Im gegebenen Zusammenhang und mit nachdrücklicher Betonung kann der Satz aber Ärger ausdrücken.
- 3Das Ausrufezeichen unterstützt diese emotionale Lesart.
- 4Ergebnis: Als ärgerlicher Ausruf ist der Satz ein Ausrufesatz in der Form einer Ergänzungsfrage.
- 5Ohne den Zusammenhang oder die Betonung könnte dieselbe Wortfolge mit Fragezeichen eine echte Frage sein: „Warum räumst du dein Fahrrad nicht weg?“
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Alles auf einen Blick
Satzarten
Absicht
informieren, fragen, auffordern, ausrufen oder wünschen
Aussagesatz
informiert, finites Verb an zweiter Satzgliedstelle
Fragesatz
Entscheidungsfrage mit Ja oder Nein, Ergänzungsfrage mit Fragewort
Aufforderung oder Ausruf
Soll jemand handeln oder zeigt der Satz ein Gefühl?
Wunschsatz
oft mit „wenn doch“, „wäre“ oder „möge“, meist im Konjunktiv
Formale Hinweise
Verbposition, Signalform, Schlusszeichen und Betonung
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Bestimme die Satzart: „Mach bitte das Licht aus!“
- 1Absicht: Jemand soll etwas tun, nämlich das Licht ausmachen.
- 2Finite Verbform: „Mach“ – ein Imperativ.
- 3Verbposition: Das Verb steht am Anfang.
- 4Schlusszeichen: Das Ausrufezeichen passt zu Aufforderung und Ausruf, entscheidet also nicht allein.
- 5Ergebnis: Der Satz ist ein Aufforderungssatz, weil er eine Handlung verlangt und außerdem mit einem Imperativ beginnt.
Fehler finden
Nele bestimmt die Satzarten von fünf Sätzen. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Der Punkt allein entscheidet nicht: Der Satz verlangt eine Handlung und beginnt mit dem Imperativ „Reich“. Richtig: „Reich mir bitte den Stift.“ → Aufforderungssatz.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein Satz, der informiert, ist ein . Eine mit „ja“ oder „nein“ beantwortbare Frage heißt . Ein Satz mit einer Handlungsabsicht ist ein . Beim Bestimmen ist die Absicht wichtiger als ein einzelnes Schlusszeichen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback