Deutsch · Klasse 10–11 · aktualisiert
Organon-Modell: Sprachfunktionen sicher analysieren
Bühlers Organon-Modell zeigt drei Funktionen jeder Äußerung: Ausdruck, Darstellung und Appell. Du lernst, die dominante Funktion begründet zu bestimmen.
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Kurz gesagt
Das Organon-Modell von Karl Bühler beschreibt Sprache als Werkzeug: Ein sprachliches Zeichen bezieht sich zugleich auf den Sender (Ausdruck), auf einen Sachverhalt (Darstellung) und auf den Empfänger (Appell). In „Hol mir etwas zu essen!“ dominiert der Appell, weil der Satz eine Handlung verlangt.
Das Organon-Modell von Karl Bühler zeigt, dass ein sprachliches Zeichen gleichzeitig drei Bezüge haben kann: zum Sender, zu einem Sachverhalt und zum Empfänger. Daraus entstehen die Funktionen Ausdruck, Darstellung und Appell. Du kannst mit dem Modell untersuchen, was eine Äußerung mitteilt, über den Sender erkennen lässt und beim Empfänger bewirken soll.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Das griechische Wort „organon“ bedeutet Werkzeug. Bühler greift damit die Vorstellung auf, dass jemand einem anderen mithilfe von Sprache etwas über Dinge oder Sachverhalte mitteilt. An einer Kommunikationssituation sind beteiligt: der Sender, der etwas äußert, der Empfänger, an den die Äußerung gerichtet ist, ein Gegenstand oder Sachverhalt, auf den sie sich bezieht, und das sprachliche Zeichen, das diese drei Seiten verbindet. Das Zeichen ist mehr als eine bloße Lautfolge: Seine Bedeutung erhält es durch sprachliche Vereinbarungen und durch die Situation, in der es verwendet wird. Nach Bühler besitzt es drei Funktionen. Als Ausdruck oder Symptom lässt es etwas über den Sender erkennen, etwa ein Gefühl, eine Meinung oder einen Zustand – beabsichtigt oder unbeabsichtigt. Als Darstellung oder Symbol verweist es auf Gegenstände und Sachverhalte; im Vordergrund steht die vermittelte Information. Als Appell oder Signal richtet es sich an den Empfänger und soll eine Reaktion auslösen oder ein Verhalten beeinflussen.
Definition
Sprachliches Zeichen
Ein sprachliches Zeichen ist das wahrnehmbare Gesprochene oder Geschriebene, das in einer Situation Bedeutung trägt. Ein Satz, ein Hilferuf oder eine Nachricht kann ein solches Zeichen sein.
| Bezug des Zeichens | Funktion (Zeichenrolle) | Leitfrage |
|---|---|---|
| Sender | Ausdruck (Symptom) | Was zeigt die Äußerung über den Sender? |
| Gegenstand oder Sachverhalt | Darstellung (Symbol) | Welche Information wird dargestellt? |
| Empfänger | Appell (Signal) | Welche Reaktion soll ausgelöst werden? |
Merke: Ausdruck zeigt den Sender, Darstellung zeigt den Sachverhalt, Appell zielt auf den Empfänger.
Teste dich
Meist enthält eine Äußerung Anteile aller drei Funktionen. Häufig tritt jedoch eine Funktion besonders hervor. Sie heißt dann dominante Funktion. Die dominante Funktion steckt deshalb nicht immer allein in den Wörtern. Du musst auch beachten, wer spricht, zu wem gesprochen wird und was die Äußerung in der Situation bewirken soll.
Beispiel: „Ich habe Hunger!“ – drei Bezüge zugleich
- 1Ausdruck: Der Sender zeigt seinen körperlichen Zustand oder seinen Wunsch zu essen.
- 2Darstellung: Die Äußerung informiert darüber, dass der Sender Hunger hat.
- 3Appell: In einer passenden Situation kann sie den Empfänger indirekt auffordern, Essen zu besorgen.
- 4Ohne Kontext ist der Ausdruck besonders deutlich. Stehen beide Personen vor einem Imbiss, kann zusätzlich ein indirekter Appell wichtig werden.
Teste dich
Mit dem Raster im ersten Kasten kannst du mündliche und schriftliche Äußerungen untersuchen. Bei Schritt 6 genügt es nicht, nur den Namen einer Funktion zu nennen. Belege deine Entscheidung mit der Formulierung und der Situation.
Beispiel: Das Analyseraster in sechs Schritten
- 1Zeichen bestimmen: Was wurde genau gesagt oder geschrieben?
- 2Situation klären: Wer spricht zu wem und in welchem Zusammenhang?
- 3Ausdruck untersuchen: Was zeigt die Äußerung über den Sender?
- 4Darstellung untersuchen: Welcher Gegenstand oder Sachverhalt wird vermittelt?
- 5Appell untersuchen: Welche Reaktion des Empfängers wird erwartet?
- 6Dominanz begründen: Welche Funktion steht im Kontext im Vordergrund?
Beispiel: Zwei Personen stehen vor einem Imbiss. Eine sagt: „Hol mir etwas zu essen!“
- 1Das sprachliche Zeichen ist die ausgesprochene Aufforderung.
- 2Ein Sender spricht einen Empfänger direkt an.
- 3Ausdruck: Der Sender lässt erkennen, dass er etwas essen möchte.
- 4Darstellung: Die Äußerung bezieht sich auf das gewünschte Essen; der Imbiss liefert den situativen Bezug.
- 5Appell: Der Empfänger soll Essen holen.
- 6Dominanz: Die Appellfunktion dominiert, weil der Satz ausdrücklich eine Handlung verlangt.
Teste dich
Drei Äußerungen können sich auf dieselbe Situation beziehen und trotzdem unterschiedliche Funktionen hervorheben, wie die Tabelle zeigt. Diese Zuordnung ist keine unveränderliche Eigenschaft der Sätze. Ein anderer Kontext kann die Gewichtung verändern. Sagt jemand „Dort drüben kann man etwas zu essen kaufen“ zu einer hungrigen Begleitperson und deutet dabei auf den Imbiss, kann die Information zugleich als indirekter Appell gemeint sein. Was das Modell zeigt – und was nicht: Das Organon-Modell hilft dir, drei wichtige Seiten einer Äußerung geordnet zu untersuchen. Es verhindert besonders den Fehler, nur auf den Sachinhalt zu achten. Das Modell vereinfacht Kommunikation aber stark. Nur begrenzt erfasst es die Vorgeschichte einer Beziehung, Machtverhältnisse zwischen den Beteiligten, unterschiedliche Deutungen und Missverständnisse, die gesamte Redekonstellation und das Zusammenspiel mit Mimik, Gestik und Sprechweise. Nichtsprachliche Zeichen können die Analyse ergänzen: Ein trauriger Gesichtsausdruck kann den Ausdruck verstärken, ein deutender Blick den Bezug zu einem Gegenstand verdeutlichen. Abgrenzung zum Kommunikationsquadrat: Der Beziehungshinweis ist kein vierter Bestandteil von Bühlers ursprünglichem Organon-Modell. Er gehört zu Schulz von Thuns Kommunikationsquadrat, das Sachinformation, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis und Appell unterscheidet. Wenn gerade die Beziehung zwischen Sender und Empfänger den Konflikt bestimmt, kann ein solches ergänzendes Modell zusätzliche Aspekte sichtbar machen.
| Äußerung | Wahrscheinlich dominant | Begründung |
|---|---|---|
| „Ich habe Hunger!“ | Ausdruck | Der Zustand des Senders tritt hervor. |
| „Dort drüben kann man etwas zu essen kaufen.“ | Darstellung | Die Information über den Imbiss steht im Vordergrund. |
| „Hol mir etwas zu essen!“ | Appell | Der Empfänger soll handeln. |
Merke: Bestimme die dominante Funktion mit zwei Fragen: Was soll die Äußerung vor allem leisten? Welche Beobachtung aus Formulierung und Kontext belegt das?
Teste dich
Alles auf einen Blick
Organon-Modell
Sprachliches Zeichen
verbindet drei Bezüge
Sender
Ausdruck und Symptom
Sachverhalt
Darstellung und Symbol
Empfänger
Appell und Signal
Analyse
Kontext und Dominanz begründen
Grenzen
Beziehung und Situation nur teilweise erfasst
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Analysiere mit dem Raster: Zu Beginn der Stunde sagt die Lehrerin zur Klasse: „Es ist sehr laut hier.“
- 1Zeichen: der Satz „Es ist sehr laut hier.“
- 2Situation: Die Lehrerin spricht zur ganzen Klasse; der Unterricht soll gleich beginnen.
- 3Ausdruck: Sie lässt erkennen, dass die Lautstärke sie stört.
- 4Darstellung: Der Satz beschreibt den Sachverhalt, dass es im Raum laut ist.
- 5Appell: Die Klasse soll leiser werden.
- 6Dominanz: Der Form nach ist der Satz eine Feststellung. In dieser Situation tritt aber der indirekte Appell hervor, denn die Stunde kann erst beginnen, wenn es ruhig ist.
Fehler finden
Lina sagt zu ihrem Bruder, der die einzige Decke auf dem Sofa hat: „Mir ist kalt.“ Ein Mitschüler analysiert: In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Eine Aufforderung an den Empfänger ist ein Appell, keine Darstellung; die Darstellung bezieht sich auf den Sachverhalt. Richtig: Darstellung: Der Satz teilt mit, dass Lina friert.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Im Organon-Modell äußert der ein sprachliches Zeichen. Das Zeichen richtet sich an den und kann sich auf einen beziehen.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback