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Deutsch · Klasse 9–10 · aktualisiert

5 Axiome nach Watzlawick einfach erklärt

Watzlawicks fünf Axiome sind fünf Blickrichtungen auf ein Gespräch. Du lernst sie kennen und untersuchst damit Streit, Schweigen und Missverständnisse.

0 von 11 Aufgaben gelöst

5 Axiome nach Watzlawick einfach erklärt

Kurz gesagt

Die 5 Axiome nach Watzlawick sind Grundannahmen über Kommunikation: Man kann nicht nicht kommunizieren; jede Mitteilung hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt; Beteiligte gliedern Abläufe unterschiedlich (Interpunktion); Kommunikation ist digital und analog; sie verläuft symmetrisch oder komplementär.

Die fünf Axiome beschreiben Grundmuster menschlicher Kommunikation. Sie helfen dir zu untersuchen, wie Verhalten, Beziehung, wechselseitige Reaktionen, Sprache, Körpersprache und Rollen ein Gespräch prägen. Ein Axiom ist hier eine grundlegende Annahme des Kommunikationsmodells. Das Modell kann Missverständnisse sichtbar machen, bildet eine konkrete Situation aber nicht vollständig ab.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Watzlawicks Modell betrachtet Kommunikation aus fünf Perspektiven. Die Axiome sind keine fünf Gesprächsregeln für „gute“ Kommunikation. Sie sind fünf Blickrichtungen, mit denen du einen Kommunikationsfall untersuchen kannst. Erstes Axiom: Sobald Menschen einander wahrnehmen, kann jedes Verhalten kommunikative Bedeutung bekommen. Auch wer schweigt, wegschaut oder Abstand hält, vermittelt möglicherweise eine Botschaft. Das heißt nicht, dass jede Wirkung beabsichtigt ist: Du kannst etwas vermitteln, ohne es geplant zu haben. Und du kannst nicht vollständig kontrollieren, wie andere dein Verhalten deuten. Zweites Axiom: Der Inhaltsaspekt bezeichnet die Sachinformation einer Mitteilung. Der Beziehungsaspekt zeigt, wie die Beteiligten ihr Verhältnis zueinander auffassen. Tonfall, Mimik, Gestik und bisherige Erfahrungen beeinflussen, wie der Inhalt verstanden wird.

AxiomKernaussage
1. Man kann nicht nicht kommunizierenAuch Schweigen und Verhalten können etwas vermitteln.
2. Inhalt und BeziehungEine Mitteilung enthält eine Sachinformation und einen Hinweis auf die Beziehung.
3. InterpunktionBeteiligte gliedern denselben Ablauf unterschiedlich in Ursache und Wirkung.
4. Digital und analogWörter und vereinbarte Zeichen wirken mit Körpersprache, Mimik und Tonfall zusammen.
5. Symmetrisch und komplementärBeziehungen beruhen eher auf Gleichheit oder auf einander ergänzenden Rollen.

Beispiel: Erstes Axiom: Schweigen an der Bushaltestelle

  1. 1Eine Person trägt Kopfhörer, schaut auf ihr Handy und wendet sich ab. Ohne etwas zu sagen, kann sie signalisieren: „Ich möchte gerade keinen Kontakt.“
  2. 2Beobachtbar sind Kopfhörer, Blickrichtung und Abwendung.
  3. 3Der Wunsch nach Ruhe ist bereits eine Deutung. Eine andere Person könnte das Verhalten anders verstehen.

Beispiel: Zweites Axiom: „Vorsicht, die Suppe ist heiß!“

  1. 1Inhalt: Der Satz enthält sachlich eine Warnung.
  2. 2Beziehung: Er kann als fürsorgliche Hilfe ankommen.
  3. 3Bei angespannter Beziehung könnte die angesprochene Person dagegen hören: „Du kannst nicht selbst aufpassen.“ Derselbe Inhalt erhält dadurch eine andere Bedeutung.

Teste dich

LeichtWozu eignen sich die fünf Axiome besonders?
MittelEine Mitschülerin antwortet nicht und schaut aus dem Fenster. Welche Analyse ist sorgfältig?

Alles auf einen Blick

5 Axiome nach Watzlawick

  • Wahrnehmbares Verhalten

    Auch Schweigen kann etwas vermitteln

  • Bedeutung einer Mitteilung

    Inhalt und Beziehung wirken zusammen

  • Kommunikationsablauf

    Reaktionen bilden Kreisläufe

  • Ausdrucksformen

    Digitale und analoge Signale wirken zusammen

  • Beziehungsmuster

    Gleichheit oder unterschiedliche Rollen

  • Anwendung

    Beobachten, deuten, klären und Grenzen benennen

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Analysiere mit den Axiomen: Jonas kommt zu spät zum Training. Die Trainerin sagt ruhig „Schön, dass du auch noch kommst“ und schaut auf die Uhr. Jonas zuckt mit den Schultern.

  1. 1Beobachten: der Satz, die ruhige Stimme, der Blick auf die Uhr, das Schulterzucken.
  2. 2Erstes Axiom: Auch Jonas’ Schulterzucken vermittelt etwas, obwohl er nichts sagt.
  3. 3Zweites und viertes Axiom: Wörtlich begrüßt die Trainerin ihn. Der Blick auf die Uhr kann aber einen Vorwurf andeuten – Wortlaut und Körpersprache passen nicht eindeutig zusammen.
  4. 4Fünftes Axiom: Trainerin und Spieler haben komplementäre Rollen; sie gibt im Training den Rahmen vor.
  5. 5Klärung und Grenze: Jonas könnte sagen: „Tut mir leid, dass ich zu spät bin. Ist das heute ein Problem?“ Ob die Trainerin wirklich verärgert ist, zeigt die Szene allein nicht.

Fehler finden

Nach dem Sportunterricht fragt Aylin ihren Freund Can: „Bist du sauer?“ Can sagt leise „Nein“ und schaut auf den Boden. Aylin analysiert: In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.

Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Nach dem ersten Axiom kann man kommunizieren. Wörter gehören zur Kommunikation, Mimik und Tonfall zur analogen. Beruht ein Gespräch auf einander ergänzenden Rollen, ist es .

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: 5 Axiome nach Watzlawick

LeichtWas bedeutet „digital“ im vierten Axiom?
MittelEin Schüler sagt lächelnd „Das hast du ja toll gemacht“, nachdem ein Versuch misslungen ist. Was solltest du zuerst prüfen?
SchwerZwei Geschwister sagen: „Ich werde laut, weil du mich ignorierst“ und „Ich ignoriere dich, weil du laut wirst.“ Welche Analyse und Reaktion passen zusammen?

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