Deutsch · Klasse 5–6 · aktualisiert
Groß- und Kleinschreibung: Regeln einfach erklärt
Kleinschreibung ist der Normalfall. Du lernst die Gründe für Großschreibung: Satzanfang, Nomen, Substantivierung, Eigenname, Anrede und Doppelpunkt.
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Kurz gesagt
Im Deutschen schreibst du Wörter klein, außer es gibt einen Grund für Großschreibung: Satzanfang, Nomen („der Hund“), substantivierte Wörter („beim Lesen“, „etwas Neues“), Eigennamen („Berlin“) und die höfliche Anrede „Sie“. Nach einem Doppelpunkt schreibst du groß, wenn ein vollständiger Satz folgt.
Kleinschreibung ist der Normalfall. Du schreibst ein Wort groß, wenn es dafür einen bestimmten Grund gibt: Es steht etwa am Satzanfang, ist ein Nomen, wird wie ein Nomen gebraucht, gehört zu einem Eigennamen oder ist eine höfliche Anredeform. Auf dieser Seite lernst du ein Prüfverfahren kennen, mit dem du solche Gründe erkennst und erklärst.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Verben, Adjektive, Adverbien, Artikel, Pronomen, Präpositionen und Konjunktionen beginnen normalerweise klein: „Wir gehen heute ins Kino.“ „Das war ein spannender Film.“ „Sie kommt vermutlich später.“ „Er wartet vor dem Eingang.“ Für eine Großschreibung brauchst du dagegen einen erkennbaren Grund. Das Prüfverfahren im Kasten hilft dir, ihn zu finden.
Merke: Prüfe nicht zuerst, warum ein Wort kleingeschrieben wird. Suche zuerst nach einem Grund für die Großschreibung. Findest du keinen, gilt in der Regel die Kleinschreibung.
Beispiel: Prüfverfahren: sechs Fragen an ein Wort
- 1Steht das Wort am Satzanfang oder am Anfang einer Überschrift oder wörtlichen Rede?
- 2Ist es ein Eigenname?
- 3Ist es ein Nomen?
- 4Wird es wie ein Nomen gebraucht, also substantiviert?
- 5Gehört es zur höflichen Anrede?
- 6Steht es nach einem Doppelpunkt? Dann prüfe den folgenden Satzteil genauer.
Teste dich
Vor einem Nomen können verschiedene Begleiter stehen: ein Artikel („der Hund“, „eine Reise“), ein Possessivpronomen („mein Buch“, „unsere Klasse“), ein Demonstrativpronomen („dieser Weg“), ein Adjektiv („ein heißer Sommer“) oder ein Zahlwort („zwei Kinder“). Auch typische Endungen helfen: „-heit“, „-keit“, „-nis“, „-schaft“, „-tum“ und „-ung“ wie in „Freiheit“, „Möglichkeit“, „Finsternis“, „Freundschaft“, „Reichtum“ und „Entscheidung“. Ein einzelnes Signal ersetzt aber nicht das Nachdenken über den Satz. Prüfe immer, welche Aufgabe das Wort im Satz erfüllt.
Definition
Nomen
Ein Nomen, auch Substantiv genannt, bezeichnet zum Beispiel Menschen, Tiere, Dinge, Orte oder Vorstellungen. Nomen werden großgeschrieben: „Hund“, „Berlin“, „Freundschaft“.
Beispiel: Im Satz „Meine Tante hat zwei Kinder“ erkennst du beide Nomen an ihrer Funktion:
- 1„Tante“ bezeichnet eine Person und wird von „meine“ begleitet.
- 2„Kinder“ bezeichnet Personen und wird durch das Zahlwort „zwei“ näher bestimmt.
- 3Deshalb beginnen beide Wörter groß.
Teste dich
Wörter anderer Wortarten können im Satz die Aufgabe eines Nomens übernehmen. Das nennt man Substantivierung oder Nominalisierung. Typische Signale sind ein Artikel („das Schreiben“, „der Kleine“), ein mit einer Präposition verschmolzener Artikel („beim Essen“, „zum Mitnehmen“, „im Allgemeinen“), ein Adjektiv davor („lautes Reden“, „leises Tuscheln“) oder ein Pronomen oder eine Mengenangabe („etwas Schönes“, „nichts Neues“, „alles Gute“). „beim“, „im“ und „zum“ enthalten jeweils einen Artikel: „bei dem“, „in dem“, „zu dem“. Bei Adjektiven achtest du auf ein Bezugsnomen. In „junge und alte Menschen“ beziehen sich die Adjektive auf „Menschen“ und bleiben klein. In „Jung und Alt“ folgt kein Nomen, deshalb schreibst du groß. Sonderfall am: In „am schönsten“ gehört „am“ zur Steigerungsform, das Adjektiv bleibt klein. Die Ersatzprobe hilft: „im Grünen“ lässt sich als „in dem Grünen“ verstehen, also groß. „am schönsten“ lässt sich nicht sinnvoll zu „an dem schönsten“ erweitern, solange kein Nomen folgt: Superlativ, also klein.
Definition
Substantivierung
Bei einer Substantivierung wird ein Wort wie ein Nomen gebraucht und deshalb großgeschrieben: aus „tanzen“ wird „das Tanzen“, aus „neu“ wird „etwas Neues“.
Beispiel: „Das schnelle Laufen strengt mich an.“
- 1Das Grundwort „laufen“ ist ein Verb.
- 2Hier stehen der Artikel „das“ und das Adjektiv „schnelle“ davor.
- 3„Laufen“ übernimmt im Satz die Aufgabe eines Nomens.
- 4Deshalb wird „Laufen“ großgeschrieben.
Merke: am + -sten ist eine Steigerungsform: „am schönsten“, „am schnellsten“ bleiben klein. Ein Artikel macht ein Wort nur groß, wenn er wirklich zu ihm gehört.
Teste dich
Am Satzanfang schreibst du jedes Wort groß, egal welche Wortart es hat: „Morgen beginnen die Ferien.“ Auch das erste Wort einer Überschrift, eines Werktitels und einer wörtlichen Rede beginnt groß. Eigennamen schreibst du ebenfalls groß, zum Beispiel Namen von Personen und Orten: „Angela Merkel“, „Berlin“, „Monaco“. Ist ein Adjektiv oder Zahlwort fester Teil des Namens, beginnt es auch groß: „der Schiefe Turm von Pisa“, „der Zweite Weltkrieg“. Die höflichen Anredeformen „Sie“, „Ihnen“, „Ihr“ und ihre gebeugten Formen schreibst du groß: „Ich danke Ihnen für Ihre Nachricht.“ Die vertrauten Formen „du“, „dir“, „dich“ und „dein“ schreibst du normalerweise klein. In Briefen und E-Mails an eine bestimmte Person darfst du sie auch großschreiben. Nach einem Doppelpunkt kommt es darauf an, was folgt. Das Beispiel zeigt die drei Fälle.
Merke: Prüfe nach dem Doppelpunkt: Kann der folgende Teil als selbstständiger Satz mit Satzgliedern und einem gebeugten Verb stehen? Dann beginnt er groß. Eine bloße Aufzählung beginnt klein.
Beispiel: Groß oder klein nach dem Doppelpunkt?
- 1Vollständiger Satz, also groß: Viola war sich sicher: Sie hatte die Prüfung bestanden.
- 2Wörtliche Rede, also groß: Die Verkäuferin fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“
- 3Aufzählung, also klein: Martin kaufte ein: zwei Äpfel, eine Melone und vier Kiwis.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Groß- und Kleinschreibung
Grundregel
Kleinschreibung ist der Normalfall, Großschreibung braucht einen Grund
Satzanfang
erstes Wort eines Satzes, einer Überschrift oder wörtlichen Rede
Nomen und Eigennamen
immer groß („der Hund“, „Berlin“)
Substantivierung
groß nach Signalen wie „das“, „beim“ oder „etwas“
Anrede
„Sie“, „Ihnen“ und „Ihr“ groß
Doppelpunkt
vollständiger Satz groß, bloße Aufzählung klein
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Begründe jeden Großbuchstaben: Die Führerin fragte: „Haben Sie beim Rundgang etwas Interessantes entdeckt?“
- 1„Die“: Satzanfang. „Führerin“: Nomen, der Begleiter „die“ passt.
- 2„fragte“, „entdeckt“: Verben ohne Grund für Großschreibung, also klein.
- 3„Haben“: erstes Wort der wörtlichen Rede. „Sie“: höfliche Anrede.
- 4„Rundgang“: Nomen, „beim“ enthält den Artikel „dem“.
- 5„Interessantes“: substantiviertes Adjektiv nach „etwas“, kein Bezugsnomen folgt.
Fehler finden
Jonas schreibt über seinen Urlaub. In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3„am schönsten“ ist ein Superlativ, keine Substantivierung, also bleibt das Adjektiv klein. Richtig: Am schönsten war die Fahrt mit dem Boot.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Kleinschreibung ist der . Nach „beim“ wird ein Verb wie „Lesen“ . Nach einem Doppelpunkt beginnt eine bloße Aufzählung .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback