Deutsch · Klasse 6–7 · aktualisiert
Dialekt und Standardsprache: Unterschiede erkennen
Standardsprache, Umgangssprache, Dialekt: Du lernst, die Formen des Deutschen zu unterscheiden und je nach Situation die passende zu wählen.
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Kurz gesagt
Die Standardsprache ist die überregionale, weitgehend geregelte Form des Deutschen, etwa in Schule und Öffentlichkeit. Ein Dialekt (Mundart) gilt nur in einem begrenzten Gebiet und unterscheidet sich in Aussprache, Wortschatz und teils Grammatik. Dazwischen liegt die regionale Umgangssprache.
Dialekt und Standardsprache sind unterschiedliche Formen des Deutschen. Die Standardsprache ist überregional verständlich und weitgehend geregelt. Ein Dialekt gilt nur in einem begrenzten Gebiet und kann sich in Aussprache, Wortschatz und Grammatik von ihr unterscheiden. Dazwischen liegen regionale Umgangssprachen. Auf dieser Seite lernst du, diese Sprachformen zu erkennen, ihre Übergänge zu erklären und sie passend zur Situation zu beurteilen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Deutsch klingt und wirkt nicht überall gleich. Ein Schulaufsatz, ein Gespräch in der Familie und eine Unterhaltung in einem Ortsdialekt können sich deutlich unterscheiden. Solche unterschiedlichen Formen einer Sprache heißen Varietäten. Dialekt: Ein Dialekt, auch Mundart genannt, ist eine regional begrenzte Varietät. Er unterscheidet sich von der Standardsprache besonders durch Aussprache und Wortschatz, teilweise auch durch grammatische Formen. Dialekte besitzen keine einheitlich amtlich geregelte Schreibweise. Regionale Umgangssprache: Die regionale Umgangssprache liegt zwischen Standardsprache und Dialekt. Sie enthält regionale Merkmale, vermeidet aber besonders kleinräumige Dialektformen. Eine dialektnahe Umgangssprache wird auch Regiolekt genannt.
Definition
Standardsprache
Die Standardsprache ist die überregionale mündliche und schriftliche Form des Deutschen. Wortschatz, Grammatik und Rechtschreibung sind weitgehend festgelegt. Sie wird besonders in öffentlichen, schulischen und offiziellen Situationen verwendet.
| Sprachform | Räumliche Reichweite | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Standardsprache | überregional | weitgehend festgelegte Grammatik, Rechtschreibung und Wortwahl |
| regionale Umgangssprache | größere Region | regionaler Klang oder Wortschatz, meist überregional gut verständlich |
| Dialekt | begrenztes Gebiet | örtliche oder kleinräumige Aussprache, Wörter und Formen |
Merke: Regional bedeutet nicht automatisch Dialekt. Auch eine regionale Umgangssprache oder eine regionale Variante der Standardsprache kann von einer Gegend geprägt sein.
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Im Alltag wechseln Menschen meistens nicht wie mit einem Schalter zwischen zwei völlig getrennten Sprachformen. Zwischen Ortsdialekt und Standardsprache liegen viele Zwischenstufen. Dieses abgestufte Feld heißt sprachliches Kontinuum. Eine Person kann zum Beispiel zu Hause einen Dialekt sprechen, mit Menschen aus derselben Region eine regionale Umgangssprache verwenden und in einem Referat standardnah sprechen. Dabei können einzelne regionale Merkmale erhalten bleiben. Beim Annähern an die Standardsprache können sich mehrere Bereiche verändern: die Lautung (Wörter werden anders ausgesprochen), der Wortschatz (ein regionales Wort wird durch einen überregionalen Ausdruck ersetzt), die Grammatik (Verbformen oder Zeitformen ändern sich) und der Satzbau. Ein sprachwissenschaftliches Beispiel aus Süddeutschland zeigt die Stufen (Tabelle). Die Schreibungen geben die Aussprache nur beispielhaft wieder, denn der Dialekt besitzt keine einheitlich normierte Rechtschreibung. Auf dem Weg zur Standardsprache verändern sich unter anderem die Formen von haben und müssen, und das regional gebrauchte schaffen im Sinn von „arbeiten“ wird durch zur Arbeit ersetzt. Dasselbe Wort kann also regional eine andere Bedeutung haben: Standardsprachlich kann das starke Verb schaffen mit dem Partizip geschaffen „erschaffen“ bedeuten. Für die Einordnung brauchst du deshalb immer den Satzzusammenhang. Die Fähigkeit, innerhalb der eigenen Sprache verschiedene Varietäten und Stile zu verstehen und situationsgerecht zu nutzen, heißt innere Mehrsprachigkeit. Davon unterscheidet man äußere Mehrsprachigkeit: Dabei beherrscht oder lernt eine Person verschiedene Sprachen.
Beispiel: Mira im Gespräch und im Unterricht
- 1Im vertrauten Gespräch sagt Mira ein regionales Wort.
- 2Im Unterricht verwendet sie stattdessen einen überregional verständlichen Ausdruck.
- 3Ihre Sprache kann dabei weiterhin leicht regional klingen: Mira passt einzelne Merkmale an, ohne ihre ganze Sprechweise auf einmal zu wechseln.
| Sprachstufe | Beispielsatz |
|---|---|
| Standardsprache | Ich musste dort hinüber zur Arbeit. |
| großräumige Umgangssprache | I hab da nüber müssa ins Gschäft. |
| Regionalsprache | I han då nom missa zom Schaffa. |
| Ortsmundart | I hao miassa sält na ge schaffa. |
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Die passende Sprachform hängt vor allem von drei Fragen ab: (1) Mit wem sprichst du? Kennt dein Gegenüber die regionalen Ausdrücke? (2) In welcher Situation sprichst oder schreibst du? Ist sie vertraut, schulisch oder offiziell? (3) Was möchtest du erreichen? Willst du Nähe zeigen, sachlich informieren oder möglichst viele Menschen erreichen? Der situationsabhängige Wechsel zwischen Varietäten oder Sprachstilen wird als Code-Switching beziehungsweise sprachliche Variation bezeichnet. Ein solcher Wechsel kann bewusst geschehen, läuft aber oft auch unbewusst ab.
Beispiel: Dieselbe Geschichte, zwei Situationen
- 1Du erklärst Gästen aus verschiedenen Regionen den Weg: Eine überregional verständliche Form ist sinnvoll, weil nicht alle deinen Dialekt kennen.
- 2Später erzählst du dieselbe Begebenheit in deiner Familie: Wenn dort Dialekt üblich ist, kann er Nähe und Vertrautheit ausdrücken.
- 3Keine der beiden Formen ist grundsätzlich besser. Sie erfüllen in diesen Situationen unterschiedliche Aufgaben.
Merke: Angemessen ist eine Sprachform dann, wenn sie zu Gesprächspartner, Situation und Zweck passt. Angemessen bedeutet nicht: Ein Mensch oder seine Sprache ist mehr wert als ein anderer Mensch oder dessen Sprache.
Teste dich
Standardsprache und Dialekt erfüllen unterschiedliche Funktionen. Die Standardsprache erleichtert die überregionale Verständigung. Ein Dialekt kann regionale Zugehörigkeit, Vertrautheit und kulturelle Identität ausdrücken. Die Aussage „Dialekt ist falsches Deutsch“ ist deshalb unzutreffend. Ein Dialekt besitzt eigene, regelmäßig verwendete Wörter, Laute und grammatische Formen. Dass diese nicht den Regeln der Standardsprache entsprechen, macht den Dialekt nicht regellos. Umgekehrt ist Standardsprache nicht „unnatürlich“ oder grundsätzlich unpersönlich. Sie ist eine gemeinsame Konvention, die in vielen Situationen nützlich ist. Mit einer festen Untersuchungsfolge beschreibst du Unterschiede sachlich.
Beispiel: Abwertend oder sachlich?
- 1Abwertend: „Die Person spricht schlechtes Deutsch.“
- 2Sachlich: „Die Person verwendet eine regionale Verbform.“
- 3Sachlich weiter: „Im Gespräch mit Menschen aus derselben Region kann sie gut verständlich sein; für ein überregionales Publikum wäre die standardsprachliche Form leichter verständlich.“
Beispiel: So gehst du vor
- 1Beobachten: Was fällt an Aussprache, Wortschatz oder Grammatik auf?
- 2Einordnen: Welche Varietät oder Zwischenstufe könnte vorliegen?
- 3Situation prüfen: Wer spricht mit wem, wo und mit welchem Zweck?
- 4Wirkung erklären: Fördert die Wahl Verständlichkeit, Nähe oder regionale Zugehörigkeit?
- 5Sachlich formulieren: Beschreibe Merkmale statt Menschen zu bewerten.
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Alles auf einen Blick
Dialekt und Standardsprache
Standardsprache
überregional und weitgehend normiert
Regionale Umgangssprache
Zwischenstufe mit regionaler Färbung
Dialekt
räumlich begrenzt, ohne einheitlich geregelte Schreibung
Kontinuum
fließende Übergänge zwischen den Sprachformen
Sprachwahl
passend zu Gesprächspartner, Situation und Zweck (innere Mehrsprachigkeit)
Wertschätzend analysieren
Merkmale beschreiben, Menschen nicht abwerten
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Welche Sprachform passt? Tim stellt bei der Schulversammlung die Ergebnisse der Klassensprecherwahl vor.
- 1Mit wem spricht er? Mit allen Klassen und Lehrkräften – nicht alle kennen seinen Dialekt.
- 2Welche Situation? Eine schulische, öffentliche Situation.
- 3Was will er erreichen? Alle sollen die Ergebnisse verstehen.
- 4Entscheidung: überwiegend Standardsprache; eine leichte regionale Färbung ist kein Problem.
- 5Abends erzählt Tim zu Hause davon. Ist dort Dialekt üblich, kann er ihn nutzen und so Nähe ausdrücken.
Fehler finden
Nele untersucht den Satz „I hab da nüber müssa ins Gschäft.“ In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Schritt 4 wertet die Person ab, statt Merkmale zu beschreiben – der Satz folgt regionalen Mustern. Richtig: 4. Wirkung erklären: Die regionale Form kann Nähe und regionale Zugehörigkeit ausdrücken.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ändert sich der Klang eines Wortes, untersuchst du die . Wird ein regionales Wort durch einen überregionalen Ausdruck ersetzt, verändert sich der . Eine andere Verbform gehört zur .
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback