Deutsch · Klasse 9–10 · aktualisiert
Gendergerechte Sprache: Formen und Argumente
Beidnennung, neutrales Wort oder Genderzeichen: Du lernst die Formen gendergerechter Sprache kennen und wählst je nach Situation begründet eine passende.
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Kurz gesagt
Gendergerechte Sprache soll Personen verschiedener Geschlechter angemessen ansprechen oder sichtbar machen. Es gibt nicht die eine Form: Du kannst beide nennen („Lehrerinnen und Lehrer“), ein neutrales Wort wählen („Lehrkraft“) oder ein Genderzeichen setzen. Was passt, hängt von Aussage, Zielgruppe und Vorgaben ab.
Gendergerechte Sprache soll Personen verschiedener Geschlechter angemessen ansprechen oder sichtbar machen. Dafür gibt es nicht die eine allgemein anerkannte Form: Du kannst Personen ausdrücklich nennen, neutrale Wörter verwenden oder mit einem Genderzeichen arbeiten. Welche Lösung passt, hängt von Aussage, Zielgruppe, Medium und geltenden Vorgaben ab.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Stell dir den Satz vor: „Die Schüler treffen sich in der Aula.“ Sind damit nur Jungen gemeint oder alle Mitglieder der Schülerschaft? Ohne weiteren Kontext bleibt das möglicherweise unklar. Die grammatische Bedeutung und das Bild im Kopf müssen jedoch nicht übereinstimmen. Mehrere Studien berichten, dass männliche Personenbezeichnungen häufiger an Männer denken lassen. Kritisiert wird deshalb: Wer nur mitgemeint ist, wird nicht ausdrücklich sichtbar. Die Gegenposition betont, dass das generische Maskulinum grammatisch alle bezeichnen kann. Seine Verwendung sei oft kürzer, vertrauter und leichter lesbar. Damit stehen sich zwei Fragen gegenüber: Bedeutung: Wer kann grammatisch gemeint sein? Wirkung: An wen denken Lesende tatsächlich?
Definition
Generisches Maskulinum
Beim generischen Maskulinum steht eine grammatisch männliche Personenbezeichnung für Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht. In „Die Schüler schreiben eine Arbeit“ können daher auch Schülerinnen und weitere Personen mitgemeint sein.
Beispiel: „Die Ärzte beraten über den Fall.“
- 1Der Satz kann eine gemischte Gruppe meinen. Trotzdem kann „Ärzte“ zunächst das Bild einer männlichen Gruppe auslösen.
- 2„Die Ärztinnen und Ärzte beraten über den Fall“ nennt Frauen und Männer ausdrücklich.
- 3„Das ärztliche Team berät über den Fall“ vermeidet eine Geschlechtszuordnung.
Merke: Mitgemeint und sichtbar genannt sind nicht dasselbe. Eine sachliche Analyse unterscheidet die grammatische Bedeutung von der möglichen Wirkung auf Lesende.
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Gendergerechtes Formulieren ist eine Sammlung verschiedener Verfahren. Die Verfahren setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Beidnennung: Die Beidnennung ist eindeutig, wenn Frauen und Männer ausdrücklich genannt werden sollen: „Lehrerinnen und Lehrer“. Sie ist leicht vorlesbar, kann Sätze aber verlängern. Personen außerhalb der Einteilung in Frauen und Männer werden durch die beiden Formen nicht ausdrücklich sichtbar. Neutralisierung: Eine Neutralisierung vermeidet die Geschlechtsmarkierung: „Lehrkraft“, „Team“ oder „Personen, die unterrichten“. Sie kann knapp und inklusiv sein. Das Ersatzwort muss aber genau zur gemeinten Gruppe passen. „Studierende“ bezeichnet Personen, die studieren. Nicht jedes Partizip ist in jedem Zusammenhang ein gleichwertiger Ersatz für eine Berufs- oder Rollenbezeichnung. Prüfe deshalb immer die Bedeutung im Satz. Genderzeichen: Genderstern, Doppelpunkt und Unterstrich sollen in einer verkürzten Form Menschen verschiedener Geschlechter ansprechen. Beim Sprechen wird an der Zeichenstelle meist eine kurze Pause gesetzt. Nicht jede Wortform lässt sich durch bloßes Einfügen eines Zeichens bilden. Vergleiche deshalb die vollständigen Formen: Aus „Arzt“ und „Ärztin“ wird beispielsweise „Ärzt*in“, nicht „Arzt*in“. Nach dem Rat für deutsche Rechtschreibung gehören Genderstern, Doppelpunkt und Unterstrich nicht zum Kernbestand der amtlichen Rechtschreibung; das Regelwerk erwähnt sie nur in einem Ergänzungspassus. Zugleich werden sie in verschiedenen Einrichtungen verwendet. Es besteht also keine einheitliche Schreibpraxis. Auch die Barrierefreiheit lässt sich nicht pauschal einem einzigen Zeichen zuschreiben: Zu Sonderzeichen und Vorleseprogrammen gibt es widersprüchliche Empfehlungen. Für eine konkrete Zielgruppe können daher eine Beidnennung, ein neutrales Wort oder eine erklärte Zeichenform unterschiedlich geeignet sein.
| Verfahren | Beispiel | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Beidnennung | Schülerinnen und Schüler | nennt Frauen und Männer ausdrücklich |
| Neutrales Wort | Lehrkraft, Team, Person | vermeidet eine Geschlechtszuordnung |
| Umschreibung | Personen, die am Kurs teilnehmen | beschreibt die gemeinte Gruppe |
| Genderstern | Schüler*innen | soll mehr als zwei Geschlechter einbeziehen |
| Doppelpunkt | Schüler:innen | soll mehr als zwei Geschlechter einbeziehen |
| Unterstrich | Schüler_innen | soll mehr als zwei Geschlechter einbeziehen |
| Schrägstrich | Schüler/innen | verkürzt die männliche und weibliche Form |
| Binnen-I | SchülerInnen | verbindet männliche und weibliche Form in einem Wort |
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Beginne nicht mit einem Lieblingszeichen, sondern mit der beabsichtigten Aussage. Wenn du eine einzelne Person direkt ansprichst, sind der gewünschte Name, das gewünschte Pronomen oder eine neutrale Anrede entscheidend. Eine mögliche neutrale Anrede lautet beispielsweise: „Guten Tag Kim Schmidt“.
Beispiel: Ausgangssatz: „Jeder Schüler gibt seinen Zettel beim Lehrer ab.“
- 1Neutral formuliert: „Alle Lernenden geben ihren Zettel bei der Lehrkraft ab.“
- 2Hier passen „Lernende“ und „Lehrkraft“, weil es um Personen in einer Lernsituation und um eine unterrichtende Person geht.
- 3Mit Beidnennung: „Alle Schülerinnen und Schüler geben ihren Zettel bei der Lehrerin oder dem Lehrer ab.“
- 4Diese Version nennt Frauen und Männer ausdrücklich, ist aber länger.
- 5Mit Genderzeichen und neutraler Ergänzung: „Alle Schüler*innen geben ihren Zettel bei der Lehrkraft ab.“
- 6Diese Version signalisiert die Einbeziehung weiterer Geschlechter und vermeidet beim zweiten Personenwort eine zusätzliche Zeichenform.
Merke: Die passendste Form ist kontextbezogen: Sie bezeichnet die richtigen Personen, verfolgt ein klares Ziel und bleibt für die vorgesehene Leserschaft verständlich.
Beispiel: Eine gute Entscheidung folgt vier Schritten
- 1Gemeinte Personen klären: Sprichst du über eine bestimmte Person, eine genau bekannte Gruppe oder Menschen allgemein?
- 2Ziel festlegen: Sollen Geschlechter sichtbar genannt oder soll die Geschlechtszuordnung vermieden werden?
- 3Situation prüfen: Passt die Form zu Zielgruppe, Medium, Lesbarkeit und vorhandenen Vorgaben?
- 4Satz kontrollieren: Ist die Form grammatisch richtig, eindeutig und flüssig lesbar?
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Die Debatte verbindet sprachliche Beobachtungen mit politischen und persönlichen Wertungen. Beides darf vorkommen, muss aber unterschieden werden. Typische Argumente für gendergerechte Sprache: Genannte Gruppen werden sichtbarer. Neutrale oder mehrgeschlechtliche Formen können Ausgrenzung vermeiden. Sprachgebrauch verändert sich ohnehin und kann gesellschaftliche Veränderungen aufnehmen. Unterschiedliche Verfahren ermöglichen Lösungen für verschiedene Situationen. Typische Argumente gegen bestimmte Formen: Sonderzeichen können ungewohnt oder in einzelnen technischen und sprachlichen Situationen schwer zugänglich sein. Manche Formulierungen werden länger oder wirken weniger flüssig. Das generische Maskulinum könne grammatisch bereits alle Geschlechter bezeichnen. Sichtbare Genderformen können als politische Positionierung wahrgenommen werden. Ein Argument wird nicht allein dadurch richtig, dass es häufig wiederholt wird. Prüfe es mit vier Fragen: (1) Welche Behauptung wird aufgestellt? (2) Ist es ein Befund, eine Erklärung oder eine Wertung? (3) Welche Belege oder Beispiele tragen die Behauptung? (4) Gilt sie allgemein oder nur unter bestimmten Bedingungen?
Definition
Befund und Wertung
Ein Befund beschreibt etwas Beobachtbares oder Untersuchbares, etwa die Häufigkeit einer Form in Texten. Eine Wertung beurteilt etwas anhand eines Maßstabs, etwa als gerecht, schön oder störend.
Beispiel: Aussage: „Der Doppelpunkt ist immer barrierefrei.“
- 1Prüfung: „Immer“ behauptet eine allgemeine Wirkung.
- 2Zu Sonderzeichen und Vorlesetechnik gibt es jedoch unterschiedliche Erfahrungen und Empfehlungen. Das Urteil ist daher zu pauschal.
- 3Genauer wäre: „Ob der Doppelpunkt zugänglich ist, hängt unter anderem von Zielgruppe und technischer Verarbeitung ab.“
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Alles auf einen Blick
Gendergerechte Sprache
Ausgangsfrage
Wer ist gemeint und wer wird sichtbar?
Beidnennung
Frauen und Männer ausdrücklich nennen
Neutralisierung
Geschlechtszuordnung vermeiden
Genderzeichen
mehr als zwei Geschlechter signalisieren
Auswahl
Zielgruppe, Medium, Verständlichkeit und Vorgaben prüfen
Debatte
Befunde und Wertungen unterscheiden, das Urteil im Zusammenhang begründen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Überarbeite auf zwei Arten: „Die Teilnehmer müssen ihren Betreuer fragen.“
- 1Gemeinte Personen klären: alle, die teilnehmen, und die Person, die sie betreut.
- 2Neutralisierung: „Die teilnehmenden Personen müssen ihre Betreuungsperson fragen.“
- 3Vorteil und Grenze: Kein Geschlecht wird zugeordnet, aber „teilnehmende Personen“ ist länger als „Teilnehmer“.
- 4Beidnennung: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen ihre Betreuerin oder ihren Betreuer fragen.“
- 5Vorteil und Grenze: Frauen und Männer werden ausdrücklich genannt; die Form ist länger und nennt weitere Geschlechter nicht ausdrücklich.
- 6Kontrolle: Beide Sätze sind grammatisch richtig und meinen dieselben Personen. Andere Lösungen können ebenfalls passen.
Fehler finden
Jana formuliert eine Klassenregel neutral um: „Jeder Schüler räumt seinen Platz auf, bevor er geht.“ In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Nur das Personenwort wurde ersetzt; die Pronomen passen nicht zum Plural. Richtig: „Alle Lernenden räumen ihren Platz auf, bevor sie gehen.“
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Wer Personen ohne Geschlechtszuordnung benennen möchte, kann ein wählen. „Schülerinnen und Schüler“ ist eine . Eine Aussage wie „Diese Form ist hässlich“ ist eine . Für eine begründete Entscheidung prüfst du Aussage, Zielgruppe und Kontext.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback