Chemie · Klasse 12–13 · aktualisiert
Prinzip von Le Chatelier: Gleichgewichte vorhersagen
Sage voraus, wie Konzentration, Volumen und Temperatur ein Gasgleichgewicht verschieben.
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Kurz gesagt
Nach Le Chatelier begünstigt ein gestörtes Gleichgewicht die Richtung, die die Wirkung der Änderung abschwächt. Bei Kompression eines idealen Gasgemischs und gleicher Temperatur zählt die Seite mit weniger gasförmigen Teilchenanteilen; Erwärmung begünstigt die endotherme Richtung.
Wie reagiert ein chemisches Gleichgewicht auf eine Änderung? Le Chatelier sagt voraus: Wird das Gleichgewicht durch eine Konzentrations-, Druck- oder Temperaturänderung gestört, wird die Reaktionsrichtung begünstigt, die der Änderung entgegenwirkt. Die Änderung wird dadurch abgeschwächt, aber nicht einfach rückgängig gemacht. Auf dieser Seite lernst du, die Verschiebungsrichtung systematisch vorherzusagen und mehrere Einflüsse bei der Ammoniaksynthese gegeneinander abzuwägen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Im dynamischen Gleichgewicht laufen Hin- und Rückreaktion gleich schnell weiter. Die Konzentrationen bleiben dabei konstant, müssen aber nicht gleich groß sein.
Das Prinzip von Le Chatelier sagt qualitativ voraus, welche Reaktionsrichtung nach einer wirksamen Störung begünstigt wird. Es sagt allein weder die Größe der Verschiebung noch die Zeit bis zum neuen Gleichgewicht voraus.
Bei unveränderter Temperatur und sonst gleichen Bedingungen gilt für gelöste oder gasförmige Reaktionspartner: Zugabe begünstigt ihre Verbrauchsrichtung; Entnahme begünstigt ihre Bildungsrichtung. Die bloße Mengenänderung eines reinen Feststoffs oder einer reinen Flüssigkeit verschiebt das Gleichgewicht nicht, solange diese Phase vorhanden ist.
Definition
Prinzip von Le Chatelier
Wird ein System im chemischen Gleichgewicht durch eine äußere Änderung gestört, verschiebt sich das Gleichgewicht so, dass die Wirkung dieser Änderung vermindert wird. Typische Änderungen betreffen Konzentration, Gasdruck und Temperatur. Nicht jede Änderung stört das Gleichgewicht; die Bedingungen sind entscheidend.
Merke: Frage immer: Was wurde geändert, und welche Reaktionsrichtung vermindert genau diese Änderung?
Beispiel: Zugabe und Entnahme
- 1Betrachte im geschlossenen Gasgemisch \ce{CO(g) + H2O(g) <=> CO2(g) + H2(g)}.
- 2Mehr \ce{H2O(g)} begünstigt die Hinreaktion: Sie verbraucht Wasserdampf. Mehr \ce{H2(g)} begünstigt die Rückreaktion: Sie verbraucht Wasserstoff.
- 3Wird \ce{H2(g)} einmalig entfernt, wird seine Neubildung begünstigt. Bei fortlaufender Entnahme wird das System fortlaufend gestört.
Teste dich
Die Druckregel gilt für ideale Gasgleichgewichte, wenn sich das Volumen bei konstanter Temperatur ändert. Kompression begünstigt die Seite mit weniger gasförmigen Teilchenanteilen; Volumenvergrößerung die Seite mit mehr. Zähle dazu die Koeffizienten vor den gasförmigen Stoffen. Reine Feststoffe und Flüssigkeiten zählen nicht mit. Bei gleicher Summe auf beiden Seiten folgt aus der Volumenänderung keine Verschiebung.
„Druck erhöht“ beschreibt den Eingriff noch nicht genau genug. Wird bei konstantem Volumen und konstanter Temperatur ein nicht reagierendes Gas zugegeben, steigt der Gesamtdruck. Die Konzentrationen der reagierenden Gase ändern sich im idealen Modell nicht; das Gleichgewicht verschiebt sich dadurch nicht.
Beispiel: Gasanteile zählen
- 1Gegeben ist \ce{2 CO(g) <=> CO2(g) + C(s)}.
- 2Links zählen zwei gasförmige Anteile \ce{CO(g)}, rechts einer \ce{CO2(g)}. Der feste Kohlenstoff zählt nicht.
- 3Bei Kompression und gleicher Temperatur wird die rechte Seite begünstigt. Im neuen Gleichgewicht sind mehr CO₂ und fester Kohlenstoff vorhanden als vor der Volumenänderung.
Teste dich
Eine Temperaturänderung ist von einer Konzentrations- oder Volumenänderung zu unterscheiden: Sie kann auch die Gleichgewichtskonstante ändern. Erwärmung begünstigt die endotherme, also wärmeaufnehmende Richtung. Abkühlung begünstigt die exotherme, also wärmeabgebende Richtung.
Bei der Bildung von Distickstofftetraoxid aus Stickstoffdioxid ist die Hinreaktion exotherm. Im Beispiel bedeutet ein Formelumsatz: Aus zwei Mol NO₂ entsteht ein Mol N₂O₄. Das negative \Delta H zeigt, dass dabei Wärme frei wird. Mehr braunes Stickstoffdioxid macht das Gasgemisch dunkler; mehr farbloses Distickstofftetraoxid macht es heller. Das ist eine gedankliche Deutung der Beobachtung, keine Anleitung zum Umgang mit dem Gas.
Beispiel: Erwärmen und Abkühlen
- 1Für diese Aufgabe gilt \ce{2 NO2(g) <=> N2O4(g)} und \Delta H=-58\,\mathrm{kJ/mol}. Ein Formelumsatz bildet aus zwei Mol NO₂ ein Mol N₂O₄.
- 2Beim Erwärmen wird die endotherme Rückreaktion begünstigt. Der Anteil des braunen NO₂ nimmt zu; das Gemisch wird dunkler.
- 3Beim Abkühlen wird die exotherme Hinreaktion begünstigt. Der Anteil des farblosen N₂O₄ nimmt zu; das Gemisch wird heller.
Merke: Wärme zu: endotherme Richtung. Wärme weg: exotherme Richtung.
Teste dich
Bei der Ammoniaksynthese gilt \ce{N2(g) + 3 H2(g) <=> 2 NH3(g)}. Die Bildung von Ammoniak ist exotherm. Kompression bei gleicher Temperatur begünstigt die Produktseite, weil dort zwei statt vier gasförmige Anteile stehen. Abkühlung begünstigt ebenfalls die Produktseite, kann die Einstellung des Gleichgewichts aber verlangsamen. Sehr hoher Druck stellt technische Anforderungen. Die tatsächliche Wahl von Temperatur und Druck ist deshalb ein Kompromiss aus Gleichgewichtslage, Geschwindigkeit und technischer Umsetzbarkeit.
Ein Katalysator beschleunigt Hin- und Rückreaktion. Er verschiebt das Gleichgewicht nicht und erhöht dessen Gleichgewichtsausbeute nicht. Gehe bei Aufgaben in dieser Reihenfolge vor: Änderung benennen, passende Regel wählen, die Reaktionsgleichung auswerten und die Richtung begründen.
Definition
Katalysator
Ein Katalysator beschleunigt Hin- und Rückreaktion und sorgt dafür, dass das Gleichgewicht schneller erreicht wird. Er verschiebt die Gleichgewichtslage nicht und erhöht die Gleichgewichtsausbeute nicht.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Prinzip von Le Chatelier
Ausgangslage
dynamisches Gleichgewicht; gleich schnelle Hin- und Rückreaktion
Äußerer Zwang
Konzentration eines Reaktionspartners ändern; Gasvolumen bei gleicher Temperatur ändern; Temperatur ändern
Vorhersage
zugesetzten Stoff verbrauchen; entfernten Stoff nachbilden; bei Kompression und gleicher Temperatur weniger Gasteilchen begünstigen; bei Erwärmung endotherme Richtung begünstigen
Technische Anwendung
Gleichgewichtslage beachten; Geschwindigkeit und Umsetzbarkeit abwägen; Katalysator von Verschiebung unterscheiden
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Drei Eingriffe getrennt prüfen
- 1Für \ce{N2(g) + 3 H2(g) <=> 2 NH3(g)} ist die Hinreaktion exotherm.
- 2Wird das Gasgemisch bei gleicher Temperatur komprimiert, wird die Seite mit zwei statt vier gasförmigen Anteilen begünstigt: die Ammoniakseite.
- 3Wird es erwärmt, wird die endotherme Rückreaktion begünstigt: die Eduktseite.
- 4Wird Ammoniak entfernt, wird seine Nachbildung begünstigt: die Produktseite. Diese Aussagen gelten jeweils für den einzeln betrachteten Eingriff.
Fehler finden
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Fehler in Zeile 4Die letzte Zeile wendet die Kompressionsregel ohne Volumenänderung an. Bei konstantem Volumen und gleicher Temperatur bleiben die Konzentrationen der reagierenden Gase gleich; das ideale Gasgleichgewicht verschiebt sich nicht.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Wird ein gelöster Ausgangsstoff zugegeben, wird seine begünstigt. Kompression bei gleicher Temperatur begünstigt im idealen Gasmodell die Seite mit gasförmigen Anteilen. Beim Erwärmen wird die Richtung begünstigt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback