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Chemie · Klasse 12–13 · aktualisiert

Entropie und freie Enthalpie einfach erklärt

Entropie und Enthalpie gemeinsam betrachten: freie Enthalpie mit passenden Einheiten berechnen und den Temperatureinfluss deuten.

0 von 12 Aufgaben gelöst

Entropie und freie Enthalpie einfach erklärt

Kurz gesagt

Die freie Enthalpie verknüpft Enthalpie, Entropie und Temperatur: ΔG = ΔH − TΔS. Bei konstantem Druck und konstanter Temperatur ist eine betrachtete Richtung mit ΔG < 0 thermodynamisch begünstigt. Ein positiver Entropiebeitrag kann sogar eine endotherme Reaktion begünstigen.

Ob eine Reaktion thermodynamisch begünstigt ist, hängt von Enthalpie, Entropie und Temperatur ab. Diese Beiträge fasst die freie Enthalpie zusammen: \Delta G=\Delta H-T\Delta S Auf dieser Seite stehen \Delta G, \Delta H und \Delta S kurz für die molaren Reaktionsgrößen pro Formelumsatz der geschriebenen Gleichung. Der Zahlenwert von \Delta G hat daher zum Beispiel die Einheit \mathrm{kJ/mol} und gilt für die jeweils betrachtete Zusammensetzung. Wir betrachten eine einzelne Reaktion in einem geschlossenen System ohne Kopplung an andere Reaktionen. Ist \Delta G<0, ist die betrachtete Reaktionsrichtung bei konstantem Druck und konstanter Temperatur thermodynamisch begünstigt. Daraus folgt weder eine hohe Geschwindigkeit noch vollständiger Umsatz.

Deine Lernziele

Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.

4 Abschnitte

Beim Schmelzen oder Verdampfen können Teilchen mehr Orte und Energieverteilungen einnehmen. Für denselben Stoff unter passenden Bedingungen nimmt die Entropie beim Übergang von fest zu flüssig und von flüssig zu gasförmig zu. In einem Gas verteilen sich Teilchen räumlich freier.

Der hochgestellte Kreis bezeichnet einen festgelegten Standardzustand bei der angegebenen Temperatur; der Standarddruck beträgt 1\,\mathrm{bar}. S^\circ ist die molare Standardentropie eines Stoffes mit der Einheit \mathrm{J/(mol\,K)}. Aus den Standardentropien der Produkte minus denen der Edukte erhältst du die Standardreaktionsentropie:

\begin{aligned}\Delta_\mathrm r S^\circ&=\sum \nu S^\circ(\text{Produkte})\\&\quad-\sum \nu S^\circ(\text{Edukte})\end{aligned}

Die stöchiometrischen Koeffizienten \nu zählen die jeweiligen Stoffportionen mit. Diese Summe gilt für Standardzustände; die im Einstieg verwendete Größe \Delta S bezieht sich auf die betrachtete Zusammensetzung. Für eine qualitative Vorhersage fragst du, ob sich Aggregatzustände ändern und ob die Zahl gasförmiger Teilchen gemäß der Reaktionsgleichung zu- oder abnimmt. Diese Hinweise sind keine Ersatzrechnung.

Definition

Entropie

Entropie S beschreibt die Zahl zugänglicher Verteilungen von Teilchen und Energie. Je mehr Mikrozustände unter denselben Bedingungen möglich sind, desto größer ist S; sichtbare Unordnung allein ist kein Maß dafür.

Beispiel: Zerfall von Distickstoffpentoxid

  1. 1Bei der folgenden Reaktion entstehen aus einem Feststoff mehrere gasförmige Produkte:
  2. 2\ce{2 N2O5(s) -> 4 NO2(g) + O2(g)}
  3. 3Die Teilchen können sich danach räumlich vielfältiger verteilen.
  4. 4Deshalb ist eine deutliche Entropiezunahme zu erwarten: \Delta S>0.

Merke: Mehr gasförmige Teilchen oder der Übergang zu einem weniger geordneten Aggregatzustand sprechen meist für \Delta S>0. Das ist eine qualitative Vorhersage; einen Zahlenwert der Standardreaktionsentropie erhältst du aus molaren Standardentropien.

Teste dich

LeichtBei welchem Vorgang ist eine Entropiezunahme zu erwarten?
MittelWelche Zahl multipliziert im Beispiel mit Distickstoffpentoxid die Standardentropie von \ce{NO2(g)} auf der Produktseite?

Alles auf einen Blick

Entropie und freie Enthalpie

  • Entropie

    steigt bei mehr zugänglichen Teilchenverteilungen; mehr Gas spricht oft dafür

  • Enthalpie

    negatives ΔH bedeutet exotherm, positives ΔH endotherm

  • Freie Enthalpie

    ΔG = ΔH − TΔS; negatives ΔG begünstigt die betrachtete Richtung

  • Sichere Beurteilung

    Einheiten vereinheitlichen; Temperatur in Kelvin einsetzen; Geschwindigkeit und Umsatz getrennt beurteilen

Musteraufgabe · Schritt für Schritt

Einheiten und Vorzeichen prüfen

  1. 1Für einen weiteren Modellfall gelten \Delta H=-70\,\mathrm{kJ/mol}, \Delta S=-150\,\mathrm{J/(mol\,K)} und T=320\,\mathrm K.
  2. 2Zuerst rechnest du die Entropieänderung um: \Delta S=-0{,}150\,\mathrm{kJ/(mol\,K)}.
  3. 3Daraus folgt T\Delta S=-48\,\mathrm{kJ/mol}.
  4. 4\Delta G=-70\,\mathrm{kJ/mol}+48\,\mathrm{kJ/mol}
  5. 5\Delta G=-22\,\mathrm{kJ/mol}
  6. 6Die betrachtete Richtung ist bei den genannten Bedingungen thermodynamisch begünstigt.

Fehler finden

Joule vor dem Einsetzen umrechnen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.

Lückentext

Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.

Eine Reaktion mit \Delta G<0 ist . Bei \Delta G=0 liegt vor. Das Wort exotherm bezieht sich auf . Das Wort exergonisch bezieht sich auf \Delta G.

Karteikasten

Erst selbst überlegen, dann umdrehen.

Übung mit Feedback

Abschluss-Check: Entropie und freie Enthalpie

LeichtWelche Gleichung verbindet Reaktionsenthalpie, Reaktionsentropie und Temperatur?
MittelGegeben sind \Delta H=+45\,\mathrm{kJ/mol}, \Delta S=+200\,\mathrm{J/(mol\,K)} und T=300\,\mathrm K. Wie ist die Reaktion zu beurteilen?
SchwerEine Reaktion ist endotherm und läuft dennoch thermodynamisch begünstigt ab. Welche Begründung passt?

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