Chemie · Klasse 12–13 · aktualisiert
Haber-Bosch-Verfahren: Ablauf und Bedingungen
Verstehe die Ammoniaksynthese: Reaktion, Druck, Temperatur, Katalysator und Rückführung der Gase.
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Kurz gesagt
Im Haber-Bosch-Verfahren reagieren Stickstoff und Wasserstoff reversibel zu Ammoniak. Verdichten auf hohen Druck und Produktentzug fördern die Bildung; erhöhte Temperatur und ein Eisenkatalysator sorgen für ausreichende Geschwindigkeit. Unverbrauchte Gase gelangen zurück in den Reaktor.
Beim Haber-Bosch-Verfahren reagieren Stickstoff und Wasserstoff zu Ammoniak. Hoher Druck, eine geeignete Temperatur, ein Eisenkatalysator und die laufende Abtrennung des Ammoniaks machen die industrielle Herstellung möglich. Du lernst, die Betriebsbedingungen mit Gleichgewicht und Reaktionsgeschwindigkeit zu begründen, den Kreislauf der Anlage zu erklären und das Verfahren fachlich abzuwägen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
3 Abschnitte
Ammoniak, NH₃, besteht aus Stickstoff und Wasserstoff. Die umkehrbare Gesamtreaktion lautet:
\ce{N2(g) + 3 H2(g) <=> 2 NH3(g)}
Der Doppelpfeil zeigt, dass Hin- und Rückreaktion gleichzeitig ablaufen können. Im dynamischen Gleichgewicht entstehen und zerfallen in derselben Zeit gleich viele Ammoniakteilchen; die Reaktionen laufen weiter. Stickstoffmoleküle reagieren träge. Erhöhte Temperatur gibt mehr Teilchen genug Energie; ein Katalysator senkt die nötige Aktivierungsenergie.
Definition
Stöchiometrisches Verhältnis
Die Koeffizienten der Reaktionsgleichung geben das Stoffmengenverhältnis an: 1 mol N₂ reagiert mit 3 mol H₂ zu 2 mol NH₃. Das Verhältnis N₂:H₂ beträgt daher 1:3.
Beispiel
- 1Werden 1 mol N₂ und 3 mol H₂ vollständig nach der Reaktionsgleichung umgesetzt, können 2 mol NH₃ entstehen.
- 2Aus 2 mol N₂ wären entsprechend 6 mol H₂ nötig.
- 3Die Koeffizienten werden mit demselben Faktor vervielfacht.
Teste dich
Die Ammoniakbildung ist exotherm: Sie gibt Wärme ab. Für die Gleichung mit zwei Mol NH₃ gilt unter Standardbedingungen (25 °C):
\Delta_r H^\circ\approx-92{,}2\,\mathrm{kJ}
Nach dem Prinzip von Le Chatelier begünstigt ein gestörtes Gleichgewicht die Richtung, die die Wirkung der Änderung abschwächt. Bei niedrigerer Temperatur liegt das Gleichgewicht günstiger für NH₃, die Reaktion läuft aber langsamer. Höhere Temperatur beschleunigt sie und begünstigt zugleich die Rückreaktion. Klassische Anlagen nutzen häufig etwa 400 bis 500 °C als Kompromiss.
Links stehen vier gasförmige Teilchenanteile, rechts zwei. Wird das Gasgemisch bei gleicher Temperatur stärker verdichtet, wird die Seite mit weniger Gasteilchen begünstigt: NH₃. Klassische Anlagen arbeiten häufig bei etwa 150 bis 350 bar. Weiterer Druck kostet Verdichtungsenergie und verlangt aufwendigere sichere Technik.
Nach dem Reaktor wird Ammoniak durch Kühlung verflüssigt und abgetrennt. Das senkt seinen Anteil im Gasgemisch und fördert weitere Produktbildung. Unverbrauchtes N₂ und H₂ werden mit Frischgas zurückgeführt. Argon und Methan können sich dabei anreichern; ein begrenzter Teilstrom muss deshalb abgezogen werden.
Merke: Niedrige Temperatur, Verdichten bei gleicher Temperatur und Ammoniakentzug begünstigen die Gleichgewichtslage auf der Produktseite. Für eine ausreichende Geschwindigkeit wird trotzdem eine erhöhte Temperatur benötigt.
Beispiel
- 1Stell dir 100 gedachte Anteile Synthesegas vor.
- 2Wird in einem Durchgang nur ungefähr ein Fünftel umgesetzt, bleiben viele Edukte übrig.
- 3Durch Abtrennung des entstandenen Ammoniaks und Rückführung der Restgase erhalten diese Edukte weitere Reaktionsmöglichkeiten.
- 4Eine begrenzte Einzelumsetzung bedeutet deshalb nicht automatisch eine geringe Gesamtausbeute.
Beispiel: Der vereinfachte Kreislauf umfasst diese Schritte
- 1Gas bereitstellen und reinigen: Stickstoff stammt aus Luft. Wasserstoff wird überwiegend aus wasserstoffreichen Rohstoffen gewonnen; ein verbreiteter Weg ist die Dampfreformierung von Methan. Störende Stoffe wie CO, CO₂ und Schwefelverbindungen müssen weitgehend entfernt werden.
- 2Verdichten und erwärmen: Ein Kompressor bringt das gereinigte Synthesegas auf hohen Druck. Anschließend wird es auf Reaktionstemperatur gebracht.
- 3Reagieren: Im Reaktor strömt das Gemisch über den eisenhaltigen Katalysator. Ein Teil wird zu NH₃ umgesetzt.
- 4Wärme nutzen und kühlen: Das heiße Reaktionsgas gibt Wärme ab. Bei weiterer Kühlung kondensiert Ammoniak.
- 5Trennen: Flüssiges NH₃ wird von den gasförmigen Reststoffen abgetrennt.
- 6Zurückführen: Unverbrauchtes N₂ und H₂ werden mit Frischgas ergänzt, erneut verdichtet und in den Reaktor zurückgeführt.
Teste dich
Ein eisenhaltiger Katalysator bietet einen Reaktionsweg mit geringerer Aktivierungsenergie. Er beschleunigt Hin- und Rückreaktion, sodass das Gleichgewicht schneller erreicht wird. Seine Lage und seine Konstante ändern sich dadurch nicht; der Katalysator wird insgesamt nicht verbraucht. Nur eine Temperaturänderung ändert bei dieser Reaktion die Gleichgewichtskonstante.
Ammoniak ist vor allem Ausgangsstoff für Stickstoffdünger und weitere Chemikalien. Wasserstoffgewinnung, Verdichtung und Erwärmung brauchen Rohstoffe und Energie. Bei Wasserstoff aus Methan entsteht in der Gasaufbereitung CO₂; übermäßige Düngung kann Ökosysteme belasten.
Wasserstoff aus Elektrolyse kann die fossile Rohstoffbasis verringern, wenn die Elektrizität entsprechend bereitgestellt wird. Strombedarf, sichere Hochdrucktechnik, Geschwindigkeit, Trennung und Gesamtausbeute gehören weiter zur Bewertung. Aussagen über einen weltweiten Energieanteil brauchen Jahr und Systemgrenze.
Definition
Katalysatorgift
Ein Katalysatorgift ist ein Stoff, der aktive Stellen des Katalysators blockiert oder dauerhaft schädigt. Beim Haber-Bosch-Verfahren gehören unter anderem Wasser, CO, CO₂, Sauerstoff und verschiedene Schwefelverbindungen zu den problematischen Verunreinigungen. Deshalb ist die Gasreinigung ein notwendiger Prozessschritt.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Haber-Bosch-Verfahren
Reaktion
Stickstoff und Wasserstoff bilden umkehrbar Ammoniak
Gleichgewicht
niedrige Temperatur und Verdichten begünstigen Ammoniak
Geschwindigkeit
erhöhte Temperatur und Eisenkatalysator helfen
Produktentzug
Kühlung trennt flüssiges Ammoniak ab
Kreislauf
unverbrauchte Gase werden zurückgeführt
Bewertung
Rohstoffe, Energie, Emissionen und Sicherheit zählen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Stoffmengen für den Reaktor
- 1Die ausgeglichene Reaktion lautet:
- 2\ce{N2 + 3 H2 -> 2 NH3}
- 3Für 4\,\mathrm{mol} N₂ sind nach dem Verhältnis 1 : 3 genau 12\,\mathrm{mol} H₂ nötig.
- 4Bei vollständiger Umsetzung nach der Gleichung können 8\,\mathrm{mol} NH₃ entstehen.
- 5Im realen Reaktor ist die Umsetzung pro Durchgang begrenzt; abgetrenntes Ammoniak und zurückgeführte Restgase ermöglichen weitere Bildung.
Fehler finden
Wirkung eines Katalysators prüfen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Ein wirksamerer Katalysator beschleunigt bei gleicher Temperatur und gleichem Druck die Einstellung des Gleichgewichts; seine Lage bleibt gleich.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die Ausgangsstoffe werden vor der Synthese . Im Reaktor bildet sich an einem Ammoniak. Durch wird NH₃ kondensiert und abgetrennt. Unverbrauchtes N₂ und H₂ werden anschließend zurückgeführt.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback