Chemie · Klasse 11–13 · aktualisiert
Kohlenhydrate: Aufbau, Bindungen und Nachweise
Ordne Zuckerbausteine und glykosidische Bindungen ein. Vergleiche Stärke und Cellulose und deute kontrollierte Nachweise.
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Kurz gesagt
Kohlenhydrate umfassen einzelne Zuckerbausteine und daraus verknüpfte Ketten. Art und Bindung der Bausteine bestimmen Eigenschaften; Fehling zeigt reduzierende Stoffe, Iod Stärke an.
Kohlenhydrate sind eine Stoffklasse aus meist kohlenstoff-, wasserstoff- und sauerstoffhaltigen Verbindungen. Ihre kleinsten Bausteine heißen Monosaccharide. Durch glykosidische Bindungen entstehen daraus größere Moleküle wie Saccharose, Stärke, Glykogen und Cellulose. Entscheidend ist nicht nur, welche Bausteine ein Kohlenhydrat enthält. Auch die Art ihrer Verknüpfung bestimmt Eigenschaften, Nachweisbarkeit und biologische Funktion.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Glucose, Haushaltszucker, Stärke und Cellulose gehören alle zu den Kohlenhydraten. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich in der Zahl und Verknüpfung ihrer Zuckerbausteine. Glucose und Fructose haben beide die Summenformel \ce{C6H12O6}. Trotzdem sind sie verschiedene Stoffe: In ihrer offenkettigen Form besitzt Glucose eine endständige Aldehydgruppe, Fructose dagegen eine Ketogruppe innerhalb der Kohlenstoffkette. Glucose gehört deshalb zu den Aldosen, Fructose zu den Ketosen. Oligosaccharide enthalten wenige, Polysaccharide sehr viele miteinander verbundene Monosaccharide. Stärke, Glykogen und Cellulose sind Polysaccharide aus Glucosebausteinen. Die häufig angegebene Verhältnisformel \mathrm{C_n(H_2O)_n} passt zu vielen einfachen Zuckern, ist aber keine Definition der Stoffklasse. Manche Kohlenhydrate weichen davon ab, und nicht jeder Stoff mit diesem Zahlenverhältnis ist ein Kohlenhydrat. Disaccharid: Ein Disaccharid oder Zweifachzucker besteht aus zwei miteinander verbundenen Monosacchariden.
Definition
Monosaccharid
Ein Monosaccharid oder Einfachzucker besteht aus einer einzigen Zuckereinheit und lässt sich nicht in kleinere Zucker hydrolysieren. Beispiele sind Glucose, Fructose und Galactose.
| Disaccharid | Bausteine | Alltagsname |
|---|---|---|
| Maltose | Glucose + Glucose | Malzzucker |
| Saccharose | Glucose + Fructose | Haushaltszucker |
| Lactose | Galactose + Glucose | Milchzucker |
Merke: „Zucker“ meint im Alltag meist süße Mono- und Disaccharide. Chemisch gehören auch nicht süß schmeckende Stoffe wie Stärke und Cellulose zu den Kohlenhydraten.
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Monosaccharide werden zur Erklärung häufig als offene Kohlenstoffketten gezeichnet. In wässriger Lösung liegen viele von ihnen jedoch überwiegend als Ringe vor. Bei Glucose reagiert die Aldehydgruppe am ersten Kohlenstoffatom innerhalb desselben Moleküls mit einer Hydroxygruppe. Dabei entsteht ein sechsgliedriger Ring und am früheren Carbonyl-Kohlenstoff ein neues räumliches Zentrum. Die hier betrachtete sechsgliedrige Ringform der D-Glucose hat eine α-Form und eine β-Form. In einer üblichen Ringdarstellung der D-Glucose gilt: anomere OH-Gruppe nach unten: α-Glucose; anomere OH-Gruppe nach oben: β-Glucose. Die Ringform kann sich vorübergehend öffnen und erneut schließen. Dadurch können α- und β-Form ineinander übergehen. Dieser Vorgang erklärt auch, warum eine kleine Menge der reaktionsfähigen offenen Form verfügbar bleibt. Monosaccharide können über eine glykosidische Bindung miteinander verknüpft werden. Dabei ist das anomere Kohlenstoffatom mindestens eines Zuckerbausteins beteiligt. Die vereinfachte Stoffbilanz für Saccharose lautet in Worten: α-Glucose + β-Fructose → Saccharose + Wasser.
Die umgekehrte Reaktion heißt Hydrolyse. Dabei wird unter Aufnahme von Wasser eine glykosidische Bindung gespalten. In Worten: Saccharose + Wasser → Glucose + Fructose.
Kondensation: Bei einer Kondensationsreaktion verbinden sich Moleküle, während ein kleines Molekül abgespalten wird. Bei der Verknüpfung zweier Zuckerbausteine wird Wasser abgespalten.
Bei Saccharose sind die anomeren Zentren beider Bausteine an der Bindung beteiligt. Es bleibt kein freies anomeres Zentrum. Daher ist sie ohne vorherige Spaltung beim Fehling-Nachweis nicht reduzierend. Maltose besitzt dagegen ein freies anomeres Zentrum und kann ihre Ringform öffnen; sie reagiert reduzierend.
Definition
Anomeres Zentrum
Das anomere Zentrum ist das beim Ringschluss neu entstandene räumliche Zentrum. Bei Glucose liegt es am ersten Kohlenstoffatom. Seine Stellung unterscheidet die α- von der β-Form.
Beispiel
- 1Glucose besitzt in der offenen Form eine Aldehydgruppe.
- 2Obwohl in Wasser überwiegend Ringformen vorliegen, können sich Ringe öffnen.
- 3Deshalb kann Glucose beim Fehling-Nachweis als reduzierender Zucker reagieren.
Merke: Kondensation knüpft eine Bindung und setzt Wasser frei. Hydrolyse spaltet eine Bindung und verbraucht Wasser.
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Stärke, Glykogen und Cellulose bestehen alle aus Glucose. Ihre Eigenschaften unterscheiden sich, weil α- oder β-Glucose verwendet wird und weil Bindungsstellen sowie Verzweigungen verschieden sind. Die Zahlen bezeichnen die Kohlenstoffatome, über die zwei Glucoseeinheiten verbunden sind. Eine 1,4-Bindung verbindet also das erste Kohlenstoffatom einer Einheit mit dem vierten der nächsten. Eine 1,6-Bindung erzeugt eine Verzweigungsstelle. Stärke besteht aus unverzweigter, schraubenförmiger Amylose (α-1,4) und verzweigtem Amylopektin (α-1,4 und α-1,6). Glykogen ist stärker verzweigt als Amylopektin. An vielen Kettenenden können Enzyme gleichzeitig Glucoseeinheiten abspalten. Das unterstützt seine Funktion als schnell verfügbarer Speicher. Der Fehling-Nachweis zeigt in geeigneten Zuckerproben reduzierende Zucker an, etwa Glucose, Maltose und Lactose. Auch andere reduzierende Stoffe können reagieren. Der Test ist daher kein ausschließlich für Glucose spezifischer Nachweis. Fehling-Lösung I enthält Kupfersulfat, Fehling-Lösung II Natronlauge. Beim Erwärmen im Wasserbad reduziert der Zucker in dieser alkalischen Mischung die blauen Kupfer(II)-Teilchen. Es entsteht orange-rotes Kupfer(I)-oxid als Niederschlag. Der Zucker wird dabei oxidiert. Auch Ketosen wie Fructose können unter den alkalischen Bedingungen des Nachweises über Umlagerungen reagieren. Die einfache Aussage „Nur Aldosen reagieren positiv“ ist deshalb für den Fehling-Test zu eng. Kontrollen: Ein aussagekräftiger Versuch braucht neben der unbekannten Probe zwei Kontrollen: Positivkontrolle: eine bekannte Glucoselösung; sie muss den orange-roten Niederschlag liefern. Negativkontrolle: Wasser; es muss blau bleiben und darf keinen orange-roten Niederschlag bilden. Erst wenn beide Kontrollen das erwartete Ergebnis zeigen, lässt sich die unbekannte Probe sinnvoll auswerten.
Beispiel für die Auswertung: Die Positivkontrolle bildet einen orange-roten Niederschlag, die Negativkontrolle bleibt blau. Auch die unbekannte Probe bildet einen orange-roten Niederschlag. Unter diesen Bedingungen wurde ein reduzierender Stoff nachgewiesen; welcher es ist, bleibt offen.
| Polysaccharid | Verknüpfung | Aufbau | Funktion |
|---|---|---|---|
| Stärke | vor allem α-1,4; bei Amylopektin zusätzlich α-1,6 | unverzweigte Amylose und verzweigtes Amylopektin | Glucosespeicher der Pflanzen |
| Glykogen | α-1,4 und häufige α-1,6-Verzweigungen | stark verzweigt | schnell verfügbarer Glucosespeicher bei Tieren und Menschen |
| Cellulose | β-1,4 | lange, unverzweigte Ketten | Gerüststoff pflanzlicher Zellwände |
Beispiel
- 1Stärke und Cellulose bestehen aus demselben Monosaccharid. Trotzdem können menschliche Verdauungsenzyme die α-1,4-Bindungen der Stärke spalten, die β-1,4-Bindungen der Cellulose aber nicht.
- 2Cellulose gelangt deshalb als Ballaststoff weitgehend unverdaut durch den menschlichen Verdauungstrakt. Ihre geraden Ketten können sich parallel anordnen und durch zwischenmolekulare Kräfte feste Strukturen bilden.
Merke: Baustein allein genügt nicht: Konfiguration, Bindungsstelle und Verzweigung bestimmen Form, Enzymerkennung und Funktion eines Polysaccharids.
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Iod-Kaliumiodid-Lösung kann bei Stärke eine blau-violette bis schwarze Färbung auslösen. Iodteilchen lagern sich in die Schrauben der Amylose ein; dadurch entsteht die charakteristische Farbe. Auch hier machen Kontrollen die Auswertung zuverlässig: Eine bekannte Stärkelösung oder stärkehaltige Probe dient als Positivkontrolle. Wasser dient als Negativkontrolle. Ein Lebensmittel ist meist ein Stoffgemisch. Ein positiver Stärkenachweis bedeutet daher nicht, dass die gesamte Probe aus Stärke besteht. Er zeigt nur, dass Stärke enthalten ist. Sicherheit: Fehling-Lösung II enthält Natronlauge und verätzt Haut und Augen; Fehling-Lösung I enthält Kupfersulfat, das beim Verschlucken gesundheitsschädlich ist. Fehling- und Iod-Nachweise führt die Lehrkraft im Chemieunterricht nach ihrer Gefährdungsbeurteilung als Demonstration vor; alle Anwesenden tragen Schutzbrille. Erhitzt wird vorsichtig im Wasserbad, und die Öffnung des Reagenzglases zeigt nie auf Personen. Kupfer- und iodhaltige Reste kommen in die vorgesehenen Abfallbehälter; nichts wird probiert.
Um ein Kohlenhydrat fachlich zu beschreiben, verbindest du mehrere Beobachtungen statt dich auf einen einzelnen Namen zu verlassen. Bestimme zuerst, ob der Stoff aus einer oder mehreren Zuckereinheiten besteht. Betrachte dann die anomeren Zentren und Bindungsstellen. Beschreibe, ob das Molekül kurz, lang, unverzweigt oder verzweigt ist. Leite daraus ab, ob sich ein Ring öffnen oder ein Enzym die Bindung spalten kann und ob der Stoff reduzierend ist. Werte zuletzt die Probe zusammen mit Positiv- und Negativkontrolle aus.
Beispiel
- 1Die Lehrkraft gibt Iod-Lösung zu einer zerkleinerten Kartoffelprobe; du beobachtest eine dunkle Färbung. Die Stärkekontrolle zeigt dieselbe Färbung, während die Wasserkontrolle gelblich-braun bleibt.
- 2Auswertung: Der Nachweis auf Stärke in der Kartoffelprobe ist positiv. Die Kontrollen bestätigen, dass Reagenz und Durchführung funktioniert haben.
Merke: Unterscheide immer drei Ebenen: Kohlenhydrat bezeichnet eine chemische Stoffklasse, Stärke einen bestimmten Stoff und Kartoffel ein Stoffgemisch, das unter anderem Stärke enthält.
Beispiel
- 1Eine Probe aus pflanzlichem Material enthält ein Polysaccharid aus vielen α-Glucoseeinheiten mit 1,4- und 1,6-Bindungen. Nach Zugabe von Iod-Lösung färbt sich die Probe blau-violett bis schwarz.
- 2Deutung: Die Angaben passen zu Stärke mit verzweigten Anteilen. Die vielen Einheiten zeigen ein Polysaccharid, die 1,6-Bindungen kennzeichnen Verzweigungen und die charakteristische Iod-Färbung weist Stärke nach.
- 3Abgrenzung: Cellulose passt nicht, weil sie β-1,4-Bindungen besitzt. Glykogen enthält zwar ebenfalls verzweigte α-Glucoseketten, ist aber ein Speicherstoff von Tieren und Menschen; zur pflanzlichen Probe und zum Stärkenachweis passt daher Stärke.
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Alles auf einen Blick
Kohlenhydrate
Bausteine
Mono-, Di- und Polysaccharide bestehen aus unterschiedlich vielen Zuckereinheiten
Bindung
Kondensation knüpft glykosidische Bindungen unter Wasserabgabe
Struktur
α- und β-Bindungen sowie Verzweigungen beeinflussen Eigenschaften
Fehling
reduzierende Stoffe ergeben unter den Testbedingungen einen orange-roten Niederschlag
Iod
Stärke zeigt eine blau-violette bis schwarze Färbung
Kontrollen
Positiv- und Negativkontrolle sichern die Auswertung
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Saccharose und Maltose vergleichen
- 1Bei Saccharose sind beide anomeren Zentren an der glykosidischen Bindung beteiligt.
- 2Darum bleibt kein freies anomeres Zentrum; ohne vorherige Spaltung reagiert Saccharose beim Fehling-Nachweis nicht positiv.
- 3Maltose besitzt dagegen ein freies anomeres Zentrum.
- 4Ihr Ring kann sich öffnen; Maltose kann unter den Nachweisbedingungen reduzierend wirken.
Fehler finden
Zwei Nachweise an einer Probe auswerten In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Der Fehling-Nachweis zeigt einen reduzierenden Stoff, aber weder eindeutig Glucose noch die Reinheit der Probe.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Bei einer werden Zuckerbausteine unter Wasserabspaltung verbunden. Die dabei entstehende Bindung heißt . Durch kann sie unter Wasseraufnahme wieder gespalten werden. Saccharose ist ein Disaccharid.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback