Chemie · Klasse 10–12 · aktualisiert
Alkohole: Aufbau, Namen und Eigenschaften
Erkenne Alkohole an der OH-Gruppe, benenne Alkanole und leite Eigenschaften und Oxidationsprodukte aus ihrem Aufbau ab.
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Kurz gesagt
Alkohole tragen eine Hydroxygruppe an einem gesättigten Kohlenstoffatom. Ihre Namen enden meist auf -ol; die Zahl der C-Nachbarn am OH-tragenden C bestimmt, ob sie primär, sekundär oder tertiär sind. Die OH-Gruppe ermöglicht Wasserstoffbrücken.
Alkohole sind organische Verbindungen mit mindestens einer Hydroxygruppe -\mathrm{OH} an einem Kohlenstoffgerüst. Diese Gruppe bestimmt viele Eigenschaften: Sie ermöglicht Wasserstoffbrücken, beeinflusst die Löslichkeit und spielt bei Reaktionen eine zentrale Rolle. Hier lernst du, einfache Alkanole zu erkennen, zu benennen, einzuordnen und ihre Eigenschaften sowie ihre Oxidation aus der Struktur abzuleiten.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Die Hydroxygruppe besteht aus einem Sauerstoff- und einem Wasserstoffatom. Sie ist eine funktionelle Gruppe: Sie prägt das typische chemische Verhalten des Moleküls. Bei Alkanolen stammt der Kohlenstoffrest von einem Alkan. Für offenkettige, gesättigte Alkanole mit genau einer OH-Gruppe gilt:
\ce{C_nH_{2n+1}OH}
Diese Formel gilt nicht unverändert für ungesättigte oder mehrwertige Alkohole. Bei Phenolen sitzt die OH-Gruppe direkt an einem Benzolring, einem Sechsring aus C-Atomen mit Doppelbindungsanteilen. Diese Ring-C-Atome sind nicht gesättigt; deshalb zählen Phenole nicht zu den Alkoholen.
Definition
Alkohol
Ein Alkohol besitzt mindestens eine Hydroxygruppe -\mathrm{OH}. Bei einem Alkohol ist das Sauerstoffatom der OH-Gruppe mit einem gesättigten Kohlenstoffatom verbunden. Die Kurzschreibweise lautet \mathrm{R-OH}; \mathrm R steht für den Kohlenwasserstoffrest.
Beispiel
- 1Methan hat die Formel \mathrm{CH_4}.
- 2Ersetzt man ein H-Atom durch eine OH-Gruppe, entsteht Methanol: \mathrm{CH_3OH}.
- 3Bei Ethanol lautet die vereinfachte Strukturformel \mathrm{CH_3CH_2OH}.
- 4In beiden Formeln kannst du die OH-Gruppe direkt markieren.
Teste dich
Suche die längste Kohlenstoffkette mit dem OH-tragenden C-Atom. Nummeriere vom Ende her, das der OH-Gruppe die kleinste Zahl gibt. Ersetze die Alkanendung durch -ol und setze die Positionszahl davor. Benachbarte Glieder einer homologen Reihe unterscheiden sich um eine CH₂-Gruppe. Bei mehreren OH-Gruppen verwendest du -diol oder -triol mit Positionszahlen. So heißt HOCH₂–CHOH–CH₂OH Propan-1,2,3-triol.
Für den Alkoholtyp zählen die C-Nachbarn jedes OH-tragenden C-Atoms: primär bedeutet null oder einen, sekundär zwei und tertiär drei C-Nachbarn. Methanol ist der primäre Sonderfall ohne C-Nachbarn. Die Positionszahl allein reicht dafür nicht: In 2-Methylpropan-2-ol sitzt die OH-Gruppe wie in Butan-2-ol an C-2, hat aber drei C-Nachbarn. Einwertig und mehrwertig bezeichnen dagegen die Zahl der OH-Gruppen, nicht den Alkoholtyp.
Beispiel
- 1\mathrm{CH_3CH_2CH_2OH} besitzt drei C-Atome. Die OH-Gruppe sitzt am ersten C-Atom. Der Name lautet Propan-1-ol.
- 2\mathrm{CH_3CHOHCH_3} besitzt ebenfalls drei C-Atome, aber die OH-Gruppe sitzt am zweiten C-Atom. Der Name lautet Propan-2-ol.
- 3In 2-Methylpropan-2-ol hat das OH-tragende C-Atom drei C-Nachbarn; dieser Alkohol ist tertiär.
| Zahl der C-Atome | Name | Vereinfachte Strukturformel |
|---|---|---|
| 1 | Methanol | \mathrm{CH_3OH} |
| 2 | Ethanol | \mathrm{CH_3CH_2OH} |
| 3 | Propan-1-ol | \mathrm{CH_3CH_2CH_2OH} |
| 4 | Butan-1-ol | \mathrm{CH_3CH_2CH_2CH_2OH} |
| Alkoholtyp | C-Nachbarn am OH-tragenden C | Muster |
|---|---|---|
| primär | 0 oder 1 | Methanol ohne C-Nachbarn; sonst R–CH₂–OH |
| sekundär | 2 | R₂CH–OH |
| tertiär | 3 | R₃C–OH |
Teste dich
Die OH-Gruppe ist polar: Sauerstoff zieht Bindungselektronen stärker an als Wasserstoff und Kohlenstoff. Dadurch tragen O und H entgegengesetzte Teilladungen. Zwischen Alkoholmolekülen können deshalb Wasserstoffbrücken entstehen. Das sind Anziehungen zwischen dem positiv polarisierten H einer OH-Gruppe und dem negativ polarisierten O eines anderen Moleküls.
Ein Alkohol hat zugleich einen polaren OH-Teil und einen unpolaren Kohlenwasserstoffrest. Das heißt amphiphil. Bei kurzer Kette prägt die OH-Gruppe die Wasserlöslichkeit. Mit längerer Kette wächst der unpolare Anteil, und die Wasserlöslichkeit sinkt meist. In einer vergleichbaren Alkanolreihe steigen die Siedetemperaturen mit der Kettenlänge im Allgemeinen; mehr OH-Gruppen erhöhen sie meist ebenfalls.
Alkohol bezeichnet eine Stoffklasse, Ethanol einen einzelnen Stoff und ein alkoholisches Getränk ein Gemisch. Methanol ist stark giftig und kann Blindheit oder Tod verursachen; auch Ethanol kann die Gesundheit schädigen. Beurteile Risiken für den jeweiligen Stoff und die Menge.
Merke: Stärkere zwischenmolekulare Anziehung bedeutet: Zum Trennen der Moleküle ist mehr Energie nötig. Deshalb sieden Alkohole höher als vergleichbare Alkane.
Beispiel
- 1Propan-1-ol und Pentan-1-ol besitzen jeweils eine OH-Gruppe.
- 2Pentan-1-ol hat jedoch den größeren unpolaren Rest.
- 3Deshalb ist Pentan-1-ol schlechter in Wasser löslich.
- 4Seine größere Moleküloberfläche verstärkt zugleich die Anziehung zwischen den unpolaren Resten.
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Bei der Oxidation werden einem Alkohol vereinfacht Wasserstoffatome entzogen oder Sauerstoff wird aufgenommen. Das Zeichen [O] steht in einem Reaktionsschema für ein Oxidationsmittel, nicht für ein einzelnes freies O-Atom.
Ein primärer Alkohol kann zunächst einen Aldehyd und bei weiterer Oxidation eine Carbonsäure bilden. Ein sekundärer Alkohol bildet ein Keton. Ein tertiärer Alkohol lässt sich unter milden Bedingungen nicht zu einem Aldehyd oder Keton oxidieren; dafür müsste eine C–C-Bindung gespalten werden. Das sind Reaktionsschemata; ob und wie schnell die Reaktion läuft, hängt vom Oxidationsmittel und den Bedingungen ab.
Beispiel: Oxidation von Ethanol und Propan-2-ol
- 1Ethanol ist primär. Seine erste Oxidationsstufe ist Ethanal:
- 2\ce{CH3CH2OH + [O] -> CH3CHO + H2O}
- 3Ethanal kann weiter zu Ethansäure oxidiert werden:
- 4\ce{CH3CHO + [O] -> CH3COOH}
- 5Propan-2-ol ist sekundär. Es wird zu Propanon oxidiert:
- 6\ce{CH3CHOHCH3 + [O] -> CH3COCH3 + H2O}
- 7In jedem Schema stimmen die Anzahlen der C-, H- und O-Atome auf beiden Seiten überein.
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Alles auf einen Blick
Alkohole
Aufbau
Kohlenstoffgerüst und mindestens eine Hydroxygruppe
Benennung
Stammname, Position und Endung -ol
Einteilung
OH-Anzahl sowie primär, sekundär oder tertiär
Eigenschaften
Wasserstoffbrücken und amphiphiler Bau
Trends
längere Kette senkt meist die Wasserlöslichkeit und erhöht den Siedepunkt
Oxidation
primär zu Aldehyd, sekundär zu Keton
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Butan-2-ol einordnen
- 1Butan-2-ol hat die vereinfachte Struktur CH₃–CHOH–CH₂–CH₃.
- 2Das OH-tragende C-Atom hat zwei C-Nachbarn.
- 3Damit ist Butan-2-ol sekundär und wegen einer OH-Gruppe einwertig.
Fehler finden
Welcher Alkoholtyp liegt vor? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Drei C-Nachbarn machen das OH-tragende C tertiär. Mit nur einer OH-Gruppe ist der Alkohol einwertig.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Die OH-Gruppe ist . Zwischen Alkoholmolekülen entstehen deshalb . Mit wachsender Kohlenstoffkette wird der unpolare Anteil ; die Wasserlöslichkeit nimmt im Allgemeinen ab.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
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