Chemie · Klasse 11–13 · aktualisiert
Aminosäuren: Aufbau und Peptidbindung verstehen
Erkenne Amino- und Carboxylgruppe, Seitenkette und Zwitterion. Verstehe, wie Peptidbindungen Aminosäuren verknüpfen.
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Kurz gesagt
Bei α-Aminosäuren sitzt die Aminogruppe am Kohlenstoffatom direkt neben der Carboxylgruppe, dem α-Kohlenstoffatom. Ihre Seitenkette unterscheidet sie; Peptidbindungen verknüpfen sie zu Ketten.
Wie sind Aminosäuren aufgebaut und wie werden daraus Proteine? Aminosäuren enthalten eine Aminogruppe und eine Carboxylgruppe. Bei den hier betrachteten α-Aminosäuren unterscheidet eine Seitenkette die einzelnen Bausteine. Über Peptidbindungen lassen sie sich zu Ketten verknüpfen, aus denen Proteine bestehen.
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4 Abschnitte
Bei den für Proteine wichtigen α-Aminosäuren ist die Aminogruppe an das Kohlenstoffatom direkt neben der Carboxylgruppe gebunden. Es heißt α-Kohlenstoffatom. Amino- und Carboxylgruppe sind funktionelle Gruppen: Das sind Atomgruppen, die typische chemische Reaktionen eines Stoffes ermöglichen. Bei Glycin, Alanin und den meisten üblichen proteinogenen Aminosäuren sind dort eine Aminogruppe, eine Carboxylgruppe, ein Wasserstoffatom und eine veränderliche Seitenkette gebunden. Der Platzhalter R steht für diese Seitenkette. Die ungeladene Form zeigt das Grundgerüst:
\ce{H2N-CH(R)-COOH}
Diese Schreibweise zeigt die ungeladene Form. In Wasser ist der Ladungszustand von den Bedingungen abhängig. Eine Besonderheit ist Prolin: Seine Seitenkette bildet mit dem Stickstoff einen Ring. In der ungeladenen Form trägt dieser Stickstoff deshalb nur ein Wasserstoffatom statt zweier.
Definition
Seitenkette
Die Seitenkette, auch Rest genannt, ist der veränderliche Teil einer Aminosäure. Das Zeichen R steht als Platzhalter für diesen Teil. Die Seitenkette beeinflusst unter anderem, wie die Aminosäure mit Wasser und mit anderen Teilchen wechselwirkt.
Beispiel
- 1Bei Glycin ist die Seitenkette nur ein Wasserstoffatom. Seine vereinfachte Strukturformel lautet:
- 2\ce{H2N-CH2-COOH}
- 3Bei Alanin ist die Seitenkette eine Methylgruppe -\mathrm{CH_3}:
- 4\ce{H2N-CH(CH3)-COOH}
- 5Beide Stoffe besitzen dasselbe Grundgerüst. Der Unterschied liegt in der Seitenkette.
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Ein Proton ist hier ein positiv geladenes Wasserstoffion. Eine Carboxylgruppe kann ein Proton \mathrm{H^+} abgeben. Eine Aminogruppe kann ein Proton aufnehmen. Bei Glycin wird dadurch aus -\mathrm{COOH} eine negativ geladene Carboxylatgruppe -\mathrm{COO^-} und aus -\mathrm{NH_2} eine positiv geladene Ammoniumgruppe -\mathrm{NH_3^+}. Eine vereinfachte Darstellung dieses Protonenübergangs lautet:
\ce{H2N-CH2-COOH <=> H3N^+-CH2-COO^-}
In festem Glycin und in einer annähernd neutralen wässrigen Lösung überwiegt die rechte Form. Der pH-Wert beschreibt, wie sauer oder basisch eine wässrige Lösung ist. In stark saurer Lösung überwiegt beim Glycin eine insgesamt positiv geladene Form, in stark basischer Lösung eine insgesamt negativ geladene Form. Die dargestellte Form liegt also nicht unter allen Bedingungen vor. Gesamtladung null bedeutet also nicht, dass keine geladenen Bereiche vorhanden sind. Zwischen den entgegengesetzt geladenen Bereichen verschiedener Teilchen wirken starke Anziehungskräfte. Das erklärt, warum Glycin bei Raumtemperatur ein kristalliner Feststoff ist. Es ist zugleich gut in Wasser löslich: Auch Wasser besitzt unterschiedlich geladene Bereiche, die mit den Ladungszentren des Glycins wechselwirken können.
Definition
Zwitterion
Ein Zwitterion trägt im selben Teilchen positive und negative Ladungen, deren Summe null ist. Beim Glycin ergibt sich die Gesamtladung aus +1+(-1)=0.
Merke: Ein Zwitterion ist nach außen insgesamt neutral, besitzt aber positive und negative Ladungszentren.
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Eine Peptidbindung verknüpft den Kohlenstoff der Carboxylgruppe einer Aminosäure mit dem Stickstoff der Aminogruppe einer anderen. Vergleicht man zwei freie Aminosäuren mit dem verknüpften Produkt, fehlen diesem die Atome eines Wassermoleküls. Deshalb stellt man die Verknüpfung vereinfacht als Wasserabspaltung dar. Das ist eine Bilanz der beteiligten Atome, kein vollständiger Reaktionsmechanismus. Beim bloßen Mischen von Aminosäuren in Wasser entsteht nicht einfach eine Proteinkette. In Zellen werden Aminosäuren unter Energieverbrauch an Trägermoleküle gebunden und an Ribosomen, den Orten der Proteinherstellung, verknüpft. Eine Reaktion, bei der sich Teilchen unter Abspaltung eines kleinen Moleküls verbinden, heißt Kondensation. Die umgekehrte Spaltung einer Bindung mithilfe von Wasser heißt Hydrolyse. Werden viele Aminosäuren nacheinander verbunden, entsteht eine lange Kette. Entscheidend ist nicht nur, welche Aminosäuren vorkommen, sondern auch ihre Reihenfolge, die Aminosäuresequenz. Unterschiedliche Sequenzen können Proteine mit unterschiedlichen Eigenschaften ergeben. Bei der Verdauung helfen Enzyme, Peptidbindungen in Nahrungsproteinen schrittweise durch Hydrolyse zu spalten. Enzyme beschleunigen chemische Reaktionen. Die frei werdenden Aminosäuren kann der Körper anschließend als Bausteine verwenden.
Definition
Peptidbindung
Die Peptidbindung ist eine Kohlenstoff-Stickstoff-Bindung in einer Amidgruppe, meist dargestellt als -\mathrm{C(=O)-NH}-. Dabei bedeutet \mathrm{C(=O)}, dass Kohlenstoff und Sauerstoff durch eine Doppelbindung verbunden sind. Beim Stickstoff des Prolins steht anstelle des Wasserstoffatoms ein weiterer Kohlenstoffrest. Ein Produkt aus zwei verbundenen Aminosäuren heißt Dipeptid.
Beispiel
- 1Glycin: Zur Übersicht werden ungeladene Formeln verwendet. Markiere an einem Glycin die Carboxylgruppe, am anderen die Aminogruppe.
- 2Die vereinfachte Stoffbilanz lautet: zwei Glycinmoleküle → Glycylglycin + Wasser. Das ist keine Anleitung zum bloßen Mischen.
- 3Das Dipeptid hat die Struktur: \ce{H2N-CH2-C(=O)-NH-CH2-COOH} In seiner Mitte liegt die Peptidgruppe -\mathrm{C(=O)-NH}-; beide Seitenketten bleiben Wasserstoff.
- 4Prüfe die Atome: Zwei Glycinmoleküle enthalten zusammen zehn Wasserstoffatome. Acht bleiben im Dipeptid und zwei im Wasser.
Beispiel: So leitest du die vereinfachte Reaktionsbilanz ab
- 1Die Carboxylgruppe liefert einen -\mathrm{OH}-Teil.
- 2Die Aminogruppe liefert ein Wasserstoffatom.
- 3Daraus entsteht Wasser \ce{H2O}.
- 4Der Carboxyl-Kohlenstoff und der Amino-Stickstoff werden miteinander verbunden.
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Alle α-Aminosäuren besitzen ein ähnliches Grundgerüst. Ihre Seitenketten können sich jedoch deutlich unterscheiden. Sie können beispielsweise polar oder unpolar sein sowie saure oder basische Eigenschaften besitzen.
Polar bedeutet hier, dass durch eine ungleichmäßige Elektronenverteilung deutlich unterschiedlich geladene Bereiche entstehen. Unpolare Gruppen besitzen solche Bereiche kaum. Saure Gruppen können Protonen abgeben, basische Gruppen können sie aufnehmen.
Polare Seitenketten können günstige Wechselwirkungen mit dem ebenfalls polaren Wasser eingehen. Unpolare Seitenketten wechselwirken weniger günstig mit Wasser. Solche Einteilungen beschreiben die Seitenketteneigenschaften; sie sagen nicht, dass jedes vollständige Aminosäureteilchen unter allen Bedingungen gleich reagiert. Auch pH-Wert und Ladungszustand spielen eine Rolle.
Aminosäure und Protein: Eine Aminosäure ist ein einzelner Baustein. Ein Protein besteht aus einer oder mehreren langen Aminosäureketten. Ein proteinreiches Lebensmittel ist deshalb kein reiner Stoff aus freien Aminosäuren, sondern ein Gemisch, das unter anderem Proteine enthält.
Proteinogen und essentiell: Diese Begriffe beantworten verschiedene Fragen.
Proteinogen bedeutet: Die Aminosäure wird als Baustein für Proteine verwendet. Im Unterricht werden meist die 20 üblichen, sogenannten kanonischen Aminosäuren betrachtet. Daneben gibt es seltene zusätzliche proteinogene Aminosäuren.
Essentiell bedeutet: Der menschliche Körper kann die benötigte Aminosäure nicht ausreichend selbst herstellen; sie muss über die Nahrung aufgenommen werden.
Eine Aminosäure kann somit zugleich proteinogen und essentiell sein. „Essentiell“ bedeutet dagegen nicht einfach „in Lebensmitteln vorhanden“.
Neutral und ungeladen: Ein Zwitterion hat die Gesamtladung null, ist aber nicht an jeder Stelle ungeladen.
Seitenkette und Peptidbindung: Die Seitenkette unterscheidet Aminosäuren. Die Peptidbindung verbindet sie. Beides darf nicht verwechselt werden.
Beispiel
- 1Serin und Alanin besitzen dasselbe Grundgerüst. Ihre Seitenketten verhalten sich gegenüber Wasser aber verschieden:
- 2Serin hat die Seitenkette \ce{-CH2OH}. Ihre OH-Gruppe ist polar und kann günstig mit Wasser wechselwirken.
- 3Alanin hat die Seitenkette -\mathrm{CH_3}. Diese Methylgruppe ist unpolar.
- 4So entscheidet die Seitenkette, wie dieser Teil einer Aminosäure mit Wasser wechselwirkt.
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Alles auf einen Blick
Aminosäuren
Grundgerüst
Aminogruppe, Carboxylgruppe, Wasserstoff und Seitenkette
Seitenkette
unterscheidet Aminosäuren und beeinflusst Eigenschaften
Zwitterion
positive und negative Ladungen, insgesamt neutral
Kondensation
Peptidbindung und Wasser in der vereinfachten Bilanz
Hydrolyse
spaltet Peptidbindungen mithilfe von Wasser
Protein
eine oder mehrere Aminosäureketten mit bestimmter Sequenz
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine α-Aminosäure systematisch erkennen
- 1Betrachte die vereinfachte ungeladene Formel von Serin: \ce{H2N-CH(CH2OH)-COOH}.
- 2Markiere die Aminogruppe \ce{-NH2} und die Carboxylgruppe \ce{-COOH}.
- 3Am Kohlenstoffatom direkt neben der Carboxylgruppe sitzen die Aminogruppe, ein Wasserstoffatom und die Seitenkette \ce{-CH2OH}.
- 4Weil die Aminogruppe an diesem α-Kohlenstoffatom sitzt, ist Serin eine α-Aminosäure; aus der Formel allein folgt noch keine Peptidbindung.
Fehler finden
Alanin als Zwitterion beurteilen In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 4Die Ladungen +1 und −1 ergeben zusammen die Gesamtladung null. Die Ladungszentren bleiben bestehen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das gemeinsame Grundgerüst einer α-Aminosäure enthält eine und eine . Der veränderliche Teil heißt . Viele Aminosäuren werden durch Peptidbindungen zu einer Kette verbunden.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback