Biologie · Klasse 7–10 · aktualisiert
Viren: Aufbau, Vermehrung und Wirtszellen
Viren nutzen passende Wirtszellen für ihre Vermehrung. Lerne Genom, Kapsid, Rezeptoren und den Infektionszyklus kennen.
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Kurz gesagt
Viren sind keine Zellen: Sie enthalten DNA oder RNA in einem schützenden Kapsid und besitzen keinen eigenen Stoffwechsel. Neue Viruspartikel entstehen erst mithilfe einer passenden Wirtszelle. Bakteriophagen nutzen dazu Bakterienzellen.
Ein Virus enthält Erbgut und Proteine, ist aber keine Zelle. Für neue Viruspartikel braucht es eine passende Wirtszelle. Hier erfährst du, wie Viren aufgebaut sind, welche Zellen sie erreichen und wie ihre Vermehrung abläuft.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Virus ist keine Zelle. Ihm fehlen Zellplasma, Zellorganellen und ein eigener Stoffwechsel. Trotzdem besitzt es Erbinformation, die sich verändern und weitergegeben werden kann. Wirte können Menschen, Tiere, Pflanzen, Pilze, Bakterien oder Archaeen sein. Nicht jedes Virus befällt jeden Wirt; eine Infektion führt auch nicht zwangsläufig zu einer Erkrankung.
Das Genom enthält die Erbinformation. Je nach Virus besteht es aus DNA oder RNA; beide können ein- oder doppelsträngig sein. Das Kapsid ist die schützende Proteinhülle um das Genom. Zusammen bilden sie das Nukleokapsid. Manche Viren besitzen zusätzlich eine Virushülle aus einer Lipiddoppelschicht mit viralen Oberflächenproteinen. Hervorragende Proteine heißen häufig Spikes. Viren können kugel-, stäbchen-, faden- oder schraubenförmig sein.
Definition
Virus
Viren sind infektiöse Einheiten ohne Zellbau. Ihr Erbgut besteht aus DNA oder RNA. Neue Viruspartikel können nur mithilfe lebender Wirtszellen entstehen.
Merke: Ein Virus trägt die Information für neue Partikel. Die Stoffe und Strukturen für ihren Bau muss aber eine Wirtszelle bereitstellen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Unbehülltes Virus | Genom und Kapsid, aber keine zusätzliche Membranhülle |
| Behülltes Virus | Genom, Kapsid und zusätzliche Virushülle |
Teste dich
Virusproteine müssen zu bestimmten Strukturen auf der Wirtszelle passen, damit das Virus andocken kann. Der Vergleich mit Schlüssel und Schloss veranschaulicht diese Passung; ein Virus entscheidet dabei nicht bewusst.
Die Rezeptorpassung begrenzt das Wirtsspektrum, also die Menge geeigneter Wirte. Sie trägt zum Zelltropismus bei: Verschiedene Viren bevorzugen verschiedene Zelltypen und damit unterschiedliche Gewebe.
Definition
Rezeptor
Rezeptoren sind Strukturen an der Zelloberfläche. Nur wenn ein Virusprotein zu einem Rezeptor passt, kann das Virus daran binden.
Beispiel
- 1Ein Virus trifft auf zwei Zelltypen.
- 2Nur der erste Zelltyp trägt den passenden Rezeptor.
- 3Das Virus kann dort andocken und möglicherweise eindringen.
- 4Am zweiten Zelltyp fehlt die passende Bindungsstelle, sodass der erste Infektionsschritt scheitert.
Teste dich
Viren teilen sich nicht selbst. Zur Vermehrung nutzen sie eine passende Wirtszelle. Zuerst binden Virusproteine an Zellrezeptoren (Anheftung). Dann gelangt das Virus oder sein Inneres in die Zelle (Eindringen), etwa durch Aufnahme in ein Bläschen oder Verschmelzen einer Virushülle mit der Zellmembran. Das Kapsid wird geöffnet oder abgebaut; die DNA oder RNA wird verfügbar (Genomfreisetzung).
Danach vervielfältigt die Wirtszelle virales Erbgut und stellt Virusproteine her (Produktion). Genom und Proteine bilden neue Partikel (Zusammenbau). Diese verlassen die Zelle (Freisetzung) und können weitere passende Zellen infizieren. Dabei kann die Wirtszelle platzen und sterben. Behüllte Viren können durch Knospung austreten und einen Teil der Zellmembran als Hülle erhalten.
Bakterien sind dagegen vollständige Zellen mit eigenem Stoffwechsel und vermehren sich selbstständig durch Zellteilung. Antibiotika greifen bestimmte bakterielle Strukturen oder Vorgänge an; Viren besitzen diese Angriffspunkte nicht.
Beispiel
- 1Stell dir eine infizierte Zelle als Fabrik vor.
- 2Das Virus liefert die fremde Bauanleitung.
- 3Die Zellstrukturen produzieren danach virales Genom und Virusproteine.
- 4Erst beim Zusammenbau entstehen daraus vollständige neue Viruspartikel.
| Merkmal | Viren | Bakterien |
|---|---|---|
| Grundaufbau | keine Zellen; Genom und Kapsid, manchmal zusätzliche Hülle | vollständige Zellen mit Zellbestandteilen |
| Stoffwechsel | kein eigener Stoffwechsel | eigener Stoffwechsel |
| Vermehrung | nur mithilfe einer Wirtszelle | selbstständig durch Zellteilung |
| Erbgut | DNA oder RNA | DNA; RNA wird unter anderem bei der Proteinherstellung gebildet |
| Einordnung | meist nicht als Lebewesen eingeordnet | Lebewesen |
Merke: Bei einer Infektion prüfst du zuerst den Erregertyp. Bakterien und Viren unterscheiden sich in ihren Angriffspunkten für Arzneimittel.
Teste dich
Viren sind ein biologischer Grenzfall. Meist gelten sie nicht als Lebewesen: Sie sind keine Zellen, besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und vermehren sich nicht selbstständig. Sie tragen aber Erbinformation, die sich verändern und weitergegeben werden kann. Eine begründete Einordnung betrachtet alle diese Merkmale.
Bakteriophagen oder Phagen sind Viren, die Bakterien infizieren. Ein häufig dargestellter Phagentyp besitzt einen Kopf mit Erbgut, einen Schwanz und Schwanzfasern zum spezifischen Andocken. Nach dem Andocken gelangt das Phagengenom in die Bakterienzelle. Im lytischen Zyklus stellt sie neue Phagenbestandteile her. Die zusammengesetzten Phagen werden beim Platzen der Zelle freigesetzt.
Bei manchen Phagen kann das Erbgut zunächst in das Bakteriengenom eingebaut und mit ihm weitergegeben werden. Diese ruhende Phase heißt lysogener Zyklus. Später kann ein Übergang in den lytischen Zyklus erfolgen.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Zellulärer Aufbau | nicht erfüllt |
| Eigener Stoffwechsel | nicht erfüllt |
| Selbstständige Fortpflanzung | nicht erfüllt |
| Erbinformation, Veränderung und Evolution | vorhanden |
Teste dich
Alles auf einen Blick
Viren
Aufbau
Genom aus DNA oder RNA; Kapsid aus Proteinen; manchmal zusätzliche Hülle
Wirtsabhängigkeit
passender Rezeptor nötig; kein eigener Stoffwechsel; Vermehrung nur in Zellen
Vermehrung
anheften und eindringen; Genom und Proteine herstellen; zusammenbauen und freisetzen
Abgrenzung
keine Bakterienzellen; meist keine Lebewesen; Antibiotika wirken nicht gegen sie
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Ein behülltes Virus verlässt eine Wirtszelle
- 1Ein behülltes Virus hat in einer passenden Zelle neue Genome und Kapsidproteine herstellen lassen.
- 2Die Bauteile werden zu neuen Viruspartikeln zusammengesetzt.
- 3Beim Austritt durch Knospung erhält ein Partikel einen Teil der Wirtszellmembran als Hülle.
- 4Dieser Weg ist eine Möglichkeit für behüllte Viren; andere Viren können durch Platzen der Zelle freiwerden.
Fehler finden
Ein Virus an einer passenden Zelle In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 3Richtig: Das Virus teilt sich nicht in Tochterzellen. Die Wirtszelle stellt Bauteile her, die zu neuen Viruspartikeln zusammengesetzt werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Das virale enthält die Erbinformation. Die schützende Proteinhülle heißt . Nur manche Viren besitzen zusätzlich eine .
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