Biologie · Klasse 10–13 · aktualisiert
Stammzellen: Arten, Potenz und medizinische Nutzung
Stammzellen erneuern Gewebe und können verschiedene Zelltypen bilden. Du vergleichst ihre Potenz, Herkunft und medizinische Nutzung.
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Kurz gesagt
Stammzellen können sich selbst erneuern und spezialisierte Tochterzellen hervorbringen. Totipotente Zellen können einen vollständigen Organismus ermöglichen, pluripotente viele Körperzelltypen und multipotente eine begrenzte Zellfamilie. Blutbildende Stammzellen werden bereits medizinisch übertragen.
Stammzellen sind noch nicht vollständig spezialisierte Zellen. Sie können sich selbst erneuern und Tochterzellen bilden, die sich zu bestimmten Zelltypen entwickeln. Wie viele Zelltypen entstehen können, hängt von der Potenz der Stammzelle ab. Auf dieser Seite lernst du, embryonale und adulte Stammzellen zu unterscheiden, ihre Aufgaben zu erklären und medizinische Anwendungen nach Nutzen, Risiken und ethischen Folgen zu beurteilen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Spezialisierte Haut-, Nerven- und Muskelzellen erfüllen bestimmte Aufgaben. Stammzellen sind dagegen noch nicht vollständig festgelegt. Bei einer asymmetrischen Teilung bleibt eine Tochter Stammzelle und erhält den Vorrat. Die andere kann sich unter dem Einfluss ihrer Umgebung weiterentwickeln. Differenzierung bildet eine bestimmte Gestalt und Funktion aus; Determinierung legt zuvor eine Entwicklungsrichtung fest. Wachstumssignale aus einer Stammzellnische können diese Vorgänge beeinflussen. Eine gezielte Steuerung für medizinische Zwecke gelingt nicht in jedem Fall zuverlässig.
Die Potenz beschreibt die möglichen Zelltypen, nicht Herkunft oder therapeutischen Erfolg. Die genaue Einordnung sehr früher Stadien unterscheidet sich in Lehrdarstellungen etwas. Entscheidend ist die Fähigkeit, einen vollständigen Organismus samt nötiger früher Strukturen, viele Körperzelltypen oder nur eine begrenzte Zellfamilie zu bilden. Eine blutbildende Stammzelle ist gewöhnlich multipotent: Sie liefert mehrere Blutzelltypen, nicht sämtliche Körperzellen. Eine embryonale Stammzelle aus der inneren Zellmasse der Blastozyste ist pluripotent, nicht totipotent.
Definition
Stammzelle
Eine noch nicht vollständig differenzierte Zelle, die sich selbst erneuern und Zellen für eine weitere Spezialisierung hervorbringen kann.
| Potenz | Mögliche Entwicklung | Beispiel |
|---|---|---|
| totipotent | vollständiger Organismus samt nötiger früher Strukturen | Zygote und sehr frühe Entwicklungszellen |
| pluripotent | viele Körperzelltypen, allein kein vollständiger Mensch | embryonale Stammzellen aus der inneren Zellmasse |
| multipotent | mehrere Typen einer begrenzten Zellfamilie | adulte blutbildende Stammzellen |
Merke: Selbsterneuerung erhält den Stammzellvorrat; Differenzierung liefert spezialisierte Zellen.
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Embryonal und adult beschreiben die Herkunft einer Stammzelle; die Potenz beschreibt ihre Möglichkeiten. Embryonale Stammzellen werden aus der inneren Zellmasse einer frühen Blastozyste gewonnen. Sie können sich lange teilen und viele Körperzelltypen bilden. Bei ihrer Gewinnung wird die Blastozyste zerstört; das wirft eine ethische Frage auf.
Adulte Stammzellen liegen in Nischen entwickelter Gewebe, etwa Haut, Darm, Leber oder Knochenmark. Sie erneuern oder reparieren meist ihr eigenes Gewebe und sind gewöhnlich multipotent. Im Knochenmark bilden hämatopoetische Stammzellen Blutzellen. Mesenchymale Stammzellen können unter anderem Knochen-, Knorpel-, Fett- und weitere Binde- und Stützzellen hervorbringen. Ältere Tierbefunde deuteten bei manchen Knochenmarkszellen breitere Möglichkeiten an. Die Angaben der beschriebenen Versuche reichen aber nicht für eine allgemeine Regel oder eine Therapieaussage.
Beispiel
- 1Die Darmschleimhaut verliert ständig Zellen.
- 2Adulte Stammzellen in passenden Nischen liefern neue Zellen für dieses Gewebe.
- 3Ihre Aufgabe ist damit nicht der Aufbau eines vollständigen Organismus, sondern der laufende Zellnachschub.
Merke: Herkunft und Potenz sind verschiedene Merkmale: embryonal oder adult bezeichnet die Herkunft; toti-, pluri- und multipotent beschreiben Entwicklungsmöglichkeiten.
Teste dich
Stammzellen sollen funktionsfähige Zellen liefern und geschädigtes Gewebe ersetzen oder erneuern. Eine etablierte Anwendung ist die Übertragung blutbildender Stammzellen, etwa bei Leukämie. Sie werden aus Blut oder Knochenmark gewonnen und sollen nach der Übertragung eine neue Blutbildung aufbauen. Bei einer Spende müssen wichtige Gewebemerkmale möglichst gut zusammenpassen. Nabelschnurblut ist eine weitere Quelle blutbildender Zellen; es wird besonders bei Kindern verwendet. Auch im Labor vermehrte Hautzellen, darunter Hautstammzellen, werden zur Versorgung schwerer Verbrennungen genutzt.
Der gezielte Ersatz bestimmter Nerven- oder insulinbildender Zellen ist dagegen ein Forschungsziel. Eine im Labor mögliche Differenzierung beweist weder klinische Wirksamkeit noch Sicherheit. Übertragene Zellen müssen den benötigten Typ bilden, am richtigen Ort funktionieren und ihre Teilung kontrollieren. Unkontrollierte Teilung kann Gewebe schädigen. Zur Bewertung gehören Nutzen, Wirksamkeitsbelege, Risiken wie Abstoßung und die Herkunft der Zellen.
Beispiel
- 1Bei einer Erkrankung des blutbildenden Systems werden passende blutbildende Stammzellen übertragen. Der erwartete Nutzen besteht im Aufbau einer neuen Blutbildung.
- 2Die Aussage „Stammzellen können viele Zelltypen bilden“ genügt jedoch nicht zur Bewertung. Zusätzlich muss geprüft werden, ob die übertragenen Zellen angenommen werden, die richtigen Blutzellen hervorbringen und sich kontrolliert teilen.
| Kriterium | Prüffrage |
|---|---|
| Nutzen | Welches geschädigte Gewebe soll ersetzt werden? |
| Wirksamkeit | Ist die gewünschte Funktion belegt? |
| Risiko | Sind Differenzierung, Teilung und Abstoßung kontrollierbar? |
| Herkunft | Wie werden die Zellen gewonnen, und welche ethischen Folgen hat das? |
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Beim therapeutischen Klonen wird ein Körperzellkern in eine gespendete, zuvor entkernte Eizelle übertragen. Ihre Umgebung kann ihn in einen frühen Entwicklungszustand zurückversetzen. Die Zelle soll sich bis zur Blastozyste entwickeln; aus deren innerer Zellmasse werden Stammzellen gewonnen und zu benötigtem Gewebe differenziert. Die Gewinnung zerstört die Blastozyste. Das Ziel ist Ersatzgewebe für eine Behandlung, keine Geburt eines geklonten Menschen.
Genetische Ähnlichkeit könnte das Abstoßungsrisiko senken, garantiert aber keine Annahme. Auch unkontrollierte Teilung, unzuverlässige Differenzierung und Veränderungen des erzeugten Gewebes sind zu prüfen. Eine ethische Beurteilung trennt erwarteten Nutzen, tatsächliche Belege, Risiken und den moralischen Status des frühen Embryos. Wie diese Kriterien gewichtet werden, kann unterschiedlich begründet werden.
Beispiel: Zellkerntransfer in Schritten
- 1Aus einer Körperzelle wird der Zellkern entnommen; aus einer gespendeten Eizelle wird ihr Zellkern entfernt.
- 2Der Körperzellkern wird in diese entkernte Eizelle übertragen und kann dort umprogrammiert werden.
- 3Wenn die Entwicklung gelingt, entsteht ein frühes Blastozystenstadium.
- 4Für die Gewinnung embryonaler Stammzellen wird die Blastozyste zerstört.
- 5Die gewonnenen Zellen sollen zum benötigten Gewebe differenziert werden.
Beispiel: Welche Kriterien zählen bei der Bewertung?
- 1Eine Seite betont die Aussicht auf genetisch passendes Ersatzgewebe bei schwerer Erkrankung.
- 2Eine andere Seite betont die Erzeugung und Zerstörung der Blastozyste.
- 3Eine begründete Bewertung prüft Nutzen, Belege und Risiken und legt offen, wie sie den frühen Embryo moralisch einordnet.
Merke: Ein ethisches Urteil nennt Kriterien, wendet sie auf das Verfahren an und begründet ihre Gewichtung.
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Alles auf einen Blick
Stammzellen
Eigenschaften
Selbsterneuerung; Differenzierung; asymmetrische Teilung
Potenz
totipotent: vollständiger Organismus möglich; pluripotent: viele Körperzelltypen; multipotent: begrenztes Zellspektrum
Herkunft
embryonal: innere Zellmasse der Blastocyste; adult: Stammzellnischen in entwickelten Geweben
Medizin
blutbildende Stammzellübertragung; Hautersatz bei schweren Verbrennungen; weitere Anwendungen als Forschungsperspektiven
Bewertung
Nutzen und Wirksamkeit; kontrollierte Differenzierung und Teilung; Abstoßungsrisiko; Herkunft und ethischer Konflikt
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Eine mögliche Behandlung einordnen
- 1Für ein geschädigtes blutbildendes System werden passende blutbildende Stammzellen angeboten.
- 2Diese Anwendung ist etabliert: Die Zellen sollen im Empfänger eine neue Blutbildung aufbauen.
- 3Die Herkunft aus einem entwickelten Gewebe macht sie adult; ihr begrenztes Zellspektrum macht sie multipotent.
- 4Trotz etablierter Anwendung müssen Gewebepassung, Annahme und mögliche Risiken geprüft werden.
Fehler finden
Reicht ein Zelltyp im Labor als Therapiebeleg? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Richtig: Eine Differenzierung im Labor belegt noch keine sichere Behandlung. Funktion, Annahme und kontrollierte Teilung im Körper müssen gesondert untersucht werden.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Eine Zelle, aus der ein vollständiger Organismus entstehen kann, heißt . Eine Stammzelle, die viele Körperzelltypen, aber allein keinen vollständigen Menschen bilden kann, heißt . Eine adulte blutbildende Stammzelle ist gewöhnlich .
Karteikasten
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