Biologie · Klasse 8–10 · aktualisiert
Angeborenes und erlerntes Verhalten erklärt
Du lernst, angeborene und erlernte Anteile zu erkennen und vorschnelle Schlüsse über Verhalten zu vermeiden.
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Kurz gesagt
Angeborenes Verhalten beruht auf genetischen Voraussetzungen; erlerntes Verhalten verändert sich durch Erfahrung. Ein Reflex braucht keine Übung. Bei der Prägung verbindet sich eine angeborene Bereitschaft mit frühem Lernen.
Wenn ein Tier auf einen Reiz reagiert, können Anlage, Erfahrung und die aktuelle Situation beteiligt sein. Beschreibe zuerst genau, was du siehst. Dann prüfe mögliche Erklärungen.
Deine Lernziele
Hake ab, was du schon kannst. Löst du alle Aufgaben eines Abschnitts, hakt Mela das Ziel für dich ab.
4 Abschnitte
Ein Hund sieht einen Hasen und läuft los. Beobachten kannst du, dass er den Kopf aufrichtet und dem Hasen folgt. Ob eine angeborene Jagdbereitschaft beteiligt ist, bleibt zunächst eine Deutung. Dafür brauchst du weitere Beobachtungen.
Angeborene Verhaltensweisen beruhen auf genetischen Voraussetzungen und brauchen für ihre grundlegende Form keine individuelle Übung. Erlernte Verhaltensweisen verändern sich durch Erfahrungen. Ein Reflex ist eine angeborene Reaktion auf einen bestimmten Reiz. Die Saugbewegung eines Säuglings steht schon kurz nach der Geburt zur Verfügung.
Die beiden Anteile greifen oft ineinander: Eine genetische Voraussetzung kann Lernen ermöglichen. Erfahrung und Situation beeinflussen dann, wann und wie ein Lebewesen handelt.
Definition
Verhalten
Verhalten umfasst Handlungen und Reaktionen eines Lebewesens auf innere oder äußere Reize. Sichtbare Abläufe kannst du beschreiben; ihre Ursachen musst du prüfen.
Merke: Beschreibe zuerst das sichtbare Geschehen. Stelle danach eine überprüfbare Frage nach seiner Ursache.
Beispiel: Folgen nach dem Schlüpfen
- 1Ein Gänseküken besitzt eine angeborene Bereitschaft, einem geeigneten bewegten Objekt zu folgen.
- 2Welchem konkreten Objekt es folgt, wird während einer frühen Entwicklungsphase gelernt.
- 3Die Bereitschaft ist angeboren; das Bezugsobjekt wird erworben.
Teste dich
Eine angelegte Verhaltensweise kann erst später auftreten, wenn der Körper dafür weit genug entwickelt ist. So beginnt Fortpflanzungsverhalten bei vielen Tieren erst mit der Geschlechtsreife. Der späte Beginn beweist kein Lernen. Auch die Umgebung zählt: Menschen haben biologische Voraussetzungen für den Spracherwerb; welche Sprache ein Kind lernt, hängt von seinem Umfeld ab.
Beim Versuch und Irrtum probiert ein Lebewesen verschiedene Handlungen aus und wiederholt eine erfolgreiche später eher. Bei Nachahmung übernimmt es eine beobachtete Handlung. Schimpansen können beispielsweise Werkzeuggebrauch von Artgenossen übernehmen.
Bei der klassischen Konditionierung wird ein zunächst neutraler Reiz wiederholt mit einem wirksamen Reiz verknüpft. Nahrung löst beim Hund Speichelfluss aus. Wird zuvor wiederholt ein Ton gespielt, kann später auch der Ton Speichelfluss auslösen. Bei der operanten Konditionierung verändert die Folge einer Handlung deren spätere Häufigkeit: Eine belohnte Handlung tritt meist öfter auf; eine unangenehme Folge kann sie seltener machen.
Definition
Reifung
Reifung bezeichnet Entwicklungsvorgänge, durch die eine genetisch angelegte Fähigkeit erst später funktionsfähig wird.
Merke: Der Zeitpunkt des ersten Auftretens verrät nicht allein, ob eine Verhaltensweise angeborene Grundlagen hat.
Beispiel: Versuch und Irrtum bei einer Krähe
- 1Eine Krähe versucht auf verschiedene Arten, eine Nuss zu öffnen.
- 2Eine erfolgreiche Handlung führt zur Nahrung.
- 3Dadurch kann sich genau diese Vorgehensweise festigen.
Teste dich
Bei Enten- und Gänseküken liegt eine sensible Phase kurz nach dem Schlüpfen. Sie besitzen eine angeborene Bereitschaft zum Folgen. In dieser Phase lernen sie, welchem geeigneten bewegten Objekt sie folgen. Das kann statt des Muttertiers auch ein Mensch oder ein Gegenstand sein. Dann spricht man von Fehlprägung auf ein unpassendes Bezugsobjekt.
Für Prägung kommen drei Dinge zusammen: die angeborene Bereitschaft, ein geeigneter Reiz während der sensiblen Phase und das Lernen eines konkreten Bezugsobjekts. Der Zeitpunkt und die Erfahrung sind dafür entscheidend.
Definition
Prägung
Prägung ist Lernen in einer begrenzten sensiblen Entwicklungsphase. Dabei richtet sich eine angeborene Bereitschaft auf ein bestimmtes Objekt oder Signal.
Beispiel: Drei Bestandteile der Prägung
- 1Eine angeborene Verhaltensbereitschaft ist vorhanden.
- 2Während der sensiblen Phase wirkt ein geeignetes Objekt oder Signal.
- 3Das Tier lernt die konkrete Ausrichtung seines Verhaltens.
Teste dich
Bei einer Verhaltensbeobachtung kommen genetische Voraussetzungen, frühere Erfahrungen, Reifung und die aktuelle Situation als Erklärungen infrage. Vergleiche sie mit weiteren Beobachtungen.
Wenn ein Verhalten trotz eingeschränkter Lernerfahrung auftritt, stützt das einen angeborenen Anteil. Es beweist ihn allein noch nicht: Unbemerkte Erfahrungen, Reifung und Versuchsbedingungen können eine Rolle spielen. Auch Artenkreuzungen oder die Auswahl vererbbarer Merkmale können Hinweise geben, wenn passende Vergleichsgruppen vorhanden sind. Bei Tieruntersuchungen gehört das Tierwohl zur Planung. Erkenntnisgewinn rechtfertigt keine beliebige Belastung.
| Einfluss | Prüffrage |
|---|---|
| Anlage | Könnte eine genetische Voraussetzung beteiligt sein? |
| Erfahrung | Hat früheres Lernen das Verhalten verändert? |
| Situation | Wirkt ein aktueller Reiz oder innerer Zustand? |
| Zusammenwirken | Welche Einflüsse wirken gleichzeitig? |
Beispiel: Beobachtung und Deutung bei einem Küken
- 1Beobachtung: Ein frisch geschlüpftes Küken folgt einem bewegten Objekt.
- 2Mögliche Erklärung: Eine angeborene Nachfolgebereitschaft wurde durch den Bewegungsreiz aktiviert.
- 3Zu prüfende Ergänzung: Welchem Objekt das Küken dauerhaft folgt, kann von Erfahrungen während der sensiblen Phase abhängen.
- 4Begründetes Ergebnis: Die Beobachtung passt zu einem Zusammenwirken von angeborener Bereitschaft, aktuellem Reiz und Lernen.
Teste dich
Alles auf einen Blick
Angeborenes und erlerntes Verhalten
Angeborene Anteile
genetische Voraussetzungen, Reflex, Reifung
Erlernte Anteile
Erfahrung, Nachahmung, Versuch und Irrtum
Konditionierung
Reizkopplung oder Folgen einer Handlung
Prägung
angeborene Bereitschaft und Lernen in sensibler Phase
Untersuchung
Beobachtung beschreiben und Erklärungen vergleichen
Ergebnis
Anlage, Entwicklung, Umwelt und Situation wirken häufig zusammen
Musteraufgabe · Schritt für Schritt
Wie ordnest du Gehenlernen ein?
- 1Ein Kind macht seine ersten Schritte, wenn sein Körper dafür weit genug entwickelt ist.
- 2Durch wiederholtes Gehen wird es sicherer und passt Schritte an Hindernisse an.
- 3Die Fähigkeit braucht körperliche Reifung; die Ausführung verändert sich durch Übung.
- 4Deshalb wirken angelegte Voraussetzungen und individuelle Erfahrung zusammen.
Fehler finden
Was zeigt spätes Auftreten bei einem Vogel? In einer Zeile steckt ein Fehler. Tippe sie an.
Fehler in Zeile 2Richtig: Der späte Beginn kann durch Reifung einer angelegten Grundlage erklärt werden; er beweist kein Lernen.
Lückentext
Wähl in jeder Lücke das passende Wort und prüf dann deine Antworten.
Ein braucht für seine Grundform keine Übung. Durch kann eine angelegte Fähigkeit erst später auftreten. Bei der Konditionierung verändern Folgen einer Handlung ihr späteres Auftreten.
Karteikasten
Erst selbst überlegen, dann umdrehen.
Übung mit Feedback