Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Zitierstil
Als Deutsche Zitierweise werden verschiedene Zitiersysteme bezeichnet, die Fußnoten verwenden. · Der Chicago-Stil hat neben einem Regelwerk für parenthetische …
Inhalt5 Abschnitte
Grundidee und Zweck
Ein Zitierstil ist ein Regelwerk, das festlegt, wie Zitate und Aussagen fremder Autoren in einem wissenschaftlichen Text nachgewiesen werden. Solche Regeln werden auch Zitierrichtlinie, Zitationsmanual, Zitierverfahren oder Zitierweise genannt. Die Stelle, an der die Quelle angegeben wird, heißt unter anderem Referenz, Quellenangabe, Literaturangabe, Zitat, Zitation, Beleg oder Nachweis.
Zitierstile sind wichtig, weil Leserinnen und Leser damit erkennen können, woher eine Aussage stammt und welche Quelle für ein wörtliches Zitat oder eine übernommene Idee benutzt wurde. In wissenschaftlichen Texten muss der gewählte Zitierstil im ganzen Text einheitlich verwendet werden. Welcher Stil benutzt wird, hängt zum Beispiel vom Fachgebiet, von Vorgaben der Forschungseinrichtung, von der betreuenden Lehrperson oder vom Verlag ab. Literaturverwaltungsprogramme können helfen, weil sie Formatierungsvorgaben vieler verbreiteter Zitierstile bereitstellen.
Verschiedene Zitierstile unterscheiden sich teils deutlich, teils nur in Details. Man kann sie nach der Struktur ihrer Kurzbelege in Zitiersysteme einteilen: Fußnotensysteme, Name-Datum-Systeme und Nummernsysteme. Manche Zitierstile können mit mehr als einem System arbeiten, aber nicht gleichzeitig im selben Text.
Aufbau eines Belegs
Wenn in einem wissenschaftlichen Text eine Aussage steht, die zuvor schon von anderen Autorinnen oder Autoren formuliert wurde, wird dieser Aussage eine Belegstelle angefügt. Auch wörtliche Zitate werden so gekennzeichnet. Je nach Zitiersystem sieht diese Belegstelle anders aus: Beim Name-Datum-System ist sie ein Kurznachweis oder Kurzverweis, beim Fußnotensystem eine hochgestellte Zahl, und bei numerischen Systemen eine Nummer.
Kurznachweise bestehen je nach Zitierstil aus dem Nachnamen des oder der Autoren und dem Publikationsjahr. Bei mehr als zwei, manchmal mehr als drei Autoren, wird häufig mit der lateinischen Abkürzung „et al.“ abgekürzt; sie bedeutet „und andere“. Bei zitierten Monografien wird außerdem meist die Seitenzahl oder ein Seitenbereich angegeben. Hochgestellte Ziffern können auf Fußnoten oder auf Endnoten verweisen.
Am Ende des Textes steht in vielen Fällen ein Literaturverzeichnis. Darin werden die im Text genannten Publikationen meistens alphabetisch aufgelistet. Ein Eintrag im Literaturverzeichnis heißt Vollbeleg. Auch die erste vollständige Erwähnung einer Quelle in einer Fußnote kann als Vollbeleg bezeichnet werden. Spätere Erwähnungen derselben Quelle werden dann verkürzt als Kurzbeleg geschrieben. Diese Unterscheidung ist besonders üblich, wenn ein Fußnotensystem ohne eigenes Literaturverzeichnis verwendet wird. Die DIN ISO 690, zuletzt 2021 aktualisiert, regelt den grundsätzlichen Aufbau von Literaturbelegen.
Name-Datum-System
Beim Name-Datum-System, auch Autor-Jahr- oder parenthetische Zitierweise genannt, wird die Quelle im Text meist mit Namen und Jahr angegeben. Dieses System wird häufig mit dem Harvard-Stil verbunden. Der Harvard-Stil wird sogar oft synonym für das Name-Datum-System verwendet. Er hat kein offizielles Regelwerk, sondern verschiedene Varianten. Verbreitet ist er in den Naturwissenschaften, den Publikationswissenschaften und den Wirtschaftswissenschaften.
Der APA-Stil ist nach der American Psychological Association benannt und vor allem in den Humanwissenschaften verbreitet. Das Regelwerk heißt Publication Manual of the American Psychological Association und erschien 2020 in der 7. Auflage. Es enthält nicht nur Regeln zum Zitieren, sondern auch Vorgaben zu Schreibstil und Grammatik, geschlechtergerechter Sprache sowie zur Formatierung von Textelementen wie Blockzitaten, Tabellen und Abbildungen. Eine offizielle deutschsprachige Ausgabe gibt es nicht; einige Einrichtungen bieten aber deutschsprachige Beispiele an, etwa ein Kurzmanual des Instituts für Publizistik.
Weitere verbreitete Name-Datum-Stile sind der Chicago-Stil und der MLA-Stil. Der Chicago-Stil ist in den Geisteswissenschaften verbreitet und wird seit 1906 im Werk The Chicago Manual of Style veröffentlicht. Der MLA-Stil der Modern Language Association ist ebenfalls in den Geisteswissenschaften im angloamerikanischen Raum verbreitet.
Nummernsysteme
In Nummernsystemen wird ein Beleg im Text nur durch eine Zahl oder durch eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen angegeben. Die Nummer verweist auf den entsprechenden Eintrag im Literaturverzeichnis oder kann auch als Fuß- oder Endnote eingesetzt werden.
Der Vancouver-Stil ist die Bezeichnung für Systeme, die Nummern im Text verwenden und auf durchnummerierte Einträge im Literaturverzeichnis verweisen. Er wird vor allem in medizinischen und naturwissenschaftlichen Texten angewendet. Der Vancouver-Stil steht damit auch synonym für Nummernsysteme oder Autor/Name-Zahl-Systeme. Wenn hochgestellte Zahlen benutzt werden, kann es Überschneidungen mit Fußnotensystemen geben.
Der AMA-Stil der American Medical Association wurde 1962 erstmals herausgegeben. Er ist für die Journals der AMA bindend, zum Beispiel für das Journal of the American Medical Association. Der IEEE-Stil des Institute of Electrical and Electronics Engineers verwendet Zahlen in eckigen Klammern und ist besonders in Elektrotechnik und Informatik verbreitet.
Fußnotensysteme
Beim Fußnotensystem wird im Text eine hochgestellte Zahl gesetzt, die auf eine Fußnote oder Endnote verweist. Dort steht dann die Quellenangabe. Im deutschen Sprachraum wurden historisch hauptsächlich fußnotenbasierte Zitierstile verwendet. Zur Abgrenzung von angloamerikanischen Zitierstilen, etwa dem Harvard-Stil, werden sie als deutsche Zitierweise bezeichnet.
Als Deutsche Zitierweise gelten verschiedene Zitiersysteme, die mit Fußnoten arbeiten. Ein offizielles Regelwerk gibt es dafür nicht; es existieren viele Varianten, wie Fußnoten formatiert werden können. Auch der Chicago-Stil besitzt neben Regeln für parenthetische Zitierweise ein eigenes Regelwerk für ein Fußnotensystem. Deshalb verwenden manche Autoren den Namen Chicago-Stil synonym für die Deutsche Zitierweise.
Ein weiterer Fußnotenstil ist der Oxford Standard for Citation of Legal Authorities, abgekürzt OSCOLA. Er ist in den Rechtswissenschaften verbreitet, besonders in Großbritannien.