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Zen-Buddhismus in Japan
Der Zen-Buddhismus oder kurz Zen (jap.: 禅 – Zen) ist heute eine der verbreitetsten Schulen des Buddhismus in Japan. Zen entstand in China ab dem 5.
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Grundlagen und Bedeutung
Zen (japanisch 禅) ist eine der verbreitetsten buddhistischen Schulen Japans. Seine Grundlage entstand ab dem 5. Jahrhundert in China als Chan (禪那, Chán’nà). Ab dem 12. Jahrhundert gelangte diese Strömung nach Japan und wurde dort entscheidend weiterentwickelt. In ihrer japanischen Ausprägung verbreitete sie sich in der Neuzeit auch im Westen. Deshalb stammen viele heute international gebräuchliche Zen-Begriffe aus dem Japanischen.
Die wichtigsten japanischen Zen-Schulen sind Sōtō und Rinzai. Meditation, besonders Zazen, spielt in beiden eine bedeutende Rolle. Zazen bezeichnet die Meditation im Sitzen. Der Artikel zeigt jedoch, dass japanischer Zen historisch nicht allein aus Meditation bestand: Klöster übernahmen auch Bestattungen, Rezitationen, religiöse Rituale und Aufgaben für die örtliche Bevölkerung.
Zur heutigen Verbreitung und Situation des Zen-Buddhismus in Japan enthält der Artikel nach eigener Angabe noch keine ausreichenden Informationen.
Frühe Einflüsse und Entstehung der Schulen
Obwohl Chan in China große Bedeutung besaß und viele Klöster der Regierung nahestanden, wurde während der Nara-Zeit (710–794) noch keine vollständige Zen-Traditionslinie als eigene Schule nach Japan übertragen. Einzelne Einflüsse gab es dennoch. Dōshō (629–700) soll nach seiner China-Reise von 653 eine Halle für Zen-Meditation gebaut haben. Um 810 kam der chinesische Rinzai-Meister Yikong, japanisch Giku, auf Einladung der Kaiserin nach Japan. Das für ihn errichtete Kloster fand jedoch kaum Zulauf. Auch Kakuas Reise nach China im Jahr 1171, wo er Rinzai studierte, blieb historisch folgenlos.
In frühen japanischen Schriften bezeichnete Zenji meist nicht offiziell ordinierte und von der kaiserlichen Regierung nicht autorisierte Menschen, die besonders in den Bergen asketische Übungen, Meditationen und Rezitationen ausführten. Ihnen wurden große, aber als ambivalent geltende Kräfte zugeschrieben.
In der Kamakura-Zeit reiste der Tendai-Mönch Myōan Eisai, dessen Name damals wahrscheinlich Yōsai gesprochen wurde, 1168 und 1187 nach China. Nach mehrjährigem Zen-Studium erhielt er die Anerkennung als Zen-Meister der Oryo-Linie des chinesischen Linji, japanisch Rinzai. Nach seiner Rückkehr gründete er das erste Rinzai-Kloster Japans. Diese besondere Traditionslinie erlosch nach einigen Generationen. Eisai verstand sich anscheinend nicht als Gründer einer neuen Schule, sondern weiterhin als Angehöriger des Tendai-Buddhismus.
Die Gründung neuer Gruppen konnte Widerstand hervorrufen. Das Kloster der von Nōnin begründeten Daruma-shū wurde von Sōhei, also Mönchskriegern, zerstört. Einige verstreute Daruma-Mönche schlossen sich später Dōgen an und gehörten dadurch zwei Dharma-Traditionslinien an. Eine Dharma-Traditionslinie ist die Folge von Lehrern und Schülern, durch die religiöse Lehre und Autorität weitergegeben werden.
Dōgen und die Entwicklung des Sōtō
Dōgen Kigen (1200–1253) begann ebenfalls als Tendai-Mönch. Mit 13 Jahren trat er als Novize in den Orden auf dem Berg Hiei ein. Ab 1217 studierte er bei Myōzen, einem Dharma-Nachfolger Eisais, und reiste mit ihm nach China. Dort lernte er unter Rujing, japanisch Tendo Nyojo (1163–1228). Spätere Berichte schreiben Dōgen eine besonders tiefe Einsicht und Erleuchtung zu. Als seine „senshi“, also früheren Lehrer, bezeichnete er in seinen Schriften nur Myōzen und Rujing.
Nach seiner Rückkehr 1227 übernahm Dōgen einige Jahre später einen abgelegenen Tempel, den er Kōshō-ji nannte. Dort richtete er nach dem neuesten Vorbild des China der Song-Zeit eine Meditationshalle ein und gewann zunehmend Besucher und Schüler. Seine Lehre und Praxis umfassten Shikantaza („nur sitzen“), Hishiryō („das dem Denken Unermessliche“), Shoshin Tanza („regelmäßige Übung“) und Shinjin datsuraku („Körper und Geist abstreifen“). Dōgen setzte die Praxis des Zazen mit der Buddhaschaft gleich.
1244 verließ er den Kōshō-ji und zog auf Einladung einer Kriegeradelsfamilie in das abgelegene Echizen. Das dort übernommene und ausgebaute Kloster nannte er Eihei-ji. Neben einer Zazen-Halle führte er weitere Bestandteile des chinesischen Klosteraufbaus und der Mönchsorganisation ein. Nach chinesischem Vorbild ordnete er außerdem Rituale für übernatürliche Wesenheiten des Klosters an.
Keizan Jōkin, der bei mehreren direkten Schülern Dōgens lernte, gilt als zweiter Patriarch des japanischen Sōtō. Er gründete Sōji-ji, den später wichtigsten Haupttempel der Schule.
Verbreitung und religiöse Praxis
Sōtō verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten stark. Seine Anhänger übernahmen häufig unbesetzte Tempel und Schreine. Sie exorzierten lokale Kami, Geister und andere Wesenheiten oder bekehrten sie zum Dharma, also zur buddhistischen Lehre. Abgesehen von wenigen elitären Mönchen und Klöstern unterschieden sich die Praktiken bald kaum von denen anderer buddhistischer Schulen.
In den Klöstern verehrte die Bevölkerung unterschiedliche übernatürliche Wesenheiten. Mönche praktizierten Zazen, Rezitationen und Mikkyō, also esoterisch-buddhistische Übungen. Damit sollten Genze riyaku, diesweltliche Wohltaten, auf Laien und Mönche übertragen werden. Bestattungen bildeten ebenfalls eine Hauptaufgabe. Unterstützt wurden die Sōtō-Klöster vor allem vom örtlichen Kriegeradel und von der Bevölkerung abgelegener Gebiete; entsprechend stark waren lokale Einflüsse.
Für die Identität der Sōtō-Schule war vermutlich die Dharma-Traditionslinie besonders wichtig. Heute als zentral betrachtete Texte, darunter Kōan und Dōgens Werke, wurden ebenso wie Roben, Shari-Reliquien verstorbener Meister und zahlreiche Statuen geheim gehalten und nur innerhalb der direkten Linie weitergegeben. Kōan sind Texte beziehungsweise Aufgaben, die in der Zen-Schulung verwendet werden. Nach Veröffentlichungen der Schule besitzen heute nur ungefähr 30 von rund 15.000 Klöstern Trainingszentren für Zazen. Zazen galt in der japanischen Geschichte zugleich als wirkungsvolles Ritual zur Ansammlung spiritueller Kräfte. Die drei Bitt-Tempel, an denen Japaner um diesweltliche Wohltaten bitten, gehören zu den wenigen Zazen-Ausbildungszentren.
Rinzai verbreitete sich lange weniger stark als Sōtō. Die Schule entwickelte sich besonders im Umfeld der Mächtigen in Kyōtō und Kamakura und war eng mit der mittelalterlichen Politik sowie dem Kriegeradel der Bushi verbunden. Eine wichtige Organisationsform war das Go-zan-System, das System der „fünf Berge“. Rinzai bot den Herrschenden Abstand zu den mächtigen etablierten Schulen Tendai, Shingon und den von den Fujiwara geschützten Nara-Schulen. Zugleich vermittelte es eine Verbindung nach China. Das Studium verlangte passive und aktive Beherrschung des Chinesischen und ermöglichte Regierung und Adel die Teilnahme an der neuesten Kultur des chinesischen Festlands. Dadurch beeinflusste Rinzai die japanische Kultur stark.
Neben Ritualen für Wohltaten und Bestattungen wurde Rinzai mit mehreren als Wege, japanisch Dō, verstandenen Disziplinen verbunden: Sadō, dem Weg der Teezeremonie; Shodō, dem Weg der Schreibkunst; Kado oder Ikebana, dem Weg des Blumenarrangements; Suizen, dem kunstvollen Spiel der Shakuhachi-Bambusflöte; der Gestaltung von Zengärten sowie Budō, dem Weg des Kriegers.
Zen seit der Meiji-Zeit
Nach der Meiji-Restauration wurde der Buddhismus in Japan zeitweise verfolgt. Die neue Politik bevorzugte einen renativistischen Shintō als Religion der Machthabenden; davon waren auch die Zen-Schulen betroffen. In einer Zeit schneller gesellschaftlicher, kultureller und sozialer Veränderungen entstand der Shin-bukkyō, der „neue Buddhismus“, der unter anderem soziale Aufgaben übernahm.
Die Klöster öffneten sich stärker, und auch Laiengruppen erhielten Unterricht in Zazen und Zen-Lehre. Intellektuelle der frühen Meiji-Zeit suchten nach einer vermeintlichen Essenz Japans, mit deren Hilfe das Land dem moderneren Westen gleichrangig oder überlegen erscheinen sollte. Dabei stellten sie den Buddhismus der Tokugawa-Zeit (1600–1868) häufig als dekadent und von der wahren Lehre abgekommen dar.
Um gegenüber dem staatlich geförderten Shintō bestehen zu können, wurde der Buddhismus unter dem Einfluss der damaligen westlichen Buddhismusforschung neu definiert. Diese Forschung versuchte vor allem, einen angeblich „wahren“ „Urbuddhismus“ zu rekonstruieren, ohne ethnografische Beobachtungen einzubeziehen. Zen war bei dieser Neudeutung besonders erfolgreich und gelangte in dieser Form in die westliche Kultur und Literatur. In Japan selbst setzte sich dieses Zen-Bild weniger stark durch. Viele jüngere Japaner wissen dem Artikel zufolge nicht, welcher buddhistischen Schule sie angehören; die offiziellen Auffassungen der Schulen entwickelten sich jedoch ebenfalls in diese Richtung.
Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde Zen zudem mit Vorstellungen des Nihonjinron, also Theorien über das angeblich besondere Wesen Japans, verbunden. Dazu gehörte Bushidō, ein Begriff, der ebenfalls ungefähr zur Zeit der Meiji-Restauration aufkam. Diese Verknüpfungen führten zu Beziehungen zwischen Zen, japanischem Nationalismus und ideologischer Propaganda. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden sie auch aus den Reihen des Zen selbst kritisiert.