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X-SCID

Gentherapie. Bearbeiten. Die Gentherapie ist eine neuere, experimentelle Behandlungsmethode, die auf Grund des monogenen Charakters dieser Erkrankung (nur ein …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Krankheitsbild und Ursache
  2. 2. Folgen für das Immunsystem
  3. 3. Stammzelltransplantation
  4. 4. Gentherapie und Risiken

Krankheitsbild und Ursache

X-SCID („Severe Combined Immunodeficiency“), auch SCID-X1, ist eine Form des schweren kombinierten Immundefekts (SCID). Sie ist in der ICD-10 unter D81.1 eingeordnet: „Schwerer kombinierter Immundefekt [SCID] mit niedriger T- und B-Zellen-Zahl“.

Ursache ist eine Mutation des Gens für den gemeinsamen Interleukin-Rezeptor-γ beziehungsweise für die von ihm gebildete gemeinsame Kette γc (CD132). Dadurch funktionieren mehrere Interleukinrezeptoren nicht mehr; ein Beispiel ist der Interleukin-2-Rezeptor (IL-2Rγ). Interleukine sind Botenstoffe des Immunsystems, die über ihre Rezeptoren die Entwicklung und Tätigkeit von Immunzellen steuern.

Das betroffene Gen liegt auf dem X-Chromosom; daher stammt die Bezeichnung X-SCID. X-SCID ist die genetische Ursache für etwa 50 % aller SCID-Fälle.

Folgen für das Immunsystem

Durch den Rezeptorfehler können sich aus hämatopoetischen Stammzellen, also Blut-Stammzellen, keine Vorläufer-T-Lymphozyten und keine NK-Zellen entwickeln. T-Lymphozyten gehören zur zellulären Immunabwehr. NK-Zellen („natürliche Killerzellen“) sind ebenfalls Abwehrzellen.

Auch die Antikörperbildung durch B-Lymphozyten funktioniert nicht ausreichend: Dafür sind T-Helfer-2-Zellen (T_H2-Zellen), eine Unterklasse der T-Lymphozyten, als Stimulus essentiell. Damit sind sowohl das zelluläre als auch das humorale Immunsystem, also die Abwehr durch Antikörper, nicht arbeitsfähig. Das gesamte adaptive Immunsystem ist defekt.

Betroffene sind deshalb für Infektionen jeder Art anfällig, etwa für Lungenentzündung oder Meningitis. Ohne medizinische Behandlung oder eine Abschirmung in einem sterilen Zelt überleben sie nur kurz.

Stammzelltransplantation

Eine klassische Behandlung ist die Knochenmarktransplantation. Wie bei anderen Immunkrankheiten, zum Beispiel Leukämien, wird dabei gewöhnlich zunächst das gesamte Immunsystem durch Chemotherapie zerstört; bei X-SCID ist dies kaum nötig. Anschließend werden Lymphozyten eines geeigneten Spenders implantiert. Sie sollen im Patienten ein neues Immunsystem bilden.

Gentherapie und Risiken

Die Gentherapie ist eine neuere experimentelle Behandlungsform. Sie erscheint für X-SCID geeignet, weil die Krankheit monogen ist, also nur ein Gen betroffen ist. Alain Fischer und Mitarbeitende am Pariser Hôpital Necker des Enfants Malades behandelten 1999–2000 fünf an X-SCID erkrankte Kinder gentherapeutisch.

Dazu entnahmen sie hämatopoetische, CD34-positive Stammzellen, veränderten diese außerhalb des Körpers (ex vivo) mit einem retroviralen Vektor aus dem Murinen Leukämievirus und infundierten sie anschließend zurück. Nach vier Monaten waren bei vier der fünf Patienten T-Zellen und NK-Zellen nachweisbar. Beim fünften Patienten gelang die Transformation nicht; bei ihm wurde erfolgreich eine HLA-inkompatible Knochenmarktransplantation durchgeführt.

Nachdem die Therapie bei insgesamt 9 von 10 Patienten erfolgreich gewesen war, berichteten die Autoren 2003 bei zwei Patienten etwa drei Jahre nach der Gentherapie über eine unkontrollierte exponentielle klonale Proliferation reifer T-Zellen. Als mögliche Ursache dieser Leukämie nannten sie die Integration des Vektors nahe dem Promoter des Protoonkogens LMO2. Neuere Arbeiten im Mausmodell deuten jedoch darauf hin, dass auch das Gen selbst onkogen wirken könnte: 33 % der transformierten Mäuse entwickelten nach 1,5 Jahren eine Leukämie. Insertionsmutagenese kann daher nicht der einzige Grund sein. Die Autoren fordern Langzeituntersuchungen, weil Nachuntersuchungen normalerweise nach sechs Monaten enden. Untersuchungen sprechen zudem gegen eine Beteiligung von LMO2 an der Onkogenese, da LMO2 offenbar keine Rolle bei der Entwicklung von Lymphozyten spielt.

Bisher wird Gentherapie nur in wenigen Fällen eingesetzt, wenn keine HLA-kompatiblen Spender vorhanden sind.

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