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Woyzeck (1979)
Woyzeck ist ein Spielfilm von Werner Herzog, der 1979 veröffentlicht wurde. Herzogs Film ist die bekannteste Verfilmung von Georg Büchners gleichnamigem …
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Überblick
Woyzeck ist ein deutscher Spielfilm von Werner Herzog aus dem Jahr 1979. Er ist 77 Minuten lang, in deutscher Sprache gedreht und ab 16 Jahren freigegeben. Der Film gilt als die bekannteste Verfilmung von Georg Büchners gleichnamigem Dramenfragment. Ein Dramenfragment ist ein Theaterstück, das unvollendet geblieben ist. Die Hauptrolle des Franz Woyzeck spielt Klaus Kinski; Eva Mattes spielt Marie.
Werner Herzog führte Regie, schrieb das Drehbuch und produzierte den Film. Die Kamera führte Jörg Schmidt-Reitwein, der Schnitt stammt von Beate Mainka-Jellinghaus. Zur Musik gehören Beiträge des Fiedelquartetts Telč sowie Werke von Antonio Vivaldi und Alessandro Marcello.
Stil und Nähe zur Vorlage
Herzogs Film hält sich eng an Georg Büchners literarische Vorlage. Nur einige Nebenfiguren fehlen. Diese Nähe zum Original ist ein wichtiges Merkmal der Verfilmung.
Der Film verwendet sehr lange Einstellungen. Eine Einstellung ist ein ununterbrochener Kamerablick zwischen zwei Schnitten. Die Szenen sind meist als Totale aufgenommen, also so, dass Figuren und Umgebung in größerem Zusammenhang sichtbar bleiben. Es gibt fast keine Gegenschnitte, also kaum Wechsel zu einer anderen Kameraperspektive innerhalb eines Gesprächs oder einer Handlung. Dadurch sollte der Eindruck eines Theaterspiels entstehen.
Zwischen den Szenen setzt Herzog scharfe Schnitte ohne füllende Übergänge. Damit wird das Fragmentarische von Büchners Stück angedeutet: Die Handlung wirkt nicht glatt verbunden, sondern in einzelne Szenen zerlegt.
Entstehung und Veröffentlichung
Werner Herzog schätzte den Stoff sehr hoch und nannte ihn „das Beste, was in unserer Sprache geschrieben wurde“. Gedreht wurde vom 13. Juli bis zum 3. August 1978 in Telč und Horní Myslová in der Tschechoslowakei. Die Dreharbeiten fanden unmittelbar nach Herzogs Film Nosferatu statt.
Das Budget war klein und betrug etwa 900.000 DM. Der Dreh wurde in nur etwas mehr als zwei Wochen abgeschlossen. Ursprünglich war Bruno S. für die Hauptrolle vorgesehen, der bereits in Herzogs Kaspar-Hauser-Verfilmung mitgespielt hatte. Herzog entschied sich jedoch kurzfristig für Klaus Kinski. Er wollte Kinskis Erschöpfung nach Nosferatu für Woyzeck nutzen.
Später äußerte sich Herzog selbstkritisch über diese Besetzung. Er sagte, ihm sei nachts die Einsicht gekommen, nur Kinski könne die Rolle spielen. Zugleich bezeichnete er die Entscheidung rückblickend als vorhersehbaren Fehlschlag; seine Freunde hätten ihn gewarnt.
Die Uraufführung fand am 22. Mai 1979 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes statt. Die deutsche Erstaufführung folgte am 25. Mai 1979 in Berlin, München und Frankfurt am Main.
Kritische Einschätzungen
Die Kritik reagierte gemischt. Einige Kritiker lehnten die große Nähe zur literarischen Vorlage ab, weil sie eine „zeitgemäßere“ Interpretation erwartet hatten. Auch Kamera und Schnitt wurden unterschiedlich beurteilt.
Ein Vorwurf lautete, der Film nehme durch seine Distanz keine klare moralische Position ein, etwa gegenüber der Hauptfigur, und halte das Publikum auf Abstand. Manche Kritiker meinten, frühere Aufführungen hätten mehr gewagt und mehr geleistet. Andere sahen gerade diese Distanz zur Handlung als bedeutendes Stilmittel.
Auch die Leistungen von Klaus Kinski und Eva Mattes wurden sowohl gelobt als auch kritisiert. Richard Roud schrieb in Sight and Sound, Kinski sei zwar ein außerordentlicher Schauspieler, könne aber keine „dumpfe Kreatur“ spielen. Er könne nicht überzeugend wirken, als sei er weniger schlau, mächtig oder beherrschend als die anderen Figuren.
Hellmuth Karasek urteilte im Spiegel, die Neuverfilmung wirke „wie eine Terminplanabwicklung“ und nicht wie ein Versuch, sich der knappen Ausdrucksweise des konzentrierten deutschen Theaterstücks auszusetzen. Zugleich lobte er Kinskis Schauspiel als „eindrucksvoll und sehenswert“. Das Lexikon des internationalen Films sprach von „exzellenten schauspielerischen Leistungen“, fand die Filmvision aber „allzu stilisiert“ und „unfilmisch-blutleer“.
Wegen der ambivalenten Sicht auf die Besetzung wird Woyzeck im Allgemeinen nicht so hoch eingeschätzt wie andere Filme von Herzog mit Kinski, zum Beispiel Fitzcarraldo oder Aguirre, der Zorn Gottes.
Auszeichnungen
Bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 1979 erhielt Eva Mattes den Preis in der Kategorie Beste Nebendarstellerin. Außerdem war Woyzeck für die Goldene Palme nominiert.
1980 erhielt der Film den Gilde-Filmpreis in Silber in der Kategorie Deutscher Film.