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Wolkenstein in Gröden
Wolkenstein in Gröden (ladinisch, italienisch Selva di Val Gardena) ist eine italienische Gemeinde mit 2630 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2025) und ein …
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Überblick und Lage
Wolkenstein in Gröden, ladinisch Sëlva und italienisch Selva di Val Gardena, ist eine italienische Gemeinde und ein Dorf in Gröden in Südtirol. Die Gemeinde hatte am 31. Dezember 2025 insgesamt 2630 Einwohner. Zusammen mit St. Ulrich und St. Christina gehört Wolkenstein zu den drei Gemeinden des Grödner Tals, in denen Deutsch, Italienisch und Ladinisch Amtssprachen sind.
Das Gemeindegebiet ist 53,27 km² groß und liegt in Ladinien am Talschluss von Gröden. Der Ortskern liegt auf etwa 1540 bis 1620 m s.l.m.; das Zentrum wird mit 1563 m s.l.m. angegeben. Die Höhenlage der Gemeinde reicht insgesamt von 1400 bis 3179 m s.l.m. Zum Gemeindegebiet gehört auch die Fraktion Plan auf 1580 bis 1620 m. Der Dauersiedlungsraum beträgt nur 3,1 km², weshalb die bewohnten Flächen im Talgrund dicht besiedelt sind.
Die Umgebung wird von den Dolomiten geprägt. Nördlich und nordöstlich liegen Teile der Puezgruppe, die zum Naturpark Puez-Geisler gehören. Das unbesiedelte Langental führt von Wolkenstein tief in diese Gebirgsgruppe hinein. Wichtige Berge und Landschaftspunkte dort sind unter anderem die Stevia mit 2555 m, der Col dala Pieres mit 2747 m, der Piz Duleda mit 2909 m, die Puezspitzen mit 2918 und 2913 m sowie der Puezkofel mit 2725 m. Östlich über Wolkenstein liegen die Cirspitzen, die durch das Grödner Joch auf 2121 m von der Sellagruppe getrennt sind.
Im Südosten umfasst Wolkenstein Teile der Sellagruppe, darunter den Piz Ciavazes mit 2828 m, die Sellatürme und den Lech dl Dragon auf 2680 m. Im Südwesten liegt die Langkofelgruppe, getrennt von der Sellagruppe durch das Sellajoch auf 2218 m. Dort befinden sich die höchsten Gipfel des Gemeindegebiets: der Langkofel mit 3181 m, die Fünffingerspitze mit 2996 m und die Grohmannspitze mit 3126 m. Die Südgrenze der Gemeinde ist zugleich die Provinzgrenze zum Trentino.
Klima und Bevölkerung
Das Klima ist ein Gebirgsklima mit kühlen Sommern und kalten Wintern. In den Sommermonaten liegen die durchschnittlichen Tageshöchsttemperaturen zwischen 18 und 20 °C. In den Wintermonaten liegen die durchschnittlichen nächtlichen Tiefstwerte zwischen −7 und −5 °C. Die durchschnittliche Lufttemperatur beträgt 5,0 °C, der jährliche Niederschlag 1044 mm. Am meisten Niederschlag fällt im Schnitt im August mit 170 mm, am wenigsten im Februar mit etwa 30 mm. Die Werte stammen von der Wetterstation in Plan auf 1594 m und beziehen sich auf den Zeitraum 2006–2020.
Wolkenstein ist eine mehrheitlich ladinischsprachige Gemeinde. Grundlage der angegebenen Sprachanteile sind gültige Sprachgruppenzugehörigkeits- oder Sprachgruppenzuordnungserklärungen von Personen mit italienischer Staatsbürgerschaft. 2024 entfielen 87,18 % auf Ladinisch, 4,63 % auf Deutsch und 8,20 % auf Italienisch. Auch in früheren Erhebungen seit 1981 lag der ladinische Anteil stets bei rund 88 bis 90 %. Die Gemeinde ist damit sprachlich stark durch das Ladinische geprägt, während Deutsch und Italienisch ebenfalls amtliche Bedeutung haben.
Geschichtliche Entwicklung
Funde zeigen, dass Menschen im Gebiet von Wolkenstein schon in der Altsteinzeit anwesend waren. Zwischen 1978 und 1980 wurden unterhalb des Grödner Joches bei Plan de Frea zahlreiche Funde freigelegt. Außerdem wurden in den Bergen, etwa bei Tramans, Chedul, Plan de Frea und Pra da Ri, Rastplätze vorzeitlicher Jäger und Sammler entdeckt. Auch in der Steinernen Stadt am Sellajoch gab es Streufunde. Zwischen 800 und 500 v. Chr. führte der Troi Paian, ein Saumpfad, vom Eisacktal über Wolkenstein nach Buchenstein.
Das ladinische Toponym ist 1166 als Silva belegt und bedeutet „Wald“. Die deutsche Bezeichnung wurde 1237 als Wolchenstain erstmals schriftlich erwähnt. Sie hängt mit der Adelsfamilie Wolkenstein-Trostburg zusammen. Die Grafen zu Wolkenstein residierten im Schloss Wolkenstein; dessen Ruinen sind heute noch an den Wänden des Steviaberges zu sehen. Das Wappen der Grafen von Wolkenstein ist seit 1968 auch das Wappen der Gemeinde.
Bis zum Hochmittelalter war das Gebiet weitgehend bewaldet und nicht dauerhaft besiedelt. Erst um 1200 entstanden aus Sommeralmen dauerhafte Niederlassungen. 1225 ist Heinrich von Kastelruth als Besitzer eingetragen, 1293 erwarb Randolf von Villanders, der Ahnherr der Grafen von Wolkenstein, die Burg. In dieser Urkunde werden sieben Höfe genannt. Der Dichter und Minnesänger Oswald von Wolkenstein (1377–1445) ist im Tal nachgewiesen. 1503 wurde die erste Kapelle in Wolkenstein eingeweiht; sie wurde 1877 durch eine größere Pfarrkirche am gleichen Ort ersetzt.
Im 19. und 20. Jahrhundert veränderten Verkehr und Tourismus den Ort stark. Von 1853 bis 1856 wurde eine Straße von Waidbruck nach St. Ulrich gebaut und später nach Wolkenstein verlängert. Während des Ersten Weltkriegs wurde durch russische Kriegsgefangene eine Schmalspurbahn angelegt; sie wurde 1960 eingestellt. Die ersten Touristen waren Alpinisten aus England und Österreich, die Dolomitengipfel bestiegen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es bereits zehn Gasthöfe mit Platz für 580 Gäste. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte der Tourismus ab 1920 wieder ein, blieb zunächst aber bescheiden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Wolkenstein von einem Bergbauerndorf zu einem stark touristisch geprägten Ort. Ab den 1950er Jahren wurde der Tourismus stetig ausgebaut und ist heute die Haupteinnahmequelle. Die Nächtigungen stiegen von 510.000 im Jahr 1969 auf über eine Million im Jahr 1988 und auf mehr als 1,2 Millionen im Jahr 2017. Ein wichtiger Impuls kam durch die alpinen Schiweltmeisterschaften 1970. Danach gewann der Wintertourismus stark an Bedeutung, besonders durch gemeinsame Vermarktung und den 1974 eingeführten gemeinsamen Schipass im Verbund Dolomiti Superski.
Politik, Wirtschaft und Verkehr
Bei den Kommunalwahlen am 4. Mai 2025 wurden Gemeinderat und Bürgermeister gewählt. Von 2133 eingetragenen Wahlberechtigten stimmten 1487 ab; die Wahlbeteiligung betrug 69,71 %. Die SVP erhielt 55,94 % der Stimmen und 8 Sitze, die Bürgerliste 44,06 % und 7 Sitze. Tobias Nocker von der SVP wurde Bürgermeister. Seit 1952 hatten mehrere Personen das Bürgermeisteramt inne; seit 2025 ist Tobias Nocker im Amt.
Der wichtigste Wirtschaftszweig ist der Fremdenverkehr. Wolkenstein verfügt über 8.700 Gästebetten und verzeichnet etwa 1.300.000 Nächtigungen pro Jahr. Der Tourismus prägt deshalb auch das Dorfbild stark. Besonders wichtig ist der Wintersport. Wolkenstein ist einer der Einstiegsorte für die Sellaronda, also die Umrundung des Sellamassivs per Ski. Im Grödner Tal entfallen etwa 40 % der Nächtigungen auf den Sommer und 60 % auf den Winter.
Zur Bildungsinfrastruktur gehören eine Grundschule und eine Mittelschule für die ladinische Sprachgruppe. Beide gehören zu einem Schulsprengel mit Sitz in Wolkenstein, der zusätzlich die Grundschule der Nachbargemeinde St. Christina verwaltet. Außerdem gibt es in Wolkenstein einen Kindergarten.
Verkehrlich ist Wolkenstein vor allem über die SS 242 erschlossen. Diese Straße führt vom Eisacktal über St. Ulrich und St. Christina nach Wolkenstein, steigt dann zum Sellajoch an und verbindet die Gemeinde mit Canazei im Fassatal. Nach Osten führt die SS 243 über das Grödner Joch nach Corvara im Gadertal. Die frühere Grödner Bahn verband den Ort bis 1960 mit St. Ulrich und Klausen; ihre ehemalige Trasse ist heute als Wander- und Fahrradweg ausgebaut.
Sehenswürdigkeiten und Sport
Zu den wichtigen Sehenswürdigkeiten gehören die Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“, die Silvester-Kapelle im Langental mit über 300 Jahre alten Fresken über das Leiden Jesu, die Burgruine Wolkenstein und die Fischburg. Die Burgruine Wolkenstein liegt als Höhenburg am Eingang des Langentals in einer Felswand. Entlang der ehemaligen Trasse der Grödner Bahn erinnern Denkmäler und historische Bilder an Bau und Betrieb der Bahn, die im Ersten Weltkrieg vor allem von russischen Kriegsgefangenen gebaut wurde.
Die Umgebung bietet viele Möglichkeiten für alpinen Sport. Als Stützpunkte dienen unter anderem die Puezhütte auf 2475 m, die Steviahütte auf 2312 m und die Juac-Hütte auf 1903 m. Beim Skifahren liegen mehrere Gebiete in der direkten Umgebung, etwa Col Rodella am Sellajoch, Plan de Gralba, Ciampinoi mit der bekannten Saslong-Weltcupabfahrt und Monte Pana/Mont de Sëura. Wolkenstein ist direkt an die Sella Ronda angebunden, und die Skigebiete gehören zu Dolomiti Superski. Gröden war Austragungsort der alpinen Schiweltmeisterschaften 1970; in Wolkenstein lag dabei die Dantercepies-Piste. Im Langental gibt es außerdem Langlaufloipen verschiedener Schwierigkeitsgrade.
Auch im Sommer ist die Gegend sportlich bedeutend. Wanderungen reichen von einfachen Wegen bis zu langen hochalpinen Touren. Genannt werden etwa die Puez-Plateau-Überschreitung, eine lange, aber unschwierige Rundwanderung mit Start und Ziel in Wolkenstein, sowie die schwierige Tour zur Pisciadùhütte durch das Val Setus, die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Für den Laufsport findet jährlich der Dolomites Saslong Half Marathon statt, eine 21 km lange Berglaufstrecke mit rund 900 Höhenmetern rund um den Langkofel.
Für den Radsport gibt es Single Trails, Radwege und Downhill-Strecken. Der Freeride Park Ciampinoi bietet eine Downhill-Strecke mit 568 m Höhenunterschied bis nach Plan. Die Sella Ronda Rad ist eine 66 km lange Bergtour über vier Pässe und durch vier Täler. Klettersteige in der Umgebung sind zum Beispiel der Oskar-Schuster-Steig, die Via Ferrata Furcela de Saslonch, der Pößnecker Klettersteig und der Klettersteig am Sass Rigais. Zum Sportklettern und Bouldern ist besonders die Steinerne Stadt am Sellajoch wichtig: Sie besteht aus mehr als hundert Felsblöcken, bietet über 220 Routen und 50 Boulderprobleme. Für alpines Klettern zählen die Sellagruppe und die Langkofelgruppe zu den bedeutenden Gebieten; allein in diesem Bereich gibt es über 300 lange alpine Touren. Wolkenstein besitzt außerdem ein Eisstadion, eine Tennishalle und ein Fußballfeld in Plan.