Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Wirtschaft in Pirmasens

In der Stadt haben rund 1700 Unternehmen ihren Sitz. ... Darüber hinaus ist Pirmasens Messestadt. Als Folge des Strukturwandels hat die Stadt mit hoher …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Prägung und wirtschaftliche Lage
  2. 2. Wirtschaftsleistung
  3. 3. Krise der Schuhindustrie und Arbeitsmarkt
  4. 4. Konversion und Zukunftsaussichten
  5. 5. Schuhindustrie und verbundene Unternehmen
  6. 6. Weitere wichtige Betriebe

Prägung und wirtschaftliche Lage

Pirmasens war im 19. und 20. Jahrhundert ein Zentrum der deutschen Schuhindustrie und wurde deshalb als „deutsche Schuhmetropole“ bezeichnet. Wiederkehrende schwere Krisen prägten die wirtschaftliche Entwicklung. Nachdem die Schuhproduktion weitgehend ins Ausland verlagert worden war, befindet sich die Stadt weiterhin in einem Strukturwandel: Sie soll sich vom industriell geprägten Standort zu einem Dienstleistungs- und Forschungsstandort entwickeln.

Rund 1700 Unternehmen haben ihren Sitz in Pirmasens; außerdem ist die Stadt ein Messestandort. Zu den Folgen des Wandels gehören hohe Arbeitslosigkeit, Bevölkerungsrückgang und hohe Verschuldung.

Wirtschaftsleistung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bezeichnet den Wert aller innerhalb eines Gebietes hergestellten Waren und Dienstleistungen. Pirmasens erzielte 2016 innerhalb seiner Stadtgrenzen ein BIP von 1,591 Milliarden €. Das BIP pro Kopf betrug 35.983 €; es lag über dem Wert von Rheinland-Pfalz mit 34.118 €, aber unter dem deutschen Durchschnitt von 38.180 €.

Das BIP je Erwerbsperson lag bei 54.391 €. Im Jahr 2016 waren in der Stadt etwa 26.600 erwerbstätige Personen beschäftigt.

Krise der Schuhindustrie und Arbeitsmarkt

Seit dem 19. Jahrhundert war Pirmasens das Zentrum der deutschen Schuhindustrie. Ab etwa 1970 wurde die Massenproduktion wegen mangelnder Konkurrenzfähigkeit gegenüber ausländischer Ware zunehmend schwierig. Viele Schuhfabriken schlossen. Andere blieben durch die Verlagerung der Produktion ins Ausland und durch Spezialisierung auf Nischensegmente bestehen.

Auch im Lederhandel, Maschinenbau und in der Chemie verschlechterte sich die Lage. Dadurch gingen etwa 15.000 Arbeitsplätze verloren. Nach dem Abzug des amerikanischen Militärs verließen rund 10.000 Soldaten und Angehörige die Stadt; mittelbar fielen weitere 4.000 Arbeitsplätze weg.

Die Arbeitslosenquote betrug 2002 14,9 %, im April 2013 13,6 % und im September 2019 10,4 %. Trotz des Rückgangs war dies der höchste Wert in Rheinland-Pfalz und lag deutlich über dem Landesdurchschnitt von 4,2 %. Das durchschnittliche Einkommen erreichte 2016 88,3 % des Landesmittels von Rheinland-Pfalz.

Konversion und Zukunftsaussichten

Konversion bedeutet hier die Umnutzung ehemaliger Kasernen und leer stehender Fabrikgebäude. Sie sollte neue Gewerbeflächen und Arbeitsplätze schaffen. Der Neuffer-Komplex wurde zu „Neuffer am Park“ umgestaltet und beherbergt Ärzte, Unternehmen und einen Radiosender. Die ehemalige Husterhöh-Kaserne wurde zum Gewerbepark Husterhöhe: Dort stieg die Zahl der Arbeitsplätze von 120 im Jahr 2000 auf etwa 2700 im Jahr 2016, verteilt auf 102 Unternehmen. Die frühere, größte deutsche Schuhfabrik Rheinberger wurde 2007 und 2008 ebenfalls zu einem Gewerbepark umgebaut.

2017 gab es in Pirmasens etwa 20.000 Arbeitsplätze bei 40.000 Einwohnern. Unter den zwölf kreisfreien Städten in Rheinland-Pfalz hatte die Stadt damit die fünfthöchste Arbeitsplatzdichte. 2015 kamen 1056 Erwerbstätige am Arbeitsort auf 1000 Einwohner im erwerbsfähigen Alter. Der benachbarte Landkreis Südwestpfalz profitierte ebenfalls, obwohl er die niedrigste Arbeitsplatzdichte des Landes hatte; seine Arbeitslosenquote lag im September 2017 bei 4 %.

Ein vierstreifiger Ausbau der Bundesstraße 10 zwischen A 8 und A 65 in Landau soll den Standort attraktiver machen. Ein ab 2013 geplantes interkommunales Gewerbegebiet mit Rodalben auf dem Grünbühl wurde wegen Widerstands der Bundeswehr nicht umgesetzt und 2022 endgültig aufgegeben. Im Zukunftsatlas 2025 lag Pirmasens auf Platz 395 von 400, nach Platz 374 von 402 im Jahr 2016, und zählt zu Regionen mit „sehr hohen Zukunftsrisiken“. Die Konversionsprojekte waren großteils erfolgreich; 2026 wurde eine leichte Verbesserung als Wirtschaftsstandort verzeichnet.

Schuhindustrie und verbundene Unternehmen

Eine eigene Schuhproduktion in Pirmasens hat gegenwärtig Kennel & Schmenger. Peter Kaiser, die älteste deutsche Schuhfabrik, stellte die Produktion vor Ort Ende April 2021 ein. Carl Semler beantragte im Januar 2025 Insolvenz in Eigenverantwortung und kündigte im März 2025 an, die gesamte Produktion nach Ungarn zu verlegen. Viele überlebende Schuhhersteller führen in Pirmasens Verwaltung, Vertrieb und Modellentwicklung, während sie vollständig im Ausland produzieren. Dazu zählen Peter Kaiser und Caprice, das 1990 entstand und zur Wortmann Schuh-Holding gehört. Frühere Massenproduzenten wie Neuffer, Rheinberger und Salamander verlagerten ihre Produktion ins Ausland oder gingen insolvent.

Aus Zulieferbetrieben entstanden weitere wichtige Unternehmen. Framas Kunststofftechnik stellt Leisten und Sohlen her, unter anderem für Adidas und Nike. Aus dem Bedarf an Schuhklebstoffen gingen Profine und Kömmerling Chemische Fabrik hervor, die früher ein Unternehmen waren. Profine ist mit etwa 1200 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt. Keck liefert unter anderem Industriefarben für die Herstellung von Fußbällen. Aus dem Schuhmaschinenbau entwickelten sich Schoen + sandt machinery, ein Hersteller von Stanzmaschinen, und die Ring-Gruppe mit Stanz- und Perforiermaschinen.

Weitere wichtige Betriebe

Die Einzelhandelskette Wasgau hat ihren Sitz im Stadtteil Winzeln. Sie beschäftigt fast 4000 Mitarbeiter im südlichen Rheinland-Pfalz und im Saarland, davon etwa 1000 in Pirmasens. Die Brauerei Park & Bellheimer entstand 1995 aus der Park- und Bürgerbräu AG und der Bellheimer Brauerei K. Silbernagel AG. Nach einer Krise übernahm sie 2004 die Mannheimer Actris AG; seit einem Management-Buyout 2010 gehört sie mehrheitlich dem früheren Actris-Manager Roald Pauli.

Weitere Unternehmen am Ort sind die WAWI Schokolade AG, seit 1957 Herstellerin von Nappo, Moritz und WAWI, sowie Convar, ein Spezialist für Datenrettung. Convar stellte bereits nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Datenträger aus den Trümmern des World Trade Center wieder her. Ebenfalls ansässig sind Sparkasse Südwestpfalz, VR-Bank Südwestpfalz Pirmasens-Zweibrücken sowie Hepco & Becker mit der Tochter Krauser. Die Stadtwerke Pirmasens sichern die Energieversorgung und betreiben das Wasserwerk in Rodalben, das seit 1911 der Stadt Pirmasens gehört. PSB Intralogistics beschäftigt etwa 500 Mitarbeiter und entwickelt als Maschinen- und Anlagenbauer vor allem automatisierte Lagerlösungen.

Weiterlesen