Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Wilhelm Pötters

Wilhelm Pötters (* 28. August 1941 in Sevelen) ist ein deutscher Romanist. Inhaltsverzeichnis. 1 Leben und Werk; 2 Werke (Auswahl); 3 Literatur; 4 Weblinks …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und Ausbildung
  2. 2. Akademische Laufbahn und Forschungsmethode
  3. 3. Zentrale These zu Mathematik und Dichtung
  4. 4. Ausgewählte Veröffentlichungen und Anerkennung

Person und Ausbildung

Wilhelm Pötters, geboren am 28. August 1941 in Sevelen, ist ein deutscher Romanist. Die Romanistik befasst sich mit den romanischen Sprachen und Literaturen. Nach seinem Abitur am Friedrich-Spee-Gymnasium in Geldern im Jahr 1961 studierte Pötters Romanische und Deutsche Philologie, Allgemeine Sprachwissenschaft, Philosophie und Pädagogik. Seine Studienorte waren die Universitäten Bonn, Köln, Grenoble und Lissabon.

1970 wurde Pötters an der Universität zu Köln promoviert. Gegenstand seiner Dissertation war ein Vergleich des Wortschatzes der iberoromanischen Sprachen, also vor allem der sprachlichen Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Bereich des Spanischen und Portugiesischen. Für die universitäre Lehre verfasste er gemeinsam mit Annegret Bollée eine Einführung in die französische Sprachwissenschaft. Dieses Werk erschien ab 1974 in mehreren Auflagen; die 7. Auflage wurde 1995 veröffentlicht.

Akademische Laufbahn und Forschungsmethode

Von 1971 bis 1982 arbeitete Pötters am Romanischen Seminar der Universität zu Köln als Wissenschaftlicher Assistent. Außerdem war er im Dekanat der Philosophischen Fakultät als Akademischer Rat tätig. Von 1982 bis 2003 vertrat er an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg den romanistischen Lehrstuhl für Sprachwissenschaft von Theodor Berchem. Anschließend übernahm er diesen Lehrstuhl bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2006. In Würzburg lehrte er noch bis 2013 weiter; seit 2008 lehrt er außerdem wieder in Köln. Einen Ruf von 1993 an die Universität Leipzig auf eine Professur für „Geschichte der romanischen Sprachen und Literaturen im Mittelalter“ lehnte er ab.

Pötters verbindet in seinen Untersuchungen sprachwissenschaftliche und literaturwissenschaftliche Verfahren. Er analysiert also nicht nur Sprache, Syntax und Textstruktur, sondern deutet auch den Aufbau und die Bedeutung literarischer Werke. Diesen interdisziplinären Ansatz entwickelte er zunächst in seiner Kölner Habilitationsschrift von 1981 mit dem Titel „Boccaccio concessivo“. Die Arbeit untersucht Syntax und Textstruktur in den Novellen des „Decameron“ und wurde in zwei getrennten Bänden veröffentlicht. Danach wandte Pötters einen ähnlichen Ansatz auf weitere zentrale Werke der mittelalterlichen italienischen Literatur an.

Zentrale These zu Mathematik und Dichtung

In seinen Arbeiten zur italienischen Literatur vertritt Pötters die These, dass bestimmte mittelalterliche Dichtungen nach geometrischen und mathematischen Prinzipien aufgebaut seien. Dies betrifft zunächst die ursprüngliche Struktur des Sonetts, einer um 1230/40 in Sizilien entstandenen Gedichtform. Nach Pötters’ Auffassung lassen sich außerdem mehrere Hauptwerke der spätmittelalterlichen Dichtung auf die Kreiszahl Pi und die Zahl des Goldenen Schnitts Phi zurückführen. Genannt werden besonders der Zyklus der Laura-Gedichte von Francesco Petrarca und Dantes „Göttliche Komödie“.

Pi und Phi sind irrationale Zahlen. Das bedeutet, dass sie nicht als Bruch aus zwei ganzen Zahlen dargestellt werden können und ihre Dezimaldarstellung nicht endet und sich nicht regelmäßig wiederholt. Pötters deutet seine analytischen Befunde so, dass die Dichter-Philosophen des italienischen Mittelalters erstaunlich genaue Näherungswerte für diese Zahlen gekannt hätten. Solche Näherungswerte seien in der mathematischen Literatur dieser Epoche allerdings noch nicht nachweisbar.

Die mathematische Gestaltung soll nach dieser Deutung auch eine inhaltliche Bedeutung besitzen. Die Unbestimmbarkeit der irrationalen Zahlen stehe in einer beabsichtigten Sinnbeziehung zur Unerreichbarkeit der in den Werken besungenen „donna“, also der verehrten Frauengestalt. Zugleich könnten die Dichter durch die Verwendung von Pi und Phi als Nachahmer des „Deus geometra“ erscheinen. Damit ist die Vorstellung gemeint, dass Gott auch die Schöpfung nach geometrischen Prinzipien gestaltet habe. Die Aussagen werden im Artikel als Pötters’ These und als seine Interpretation seiner Forschungsergebnisse dargestellt.

Ausgewählte Veröffentlichungen und Anerkennung

Zu Pötters’ frühen Arbeiten gehört die 1970 veröffentlichte Untersuchung „Unterschiede im Wortschatz der iberoromanischen Sprachen. Beitrag zu einer vergleichenden spanisch-portugiesischen Semantik“. Gemeinsam mit Annegret Bollée veröffentlichte er 1974 den „Sprachwissenschaftlichen Grundkurs für Studienanfänger Französisch“, der bis 1995 mehrere Auflagen erreichte.

Weitere Veröffentlichungen behandeln die Verbindung von Sprache, Literatur und mathematischen Strukturen. Dazu gehören „Chi era Laura?“ über sprachliche und mathematische Strukturen in Petrarcas „Canzoniere“ (1987), „Begriff und Struktur der Novelle“ zu Boccaccios „Falken“ (1991), „Negierte Implikation im Italienischen“ zur sprachlichen Ausdrucksform der Konzessivität im „Decameron“ (1992) und „Nascita del sonetto“ zur Metrik und Mathematik zur Zeit Friedrichs II. (1998). 2011 erschien der Beitrag „Circolarità e armonia“ über geometrische Prinzipien in der mittelalterlichen Dichtung von den Sizilianern bis Dante. 2018 veröffentlichte Pötters „Chi era Beatrice?“ über Theorie und kosmische Allegorie in Dantes Dichtung. Seine Arbeit „Boccaccio concessivo“ erschien 2024 erneut als eigenständige Veröffentlichung.

Pötters ist Ehrenmitglied der Società Dantesca Italiana in Florenz.

Weiterlesen