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Wegener Center
Das Wegener Center für Klima und Globalen Wandel (WEGC) ist ein Institut der Universität Graz in Österreich. Es befasst sich sowohl mit den physikalisch …
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Institut und Bedeutung
Das Wegener Center für Klima und Globalen Wandel (WEGC) ist ein interdisziplinäres Institut der Universität Graz in Österreich. Es untersucht den Klimawandel und den globalen Wandel sowohl aus physikalischer als auch aus sozioökonomischer Sicht. Dabei verbindet es Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Zu seinen Fachgebieten gehören Geophysik, Klimaphysik, Meteorologie, Volkswirtschaftslehre, Geografie und Regionalforschung.
Das Institut betreibt Grundlagenforschung und angewandte Forschung. Rund 60 Forschende aller Karrierestufen arbeiten dort; der Frauenanteil wird mit 30 % angegeben. Geleitet wird das Institut von Karl W. Steininger. Gegründet wurde es von Gottfried Kirchengast. Namensgeber ist Alfred Wegener, Meteorologe, Polar- und Geowissenschaftler sowie erster Inhaber des Lehrstuhls für Geophysik an der Karl-Franzens-Universität Graz.
Aufgaben und Arbeitsweise
Das Wegener Center vereint Klima-, Umwelt-, Wirtschafts- und Gesellschaftsforschung. Es will Klimavariabilität und Klimawandel auf globaler, regionaler und lokaler Ebene besser verständlich machen. Klimavariabilität bezeichnet dabei die natürlichen oder durch äußere Einflüsse verursachten Schwankungen des Klimas. Zusätzlich untersucht das Institut die sozioökonomischen Ursachen und Folgen des Klima- und globalen Wandels.
Dazu beobachten, analysieren und modellieren die Forschenden sowohl das physikalische Klimasystem als auch sozioökonomische Prozesse. Modellieren bedeutet, Vorgänge mithilfe wissenschaftlicher Modelle vereinfacht abzubilden und mögliche Entwicklungen zu berechnen. In Lehre und Nachwuchsförderung stärkt das Institut außerdem die fächerübergreifenden Umweltsystemwissenschaften und beteiligte Disziplinen wie Physik und Volkswirtschaftslehre.
Entwicklung zum Universitätsinstitut
Seit den 1990er Jahren nahmen die klimabezogenen Forschungsaktivitäten an mehreren Instituten der Universität Graz zu. Darauf aufbauend richtete die Universität mit anfänglicher Unterstützung der Stadt Graz ein interdisziplinäres und international ausgerichtetes Forschungszentrum ein. Grundlage war eine vom Rektorat beauftragte internationale Begutachtung im Jahr 2004. Die offizielle Gründung des zunächst zeitlich befristeten Wegener Centers erfolgte am 1. März 2005.
Mit Beschluss des Rektorats vom 8. November 2012 wurde das Zentrum mit Wirkung vom 1. November 2013 dauerhaft als Universitätsinstitut eingerichtet. Fast gleichzeitig zog es vom ursprünglichen Standort in der Leechgasse 25 in ein größeres Gebäude in der Brandhofgasse 5 um.
Physikalische Klima- und Atmosphärenforschung
Die Forschungsgruppe Atmosphärenfernerkundung und Klimasystem (ARSCliSys) entwickelt und nutzt satellitengestützte Verfahren zur Fernerkundung der Atmosphäre und des Klimasystems sowie neue, sehr hoch auflösende bodengebundene Methoden. Fernerkundung bedeutet, Eigenschaften der Atmosphäre aus der Entfernung zu messen. Ein besonders geeignetes Verfahren für weltweite Untersuchungen ist die Radio-Okkultation. Satelliten- und Bodendaten werden mit Klimamodell-Simulationen verbunden, um Klimavariabilität, langfristige Klimatrends sowie Wetter- und Klimaextreme zu untersuchen. Die Gruppe betrachtet die globale Erwärmung und stellt Bezüge zur Alpenregion, zu Österreich und zur Steiermark her. Mit dem WegenerNet betreibt sie ein Pionierexperiment für den Lebensraum Alpenregion.
Die Gruppe Regionale und Lokale Klimamodellierung und -analyse (ReLoClim) untersucht die Prozesse des regionalen Klimawandels, besonders Starkniederschläge, Dürren und andere Extremereignisse. Sie fragt, wie stark sich das Klima bereits verändert hat, ob der Klimawandel jüngste Extreme beeinflusst hat und welche Entwicklungen künftig zu erwarten sind. Außerdem prüft sie, wie Extremereignisse in einem wärmeren Klima aussehen könnten und wie zuverlässig Modelle und Simulationen sind. Der räumliche Schwerpunkt liegt auf Europa und den Europäischen Alpen; Fallstudien betreffen vor allem Österreich und die Steiermark. Verwendet werden Klimasimulationen des 21. Jahrhunderts, Sensitivitätsstudien, Simulationen einzelner Ereignisse und Beobachtungsdaten.
Die Gruppe Klimaprozesse und Umweltmeteorologie (ClimEMet) erforscht die interne Variabilität des Klimasystems und den Einfluss einzelner oder kombinierter Forcings. Forcings sind äußere Antriebe, die auf das Klimasystem wirken. Untersucht werden ihre Wirkungen auf atmosphärische Chemie und Dynamik sowie auf Klimavariablen am Boden. Die Forschung reicht räumlich von der Stratosphäre über die Troposphäre bis zur planetaren Grenzschicht und umfasst verschiedene Zeitskalen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Unsicherheit von Zukunftsprognosen für Extremereignisse. Ziel sind robuste Aussagen darüber, wie Veränderungen einzelner Forcings die Atmosphäre und das Klimasystem im Verlauf des 21. Jahrhunderts beeinflussen.
Wirtschaft, Gesellschaft und hydrologische Extreme
Die Forschungsgruppe Ökonomik des Klima- und Umweltwandels (EconClim) untersucht die sozioökonomischen Seiten des Klima- und Umweltwandels. Im Mittelpunkt steht, wie Menschen als Individuen und Gesellschaften zu diesen Veränderungen beitragen und wie sie davon betroffen sind. Die Gruppe erforscht Handlungsoptionen zur Anpassung an den Klima- und Umweltwandel und zu seiner Minderung. Ihre Analysen konzentrieren sich auf Österreich, berücksichtigen aber auch die europäische und globale Ebene. Die Arbeit umfasst die gesamte Wertschöpfungskette von der Grundlagenforschung über grundlagenorientierte Anwendungsforschung bis zur angewandten, politikorientierten Forschung.
Im gemeinsamen Forschungsschwerpunkt Hydrologische Extreme in einem sich ändernden Klima (HydExClim) arbeiten die Gruppen des Instituts zusammen. Hydrologische Extreme sind außergewöhnliche Ereignisse im Wasserkreislauf, insbesondere Starkniederschläge, Hochwasser und Dürren. Sie können Energieversorgung, öffentliche Infrastruktur, Haushalte und Landwirtschaft beeinträchtigen. Ihre Folgen hängen zusätzlich stark von menschlichen Einflüssen wie Landnutzung und Veränderungen des Wassermanagements ab. Österreich und die Steiermark dienen hauptsächlich als Fokus- und Modellregionen für diese integrierte Forschung. Die Projekte werden gruppenübergreifend sowie gemeinsam mit externen Partnern und betroffenen Akteuren durchgeführt.