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Vieille langue des signes française

Die Vieille langue des signes française (Alte Französische Gebärdensprache, VLSF) war die Gebärdensprache der Gehörlosen im 18. Jahrhundert in Paris bevor …

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Definition und Einordnung
  2. 2. Aufzeichnungen und Einfluss von l’Épée
  3. 3. Sprachliche Merkmale und offene Fragen

Definition und Einordnung

Die Vieille langue des signes française (Alte Französische Gebärdensprache, VLSF) war die Gebärdensprache der gehörlosen Menschen im Paris des 18. Jahrhunderts, bevor beziehungsweise während die ersten Gehörlosenschulen gegründet wurden. Sie ist eine Gebärdensprache und gilt heute als ausgestorben. In den 1750er Jahren gab es in Paris ungefähr 200 Sprecher. Die VLSF war keine Amtssprache und hatte keine ISO-639-Sprachcodes. Trotz ihres Namens hat sie nichts mit Altfranzösisch zu tun.

Aufzeichnungen und Einfluss von l’Épée

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen zur VLSF finden sich in den Werken von Abbé de l’Épée. Er begegnete zufällig zwei gebärdenden Schwestern und erhielt dadurch Zugang zur damaligen Pariser Gehörlosengemeinschaft.

L’Épée hielt die Gebärdensprache einerseits für schön, andererseits für primitiv. Deshalb entwickelte er lieber ein eigenes Zeichensystem, das „langage de signes méthodiques“ (methodische Zeichen). Dieses System übernahm teilweise Gebärden aus der VLSF und verband sie nach einer besonderen morphemischen Struktur, also einer Struktur aus bedeutungstragenden sprachlichen Einheiten. Der Ausdruck „Vieille langue des signes française“ wurde gelegentlich auch für l’Épées „methodische Zeichen“ verwendet.

L’Épée war nicht der Erfinder der Gebärdensprache, da die VLSF bereits vor ihm existierte. Sein Einfluss war jedoch so groß, dass die Entstehung der modernen Langue des signes française in den von ihm gegründeten Schulen angesetzt werden kann. Nach seinem Vorbild gegründete Gehörlosenschulen auf der ganzen Welt trugen dazu bei, dass diese Gebärdensprache die Entwicklung vieler anderer Gebärdensprachen beeinflusste. Wörterbücher der „methodischen Zeichen“, die Abbé de l’Épée und sein Nachfolger Abbé Roch-Ambroise Cucurron Sicard veröffentlichten, zeigen, dass viele beschriebene Gebärden direkte Nachkommen in heutigen Gebärdensprachen haben.

Sprachliche Merkmale und offene Fragen

Der taube Zeitgenosse l’Épées, Pierre Desloges, beschrieb die VLSF 1779 teilweise in seinem Buch, dem ersten jemals veröffentlichten Buch eines Tauben. Aus seiner Darstellung geht hervor, dass die für Gebärdensprachen typische räumliche Grammatik wahrscheinlich verwendet wurde. Außerdem erkannte Desloges Richtungsverben als grammatisches Merkmal. Richtungsverben sind Verben, deren Ausführung im Gebärdenraum grammatische Informationen, etwa eine Richtung zwischen beteiligten Personen, ausdrücken kann.

Die wenigen erhaltenen Beschreibungen reichen nicht aus, um die VLSF vollständig zu rekonstruieren. Moderne linguistische Forschungen gewinnen jedoch zunehmend weitere Einzelheiten. Unbekannt ist bis heute, wie die Sprache erworben wurde und wie sie sich außerhalb von Schulen entwickelte. Belegt ist allgemein, dass bei einer ausreichend großen Zahl gehörloser Menschen spontan eine Gebärdensprache als notwendiges Kommunikationsmittel entstehen kann. Weil Paris lange Zeit die größte Stadt Frankreichs war, zählt die VLSF zu den ältesten Sprachen Europas.

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