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Vertrag von Versailles (1757)
Der (zweite) Vertrag von Versailles wurde am 1. Mai 1757 zwischen Frankreich und Österreich geschlossen. Im Rahmen des Siebenjährigen Krieges stellte er …
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Vertrag und Ziel
Der Zweite Vertrag von Versailles wurde am 1. Mai 1757 zwischen Frankreich und Österreich geschlossen. Im Siebenjährigen Krieg erweiterte er das Bündnis des Vorjahres zu einem Offensivbündnis. Sein zentrales Ziel war die territoriale Zerschlagung Preußens.
Frankreich erhöhte seine Truppenhilfe auf 100.000 Soldaten und versprach zusätzlich 12 Millionen Gulden für die Anwerbung von 10.000 deutschen Söldnern. Die Vereinbarungen beruhten auf der Erwartung, Preußen wegen seiner zahlenmäßigen Unterlegenheit rasch besiegen zu können. Diese Einschätzung wurde durch die Ausweitung der anti-preußischen Koalition gestützt: Am 17. Januar 1757 beschloss der Regensburger Reichstag die Reichsexekution gegen Preußen, am 22. Januar schloss Russland ein Bündnis mit Österreich, und im März stellte sich Schweden an die Seite Habsburgs. Auch Sachsen und Spanien gehörten zur anti-britisch-preußischen Koalition.
Der Vertrag enthielt jedoch Bedingungen: Frankreich sollte bestimmte Gebiete und Rechte nur erhalten, wenn Österreich Schlesien wiedereroberte. Damit wurden territoriale Gewinne verteilt, bevor der militärische Sieg tatsächlich erreicht war.
Geplante Aufteilung Preußens
Maria Theresia wollte Preußen entscheidend schwächen. Nach dem vorgesehenen Plan sollte das Königreich auf seinen Besitzstand von 1614 reduziert werden; ihm wäre nur die Kurmark verblieben.
Österreich beanspruchte Schlesien, die Grafschaft Glatz und das Herzogtum Crossen sowie einige noch nicht näher bestimmte Grenzgebiete. Kursachsen sollte das Fürstentum Halberstadt und das Herzogtum Magdeburg erhalten. Dafür hätte Sachsen die Ober- und Niederlausitz an Habsburg abtreten müssen. Diese Gebiete waren bis 1635 Länder der Böhmischen Krone gewesen.
Schweden sollte zunächst alle seit 1679 an Preußen verlorenen Gebiete Schwedisch-Pommerns zurückerhalten. In der endgültig unterzeichneten Fassung wurde ihm zusätzlich Hinterpommern versprochen.
Für die Kurpfalz und die Republik der Vereinigten Niederlande waren die preußischen Exklaven Kleve, Mark und Ravensberg sowie Obergeldern vorgesehen. Der Verteilungsschlüssel war noch nicht festgelegt. Russland beanspruchte Ostpreußen und plante, es Polen im Tausch gegen das Herzogtum Kurland und Semgallen anzubieten.
Französische Forderungen in den Österreichischen Niederlanden
Falls Österreich Schlesien und Glatz zurückeroberte, verlangte Frankreich die belgischen Barrierefestungen Ypern, Veurne, Mons und Fort Knokke. Außerdem sollten die Hafenstädte Ostende und Nieuwpoort an Frankreich fallen; ihre Auslieferung hatte Frankreich bereits im Vorfeld als Unterpfand verlangt. Die österreichischen Garnisonstruppen wären dadurch für den Krieg gegen Preußen verfügbar geworden.
Nach dem Krieg sollte Frankreich auf eigene Kosten die Festung Luxemburg schleifen dürfen. Die Herrschaft über die Österreichischen Niederlande sollte Philipp von Parma, ein Vertreter einer bourbonischen Nebenlinie und Schwiegersohn Ludwigs XV., erhalten. Damit wären ihm auch Sitz und Stimme im Burgundischen Reichskreis und im Reichstag, die Titel und Wappen der Herzöge von Burgund sowie das Recht zur Verleihung des Ordens vom Goldenen Vlies zugefallen. Die Österreichischen Niederlande wären dadurch indirekt unter französischen Einfluss geraten.
Im Gegenzug sollte der italienische Besitz Philipps an Habsburg zurückfallen. Dazu gehörten Parma, Piacenza und Guastalla, die Österreich im Frieden von Aachen 1748 an die Bourbonen verloren hatte.
Geplante Annexion britischer Gebiete
Frankreich plante, Großbritannien Gibraltar und Menorca zu entreißen und beide Gebiete dem bourbonischen Spanien zu überlassen. Außerdem sollten die Kanalinseln Jersey, Guernsey und Alderney, auch Origny genannt, erworben werden.
Das Herzogtum Bremen-Verden sollte dem britischen König in seiner Eigenschaft als Kurfürst von Hannover entzogen und zurückgegeben werden, möglicherweise unter dänischer Oberherrschaft.
Ausbleibender Sieg und Folgen
Ab dem Frühjahr 1757 folgten zahlreiche blutige Schlachten. Preußen schien nach der Schlacht bei Kolin zeitweilig ebenso wie Großbritannien-Hannover nach der Schlacht bei Hastenbeck kurz vor der Niederlage zu stehen. Trotzdem gelang der mehrfach überlegenen anti-preußischen Koalition kein entscheidender Sieg.
Nachdem der erwartete rasche Erfolg ausgeblieben war, verzichtete Frankreich im Dritten Versailler Vertrag von 1758 auf alle Ansprüche in den Österreichischen Niederlanden. Im Gegenzug verringerte es seine finanziellen und militärischen Hilfen für Habsburg, um sich auf den Kampf gegen Großbritannien zu konzentrieren.
1763 führten allgemeine Kriegsmüdigkeit und das Ausscheiden Russlands aus der anti-preußischen Koalition nach dem Tod Zarin Elisabeths zum Frieden von Hubertusburg. Dieser schrieb für Preußen den Status quo ante bellum fest. Frankreich verlor im Frieden von Paris 1763 seine Kolonien auf dem amerikanischen Festland und – abgesehen von wenigen Handelsplätzen – nahezu ganz Französisch-Indien.