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US-Truppentransporte im Ersten Weltkrieg

Die US-Truppentransporte im Ersten Weltkrieg wurden vorwiegend mit britischen und US-amerikanischen Schiffen durchgeführt, darunter rund 20 in den USA …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kern und Bedeutung
  2. 2. Kriegseintritt der USA
  3. 3. Organisation der Transporte
  4. 4. Umbau der Schiffe
  5. 5. Beispiel Leviathan
  6. 6. Konvois und Ergebnis

Kern und Bedeutung

Die US-Truppentransporte im Ersten Weltkrieg waren der organisierte Transport amerikanischer Soldaten über den Atlantik nach Europa. Sie waren entscheidend, weil die Vereinigten Staaten nach ihrer Kriegserklärung an das Deutsche Reich am 6. April 1917 ihre Verbündeten schnell mit Truppen unterstützen wollten. Die deutsche Führung hatte nicht damit gerechnet, dass die USA in der Lage sein würden, eine Armee samt Ausrüstung über den Atlantik zu bringen und zu versorgen.

Die Transporte wurden vor allem mit britischen und US-amerikanischen Schiffen durchgeführt. Eine wichtige Rolle spielten rund 20 in den USA internierte deutsche Passagierschiffe, darunter die Vaterland, eines der größten Schiffe der Welt. Diese Schiffe waren seit Kriegsbeginn 1914 in US-Häfen aufgelegt, also außer Dienst gestellt und festgehalten. Nach dem Kriegseintritt der USA wurden sie beschlagnahmt, umgebaut und als Truppentransporter eingesetzt. Insgesamt brachten fünfundvierzig US-amerikanische Schiffe der US Navy etwa die Hälfte der über zwei Millionen US-Soldaten nach Frankreich. Die deutschen Schiffe transportierten auf 164 Reisen fast 600.000 Mann, etwa ein Viertel der US-Soldaten.

Kriegseintritt der USA

Ein wichtiger Auslöser war der uneingeschränkte U-Boot-Krieg. Damit ist gemeint, dass deutsche U-Boote Handelsschiffe ohne vorherige Warnung angreifen konnten. 1915 war diese Kriegsführung nach dem „Lusitania-Zwischenfall“ eingestellt worden. Im Januar 1917 kündigte das Deutsche Kaiserreich den Vereinigten Staaten in einer Note an, den uneingeschränkten U-Boot-Krieg zum 1. Februar wiederaufzunehmen.

Ebenfalls im Januar 1917 entschlüsselte der amerikanische Geheimdienst die Zimmermann-Depesche. Sie enthielt ein deutsches Bündnisangebot an Mexiko für den Fall, dass die USA in den Krieg eintreten sollten. Am 3. Februar brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab. Präsident Woodrow Wilson, der am 7. November 1916 knapp wiedergewählt worden war, führte die USA in dieser Phase.

Im April 1917 stimmte der US-Senat mit 82 zu sechs Stimmen für eine Kriegserklärung an das Deutsche Reich. Das US-Repräsentantenhaus bestätigte sie mit großer Mehrheit. Am 6. April 1917 erklärten die Vereinigten Staaten dem Deutschen Reich den Krieg.

Organisation der Transporte

Am 7. Mai 1917 wurde General John J. Pershing nach Washington befohlen. Präsident Woodrow Wilson ernannte ihn zum Oberbefehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, der American Expeditionary Forces. Am 28. Mai fuhr Pershing nach Frankreich, um die Ankunft amerikanischer Schiffe und Soldaten vorzubereiten.

Die USA wollten bis zum Frühsommer 1917 eine Infanteriedivision nach Frankreich schicken. Das US-Heer und die US-Marine waren für einen solchen Massentransport über den Atlantik aber nicht ausreichend ausgestattet. Auch die Handelsmarine besaß nur wenige geeignete hochseetüchtige Passagierschiffe. Deshalb wurde ein Komitee eingesetzt, das geeignete neue und gebrauchte Schiffe finden sollte. Neubauten aus Stahl waren kurzfristig nicht möglich; die Idee, Holzschiffe zu bauen, wurde schnell verworfen, weil in amerikanischen Häfen viele große deutsche Passagierschiffe lagen.

Am 23. Mai 1917 erhielt Admiral Albert Cleaves den Auftrag, den ersten Konvoi nach Frankreich zu kommandieren. Am 29. Mai wurde er zum „Commander of Convoy Operations in the Atlantic“ ernannt. Von New York aus trieb er die Vorbereitungen voran. Damit entstand die Grundlage für die bis dahin größte Transportflotte der Geschichte.

Umbau der Schiffe

Für die ersten Transporte mussten Hochseeschiffe beschlagnahmt, gechartert oder requiriert und rasch umgebaut werden. Der 1898 gegründete Army Transport Service sichtete die verfügbaren Schiffe. Im Mai 1917 wählte er Schiffe aus, darunter die Finland, die am 2. Juni 1917 als letztes der 14 amerikanisch registrierten Schiffe der US Army übergeben wurde.

Die Schiffe wurden zu Hilfsschiffen der U.S. Navy umgerüstet: Sie erhielten Kanonen, Ausguckstationen, Kommunikationssysteme und Unterkünfte für Truppen. Außerdem wurden Versorgung, Verpflegung und sanitäre Anlagen organisiert. Pro Schiff wurden 10 Prozent mehr Rettungsgürtel geliefert, als Passagiere geplant waren. Rettungsflöße wurden so verteilt, dass alle Personen in Booten und Flößen Platz finden konnten, selbst wenn ein Schiff wegen Schlagseite nur auf einer Seite verlassen werden konnte.

Die Finland wurde innerhalb von nur zwei Wochen umgebaut. Ihre Passagierunterkünfte wurden entfernt und durch Schlafsäle ersetzt, weitere sanitäre Anlagen und Kombüsen kamen hinzu. Am 14. Juni 1917 lief sie mit dem 18. Infanterieregiment von New York nach Brest aus. Mit 12.000 BRT war sie der größte Truppentransporter der ersten vier Konvoigruppen.

Viele deutsche Schiffe waren seit 1914 in US-Häfen aufgelegt. Zu ihnen gehörten schnelle Dampfer wie Kronprinz Wilhelm, Kaiser Wilhelm II. und Kronprinzessin Cecilie, die später als USS Von Steuben, USS Agamemnon und USS Mount Vernon eingesetzt wurden. Deutsche Besatzungen hatten aus Sorge vor einer Nutzung gegen Deutschland Sabotage verübt: Sie demontierten Teile an Deck und auf der Brücke, zerstörten Ventile und Zylinder in Maschinenräumen und ließen Ersatzteile verschwinden. Amerikanische Werften reparierten vieles, unter anderem mit dem noch neuen elektrischen Schweißverfahren.

Beispiel Leviathan

Die Vaterland war ein besonders wichtiges Beispiel. Sie gehörte zur Imperator-Klasse der Hamburg-Amerika-Linie und hatte mit 52.000 BRT eine der größten Schiffsgrößen ihrer Zeit. Ende Juli 1914 lag sie in New York, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Wegen der britischen Vorherrschaft auf den Weltmeeren war eine sichere Rückkehr nach Deutschland fraglich, daher blieb sie fast drei Jahre in Hoboken aufgelegt.

Im Juli 1917 wurde sie der Marine zum Umbau in ein Truppenschiff übergeben. Weil sie wegen ihrer Größe in kein Dock passte, reinigten Taucher das Unterwasserschiff vom Bewuchs. Am 6. September 1917 wurde sie in Leviathan umbenannt. Nach einer Probefahrt nach Kuba begann ihre erste Truppenreise am 17. Dezember 1917 von New York mit 7.250 Soldaten nach Liverpool.

In Liverpool blieb das Schiff fünfzig Tage im Trockendock. Die Truppenkapazität wurde zunächst auf 8.200 Mann erhöht, später für Fahrten nach Brest schrittweise auf 10.500 und mit Doppelkojen auf 14.000. Wegen ihrer Geschwindigkeit konnte die Leviathan ohne Geleitschutz fahren; oft fuhr sie zusammen mit den schnellen Schiffen Great Northern und Northern Pacific. Während des Krieges machte sie zehn Hin- und Rückfahrten und brachte mehr als 119.000 Soldaten nach Europa. Nach dem Krieg transportierte sie Truppen zurück; ihre letzte Rückreise kam am 8. September 1919 an. Am 29. Oktober 1919 wurde sie außer Dienst gestellt und an die Schifffahrtsbehörde übergeben.

Konvois und Ergebnis

Die ersten Konvois wurden im Juni 1917 in New York zusammengestellt. Ein Konvoi ist eine Gruppe von Handelsschiffen, die gemeinsam fahren und von Kriegsschiffen geschützt werden. Die erste Expedition bestand aus vier einzelnen Konvois mit jeweils 3 bis 4 Handelsschiffen und 4 bis 7 Bewachern. Admiral Cleaves verschob den Abfahrtstermin vom 9. Juni auf den 14. Juni 1917, unter anderem wegen der Mondphase, damit U-Boote vor der französischen Küste nachts schlechtere Sicht hatten.

Zur Logistik gehörte auch der Öltanker Maumee. Er sollte Zerstörer auf See betanken und leistete damit Pionierarbeit bei der Betankung von Schiffen auf hoher See. Die Maumee nahm etwa 300 Meilen südlich von Grönland eine Station ungefähr auf halber Strecke ein. Nur die neuesten Zerstörer konnten mit einer Tankfüllung den Atlantik überqueren; ältere Schiffe brauchten Unterstützung oder mussten umkehren.

Die erste Konvoigruppe startete am 14. Juni 1917 in New York. Der Geleitschutz bestand unter anderem aus dem Panzerkreuzer Seattle, der umgebauten Yacht Corsair, dem Hilfskreuzer DeKalb sowie den Zerstörern Wilkes, Terry und Roe. Aus Sicherheitsgründen herrschte Funkstille, die Schiffe wurden nachts verdunkelt und fuhren im Zickzackkurs, damit U-Boote schwieriger zielen konnten. Es gab mehrfach U-Boot-Alarm, aber keine bestätigten Treffer.

Die Ankünfte wurden so geplant, dass der kleine Hafen Saint-Nazaire die Gruppen aufnehmen konnte. Gleichzeitig wurden in Brest künstliche Aktivitäten erzeugt, damit der Gegner Brest für den Zielhafen hielt. Am 26. Juni 1917 erreichte die erste Gruppe Saint-Nazaire, die zweite am nächsten Tag, die dritte am 28. Juni und die vierte am 2. Juli.

Beim Waffenstillstand am 11. November 1918 waren rund 2,1 Millionen amerikanische Soldaten in Europa gelandet. Rund 46 Prozent wurden von US-Kreuzer- und Transportschiffen befördert, etwa 49 Prozent von britischen Schiffen, 2,5 Prozent von französischen Schiffen und der Rest von italienischen Schiffen, die von England gechartert waren. Die US-Transporteinheiten und Eskorten zählten 24 Kreuzer und 42 Transportschiffe mit rund 3.000 Offizieren und 42.000 Mann Besatzung.

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