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UN-Campus

Er wurde am 11. Juli 2006 eingeweiht und umfasste zunächst nur das ehemalige Abgeordnetenhochhaus Langer Eugen. Im Juli 2013 kam der südliche Teil des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau
  2. 2. Entstehung des zentralen Standorts
  3. 3. Ausbau für das Klimasekretariat
  4. 4. Neues UN-Hochhaus und weitere Erweiterung
  5. 5. Eigentum und Sonderstatus
  6. 6. Ergänzende Einrichtungen

Bedeutung und Aufbau

Der UN-Campus, ausgeschrieben United Nations Campus und auch VN-Campus genannt, ist das Zentrum der Organisationen der Vereinten Nationen in Bonn. Er bündelt vor allem Einrichtungen aus den Bereichen Umwelt und Nachhaltigkeit an einem gemeinsamen Standort. Der Campus wurde am 11. Juli 2006 eingeweiht und bestand zunächst nur aus dem ehemaligen Abgeordnetenhochhaus Langer Eugen. Im Juli 2013 kam der südliche Teil des Bundeshauses am Platz der Vereinten Nationen hinzu. Nach einer weiteren Erweiterung besitzt der Campus seit 2022 eine Kapazität für etwa 1.000 Mitarbeiter.

Entstehung des zentralen Standorts

Vor allem seit 1996 ließen sich zahlreiche UN-Organisationen in Bonn nieder. Sie waren zunächst auf das Haus Carstanjen mit Erweiterungsbau, das Kerngebäude des Bundeshauses und das Bürogebäude Kennedyallee 105–107 verteilt.

Im November 2000 beschloss die Bundesregierung, die hauptsächlich im Umwelt- und Nachhaltigkeitsbereich tätigen Organisationen an einem Ort zusammenzuführen. 2001 wurde vereinbart, ihnen einen Teil der ehemaligen Parlamentsbauten dauerhaft als UN-Campus zu überlassen. Ein Kabinettsbeschluss vom 28. Mai 2003 bestätigte dieses Vorhaben.

Ab April 2006 zogen elf der damals zwölf Organisationen in den Langen Eugen ein. Das Gebäude wurde vollständig eingezäunt, außerdem wurde die Hermann-Ehlers-Straße für Autos gesperrt. Bundeskanzlerin Angela Merkel und UN-Generalsekretär Kofi Annan eröffneten den Campus am 11. Juli 2006.

Ausbau für das Klimasekretariat

In der zweiten Ausbauphase wurden das achtgeschossige Alte Abgeordnetenhochhaus über einem zweigeschossigen Bunker, der frühere Fraktionsbau, ein Zwischenflügel und der Südflügel des Bundeshauses für das Klimasekretariat hergerichtet. Dieses beschäftigte 2013 etwa 265 der insgesamt 600 Mitarbeiter auf dem Campus.

Die teilweise denkmalgeschützten Gebäude wurden von September 2009 bis Sommer 2013 unter Leitung des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung für 92 Millionen Euro umgebaut oder teilweise neu errichtet. An die Stelle des bisherigen Innenhofs trat ein glasüberdachtes Atrium. Der ursprünglich für 2008 geplante Umzug verzögerte sich, weil der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages eine Haushaltssperre für den Umbau verhängt hatte.

Am 31. Oktober 2012 wurde der Schlüssel symbolisch an das Klimasekretariat übergeben. Die UN übernahm das fertiggestellte Gebäude offiziell am 15. Juli 2013; der Einzug erfolgte im Oktober 2013. Zusätzlich entstanden ein Logistikgebäude am Rhein sowie ein zentrales Personeneingangsgebäude am Platz der Vereinten Nationen. Ein Teil der Hermann-Ehlers-Straße wurde entwidmet und in den Sicherheitsbereich aufgenommen.

Neues UN-Hochhaus und weitere Erweiterung

Die dritte Ausbauphase umfasste am Stresemannufer das 17-geschossige Neue UN-Hochhaus, auch „Klimaturm“ genannt. Es ist der erste Bonner Neubau, der eigens für eine Nutzung durch die UN geplant wurde, und dient dem Klimasekretariat. Dadurch können voraussichtlich alle bisher rund 1.000 Bonner UN-Mitarbeiter an einem Standort arbeiten.

Für das Projekt begann im November 2012 ein Architektenwettbewerb. Im September 2013 gewann das Berliner Architekturbüro Stefan Lippert. Ein Kunst-am-Bau-Wettbewerb wurde im August 2015 eingeleitet und im März 2016 entschieden. Die Grundsteinlegung fand am 6. Oktober 2016 statt, das Richtfest am 3. Juni 2019. Im Herbst 2020 war die Fassade fertig; die Gesamtfertigstellung folgte im Februar 2022. Seit April 2022 bezog das Klimasekretariat den Neubau.

Außerdem wurde das aus mehreren Gebäuden bestehende Alte Wasserwerk am Stresemannufer in den Campus einbezogen. Grundlage war ein Beschluss mehrerer Bundesministerien auf Staatssekretärsebene vom 3. Mai 2011. Das zuvor als Konferenzstätte des World Conference Center Bonn genutzte Gebäudeensemble ergänzte damit den Campus. Auch das vorhandene Logistikgebäude wurde baulich erweitert.

Eigentum und Sonderstatus

Eigentümerin des UN-Campus ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung betreut die anfallenden Bauaufgaben. Die UN-Organisationen dürfen die Gebäude mietfrei nutzen, müssen aber die Betriebskosten tragen.

Aufgrund eines Abkommens zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Vereinten Nationen gelten auf dem Campus besondere diplomatische und völkerrechtliche Bestimmungen. Deshalb wird das Gelände teilweise als „exterritoriales Gebiet“ bezeichnet. Völkerrechtlich ist diese Bezeichnung jedoch nicht zutreffend.

Ergänzende Einrichtungen

Das benachbarte World Conference Center Bonn, kurz WCCB, ergänzt den UN-Campus als Veranstaltungsort. 2006 begann ein großer Erweiterungsbau. Zuvor nutzte das Konferenzzentrum neben Wasserwerk und Pumpenhaus nur den ehemaligen Plenarsaal des Bundeshauses. Das zeitweise United Nations Conference Center genannte Projekt sollte insbesondere internationale Konferenzen der Vereinten Nationen in Bonn ermöglichen. Der Erweiterungsbau wurde im Sommer 2015 fertiggestellt.

Von 2012 bis 2013 ließ die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in der benachbarten Heussallee 30 eine Kindertagesstätte für Beschäftigte der UN und weiterer internationaler Organisationen errichten. Eine Tiefgarage für UN-Mitarbeiter befindet sich bei der Zentrale der Deutschen Welle im Schürmann-Bau und wird gemeinsam mit ihr betrieben.

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