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Transalpine Ölleitung

Die Transalpine Ölleitung (TAL, auch Transalpine Pipeline) ist eine Erdöl-Pipeline vom Hafen Triest in der Bucht von Muggia über Ingolstadt nach Karlsruhe …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufgabe und Verlauf
  2. 2. Entstehung und wichtige Ereignisse
  3. 3. Bau, Betrieb und Sicherung
  4. 4. Energierückgewinnung und Anschlüsse
  5. 5. Transportmenge und Eigentumsanteile

Aufgabe und Verlauf

Die Transalpine Ölleitung (TAL, auch Transalpine Pipeline) ist eine Erdöl-Pipeline vom Hafen Triest in der Bucht von Muggia über Ingolstadt nach Karlsruhe. Sie gehört zu den vier zentralen Ölversorgungsleitungen Deutschlands und transportiert Rohöl zu Raffinerien.

Die Hauptleitung führt über insgesamt 465 Kilometer von Triest nach Lenting bei Ingolstadt. Ihr Durchmesser beträgt 40 Zoll (1,016 Meter). In Lenting teilt sie sich: Ein östlicher Abschnitt mit 26 Zoll (66 Zentimeter) Durchmesser führt über 22 Kilometer zur Bayernoil-Raffinerie in Neustadt an der Donau. Ein westlicher Abschnitt, ebenfalls mit 26 Zoll (66 Zentimeter) Durchmesser, führt über 266 Kilometer zur Mineraloelraffinerie Oberrhein in Karlsruhe.

Die TAL überquert die Alpen. Die italienisch-österreichische Grenze passiert sie bei Kötschach-Mauthen in Kärnten, die österreichisch-deutsche Grenze bei Kufstein. Seit 2012 verläuft außerdem die 370 km lange Ethylen-Pipeline Süd (EPS) zwischen Münchsmünster und Ludwigshafen am Rhein weitgehend in westlicher Richtung entlang der TAL.

Entstehung und wichtige Ereignisse

Für die ersten Raffinerien bei Ingolstadt in Bayern musste eine Pipelineversorgung geschaffen werden. Zunächst entstand als Verlängerung der Südeuropäischen Pipeline (SEPL) die Rhein-Donau-Ölleitung (RDO) von Karlsruhe nach Ingolstadt; sie ging 1963 in Betrieb. Ihre Fließrichtung wurde später umgekehrt, sodass sie Teil der TAL wurde.

1963 stellte die US-amerikanische Firma Bechtel innerhalb von vier Monaten die Machbarkeit einer Ölleitung über die Alpen fest. Anschließend dauerte es eineinhalb Jahre, Wegerechte von mehr als 6000 Eigentümern zu erhalten. Nach drei Jahren Bauzeit ging die Leitung 1967 in Betrieb. Die Gesamtkosten betrugen 192 Millionen US-Dollar.

Im April 2022 versuchten Mitglieder der „Letzten Generation“, die Pipeline zu sabotieren. Sie drangen in die Schieberstation Niederambach bei Freising ein, wurden jedoch nach Auslösung eines Alarms von der Polizei festgenommen.

Am 25. März 2026 wurde ein Defekt einer 132-kV-Hochspannungsleitung bei Tolmezzo in Italien gemeldet. Nach dem Abschalten der Freileitung erhielt eine Pumpstation keinen Strom mehr; dadurch kam der gesamte Öltransport der TAL zum Stillstand. Später wurde bekannt, dass Stützen eines Stahlgittermasts in unwegsamem Gebiet durch Brennschneiden beschädigt worden waren und der Mast anschließend kippte. Gezielte Sabotage wird angenommen.

Bau, Betrieb und Sicherung

Die Leitung ist durchschnittlich einen Meter tief überdeckt und erreicht Höhen bis 1572 m. Besonders anspruchsvoll ist die Alpenquerung: Sie verläuft unter dem Felbertauern durch einen 7,3 Kilometer langen Stollen, weiter südlich durch den 6,9 Kilometer langen Plöcken-Stollen und nördlich des Felbertauern durch den 6,8 Kilometer langen Hahnenkamm-Stollen bei Kitzbühel.

Die geschweißten Stahlrohre erhielten zum Korrosionsschutz, also zum Schutz vor chemischer Zerstörung des Metalls, eine Umhüllung aus Bitumen(jute)matten. Diese wurden mit weißem Kalk bestrichen. Der Belag schützt bei Lagerung und Transport vor einer Erweichung durch Sonneneinstrahlung, verhindert das Zusammenkleben von Rohren oder Anschlagmitteln und wirkt korrosionsreduzierend: Calciumcarbonat neutralisiert Huminsäuren.

Drei Kontrollzentren überwachen die TAL: in Triest, in Kienburg bei Matrei in Osttirol und in Lenting. Zuständig sind in Italien die „Società Italiana per l’Oleodotto Transalpino S.p.A.“, in Österreich die „Transalpine Ölleitung in Österreich Ges.m.b.H“ und in Deutschland die „Deutsche Transalpine Oelleitung GmbH“.

Zehn Pumpstationen zwischen Triest und Karlsruhe treiben das Rohöl durch die Leitung. Zur Zwischenlagerung dienen Tanklager in San Dorligo della Valle mit 2.000.000 Kubikmeter Kapazität und in Lenting mit 318.000 Kubikmeter Kapazität. Entlang der Strecke gibt es außerdem Schieberstationen zum Absperren oder Steuern der Leitung sowie Querungen unter oder über Gewässern, beispielsweise Inn, Donau, Neckar, Isarkanal und Tagliamento.

Energierückgewinnung und Anschlüsse

Seit Herbst 2018 ist im Abschnitt Felbertauern–Mittersill das weltweit erste Öl-Pipeline-Kraftwerk in Betrieb. Es funktioniert analog einem Trinkwasserkraftwerk, verwendet aber Rohöl. Der Gefälledruck wird genutzt, um jährlich 11,5 GWh elektrische Energie zurückzugewinnen. Dies entspricht 12 % des Pumpaufwandes der TAL in Österreich. Die Anlage wurde in einer dichten Wanne errichtet und zum Schutz vor Naturgefahren größtenteils eingeschüttet. Bauzeit und Kosten betrugen drei Jahre beziehungsweise 11 Millionen Euro.

Bei Würmlach in Kärnten zweigt die Adria-Wien Pipeline (AWP) der OMV zur Raffinerie Schwechat ab. An der Pumpstation Steinhöring besteht ein weiterer OMV-Abzweig zur Raffinerie Burghausen. In Lenting ist die TAL über Kralupy mit Litvínov in Tschechien verbunden.

Über die TAL werden Bayernoil in Vohburg an der Donau und Neustadt an der Donau, Gunvor in Ingolstadt, MiRO in Karlsruhe, OMV in Burghausen und Schwechat sowie Unipetrol in Kralupy und Litvinov versorgt. MiRO ist zusätzlich an die Südeuropäische Pipeline angeschlossen, Litvinov an die Erdölleitung Freundschaft. Seit der Schließung der Central European Line (CEL) 1997 liefert die TAL das gesamte Rohöl für die Erdölraffinerien in Bayern und das bayerische Chemiedreieck. Österreich beziehungsweise die OMV werden zu 95 % über die TAL versorgt; 5 % entfallen auf Förderung in Österreich oder der OMV.

Transportmenge und Eigentumsanteile

Von Betriebsbeginn 1967 bis 2019 transportierte die TAL 1,5 Milliarden Tonnen Rohöl. Im Jahr 2018 betrug die Transportmenge 41,6 Millionen Tonnen.

Die Anteile der Gesellschafter betrugen zum 31. Dezember 2021: OMV Deutschland 32,26 %, Shell Deutschland 19,00 %, Rosneft Deutschland 11,00 %, C-Blue B.V. 10,00 %, Eni Deutschland (Agip) 10,00 %, ExxonMobil Central Europe 07,74 %, Mero 05,00 %, JET Tankstellen Deutschland 03,00 % und TotalEnergies Marketing Deutschland 02,00 %.

Die Zusammensetzung änderte sich mehrfach: 2007 verkaufte ExxonMobil die Raffinerie Ingolstadt an Petroplus; 10 % des TAL-Anteils gingen an Petroplus, 6 % verblieben bei ExxonMobil. Nach der Insolvenz von Petroplus 2012 übernahm Gunvor Raffinerie und 10-%-Anteil; die Beteiligung wurde später konzernintern an C-Blue B.V. weitergegeben. Mero übernahm am 21. Dezember 2012 einen Anteil von 5 % von Shell. Nach einer Neuordnung der Raffineriebeteiligungen von BP und Rosneft wurde Ruhr Oel aufgelöst; ihre TAL-Beteiligung ging nach Zustimmung der Kartellbehörden zum 1. Januar 2017 auf Rosneft über.

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