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Tell Schech Hamad
brennt das Rote Haus jedoch nieder und Tell Sheikh Hamad scheint eine Phase der Deurbanisierung zu erleben. Es finden sich nur noch einzelne Siedlungen in …
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Was Tell Schech Hamad ist
Tell Schech Hamad, auch Tell Sheikh Hamad genannt, ist ein Siedlungshügel im nordöstlichen Gouvernement al-Hasaka in Syrien. In den verschiedenen Epochen trug der Ort unterschiedliche Namen: assyrisch Dūr-Katlimmu, aramäisch Magdalu und lateinisch Magdala.
Die Siedlung lag in Nordmesopotamien, in der Dschazīra, auf einer Kalksteinterrasse am Ostufer des unteren Chabur. Der Fluss mündet etwa 60 Kilometer südlich in den Euphrat; Tell Schech Hamad liegt 65 Kilometer nordnordöstlich von Deir el-Sor. Direkt am Fundort liegt die Streusiedlung Gharibe, während sich das moderne Dorf Schech Hamad 5 Kilometer weiter nördlich befindet.
Die Lage am Chabur war für die Entwicklung der Stadt entscheidend. Der jährliche Niederschlag beträgt nur 250 Millimeter und reicht damals wie heute nicht für Regenfeldbau aus. Das etwa 1 Kilometer breite Flusstal besitzt jedoch äußerst fruchtbare alluviale Böden, auf denen Bewässerungsfeldbau möglich war. Die Bewohner nutzten diese Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion.
Archäologisch wird die Stadt in vier Hauptbereiche gegliedert: die Zitadelle auf dem Tell, die östlich und südlich anschließende Unterstadt I, die nordöstlich vorgelagerte Unterstadt II sowie Vorstädte nördlich und östlich außerhalb der Stadtmauern. In der frühesten chalkolithischen und der spätesten hellenistisch-parthischen Besiedlung blieb die Siedlung auf den Tell beschränkt. Während der mittel- und neuassyrischen Zeit wuchs sie dagegen zu einem wichtigen Mittelpunkt der assyrischen Westexpansion mit einer Fläche von bis zu 100 Hektar an.
Archäologische Erforschung und Erhaltung
Die erste Forschung begann 1879 unter der Leitung von Hormuzd Rassam, nachdem lokale Bewohner bei Grabarbeiten eine Stele des assyrischen Königs Adad-nīrārī III. gefunden hatten. 1911 besuchte Max von Oppenheim den Siedlungshügel; 1934 untersuchte Max Mallowan den Ort im Rahmen eines Surveys.
Eine systematische Flächenerkundung erfolgte 1975 und 1977 durch ein Forschungsprojekt der Universität Tübingen zur Erstellung des TAVO. Dabei wurden mittelassyrische Keilschrifttafeln entdeckt. Dies führte 1978 zum Beginn der Ausgrabungen unter der Leitung von Hartmut Kühne. Bis 2010 fanden 32 Grabungskampagnen statt. Wegen des Syrischen Bürgerkrieges wurden danach keine weiteren Grabungen durchgeführt.
Die Fundstelle umfasst ungefähr 100 Hektar, doch nur kleine Areale wurden ausgegraben. Untersuchungen fanden auf der Zitadelle, in der Mittleren Unterstadt II und in der Nordostecke der Unterstadt II statt. Die Zitadelle liegt auf dem Tell; Unterstadt I und Unterstadt II sind zwei voneinander abgegrenzte, ummauerte Areale am Fuß des Tells. Als Vorstadt werden die Siedlungen außerhalb dieser Stadtmauern bezeichnet. In Unterstadt I und in den Vorstädten wurde bisher nicht gegraben.
Von 2008 bis 2010 standen vor allem restauratorische Arbeiten im Mittelpunkt. Sie sollten den Fundort erhalten und für den Tourismus zugänglich machen. Luftbilder vom März 2011 zeigten umfangreiche illegale Raubgrabungen; der genaue Zeitpunkt ihrer Durchführung ist unklar. Bereits 1999 soll das deutsche Grabungsteam der syrischen Altertumsbehörde Spuren von Raubgrabungen gemeldet haben. Ein weiteres Fragment der 1879 entdeckten Stele von Adad-nīrārī III. wurde 2014 von der Londoner Polizei beschlagnahmt. Die Provenienzangaben waren fragwürdig; eine nachvollziehbare Herkunftsgeschichte lässt sich erst seit 2000 verfolgen, obwohl das Fragment angeblich bereits in den 1960er Jahren in einer privaten Schweizer Sammlung gewesen sein soll.
Frühe Besiedlung und mittelassyrische Stadt
Die ältesten Siedlungsreste stammen aus dem 4. und 3. Jahrtausend v. Chr. und konzentrieren sich auf die Zitadelle. Sie sind nicht durch reguläre Ausgrabungen dokumentiert, sondern nur durch Keramik aus Oberflächenbegehungen und durch das Profil eines modernen Wassergrabens bekannt. Diese Funde belegen eine Besiedlung in der späten Uruk-Zeit und der Niniveh-5 Zeit.
In der mittleren Bronzezeit dehnte sich die Besiedlung auf die Unterstadt I aus. Auch diese Phase ist nicht durch erhaltene Architektur nachgewiesen, sondern durch Schichten im Profil des modernen Wasserkanals.
Ausführlicher bekannt ist die Zeit des Mittelassyrischen Reiches vom 13. bis zum 10. Jahrhundert v. Chr. Damals waren die Zitadelle und die Unterstadt I besiedelt; die Stadt umfasste ungefähr 25 Hektar. Auf der Zitadelle wurde mittelassyrische Architektur freigelegt. Das sogenannte Gebäude P war ein mehrräumiger Komplex, der als Archiv und Speichergebäude diente.
Die Keilschrifttafeln aus diesem Archiv weisen darauf hin, dass Tell Sheikh Hamad vermutlich unter Adad-nirari I. auf den Ruinen einer älteren Stadt als westliche Provinzstadt gegründet wurde. In den Quellen erscheint der Name Dūr-Katlimmu, der möglicherweise aus dem altbabylonischen Namen Dur-Igitlim hervorgegangen ist. Die Stadt wurde Provinzzentrum und Sitz eines Statthalters. Sie war Teil der Urbanisierungsstrategie der assyrischen Könige.
Von diesem Zentrum aus wurde die umliegende Siedlungskammer langfristig umgestaltet. Ziel waren die imperiale Kontrolle des Gebietes und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion. Tell Schech Hamad zeigt damit, wie die assyrische Herrschaft Verwaltungszentren, Siedlungswachstum und Landwirtschaft miteinander verband.
Größte Ausdehnung und Ende des Assyrerreiches
In der neuassyrischen Zeit vom 10. bis zum 7. Jahrhundert v. Chr. wuchs das Stadtgebiet stark. Unterstadt II und die Vorstadt kamen hinzu; Teile der Siedlung wurden von einer Stadtmauer umgeben. Mit ungefähr 100 Hektar erreichte Tell Sheikh Hamad seine größte Ausdehnung.
Ab dem 7. Jahrhundert v. Chr. ist in den Schriftquellen eine zunehmende aramäische Bevölkerung erkennbar. Sie bezeichnete den Ort als Magdalu, ein Name, der „Turm“ oder „Festung“ bedeutet. Neuassyrische Bauten auf der Zitadelle sind nur durch einen Stufenschnitt bekannt und wurden nicht eingehend untersucht. In Unterstadt II wurden dagegen Elitenresidenzen und Teile der Stadtmauer ausgegraben. In der Mittleren Unterstadt II lagen vier direkt aneinandergebaute Herrschaftshäuser aus dem 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. In der Nordostecke der Unterstadt II befanden sich die Gebäude F und W, zwei beinahe palastartige Residenzen an der nordöstlichen Ecke der Stadtmauer.
Das Neuassyrische Reich endete 609 v. Chr. mit der Niederlage gegen babylonische und medische Eliten. Während viele assyrische Städte danach in Trümmern lagen, blieb Tell Sheikh Hamad zunächst bewohnt. Davon zeugt das Rote Haus, eine große palastartige Elitenresidenz in der Mittleren Unterstadt II. Keilschrifttexte datieren seine Nutzung ungefähr von 630 bis 600 v. Chr. Sie zeigen, dass assyrische Eliten auch nach dem Ende des Reiches politische und wirtschaftliche Macht am Ort besaßen.
Zu Beginn des 6. Jahrhunderts v. Chr. brannte das Rote Haus nieder. Danach setzte offenbar eine Deurbanisierung ein: In den Ruinen der Mittleren Unterstadt II und vermutlich auf der Zitadelle bestanden nur noch einzelne Siedlungen.
Siedlung in hellenistischer und römisch-parthischer Zeit
Nach der Deurbanisierung verlor Tell Sheikh Hamad zunächst an Bedeutung. Erst in der seleukidischen Zeit, vom 3. bis zum 2. Jahrhundert v. Chr., lassen sich wieder Siedlungsspuren feststellen. Auf der Zitadelle wurde in einem Stufenschnitt ein bislang nicht näher untersuchtes Gebäude entdeckt. Die Keramik datiert es in die seleukidische Zeit; vermutlich handelte es sich um einen Verwaltungsbau.
Ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. lag der Ort in einem Grenzgebiet zwischen dem Römischen und dem Partherreich. Weil eine genaue Datierung anhand der archäologischen Funde nicht möglich ist, wird diese Phase als römisch-parthische Zeit bezeichnet. In römischen Quellen heißt die Stadt Magdala. Daher wird eine gewisse Kontinuität zu der postimperialen Zeit angenommen, in der der aramäische Name Magdalu verwendet wurde.
Auf der Zitadelle scheint es nun vor allem Wohnhäuser gegeben zu haben, die jedoch nicht ausführlich untersucht sind. Auch in der Unterstadt I bestand eine Siedlung, die durch den Schnitt des modernen Wasserkanals nachgewiesen ist, aber nicht weiter erforscht wurde.
Am besten untersucht ist der römisch-parthische Friedhof in der Mittleren Unterstadt II. Er umfasste ungefähr 600 Bestattungen. Die Gräber waren als Erdgräber, Lehmziegelgräber, Topfgräber oder Sarkophage angelegt. Die meisten Grabbeigaben, darunter Silberschmuck und Goldohrringe, stammen aus der mittelparthischen Zeit, ungefähr 70 v. Chr. bis 70 n. Chr. Danach gab es bis zur Aufgabe des Gräberfeldes im 3. Jahrhundert kaum noch Grabbeigaben.
Spätantike und endgültige Aufgabe
In der Spätantike lag Tell Sheikh Hamad im Grenzland zwischen dem Sassanidischen und dem Byzantinischen Reich. Einige byzantinische Münzen, die um das Jahr 400 geprägt wurden und überwiegend aus Grabkontexten stammen, belegen eine Nutzung des Fundortes.
Die Besiedlung könnte mit einer Handelsverbindung zwischen den beiden Reichen zusammengehangen haben. Genauere Angaben zur Organisation oder Größe dieser spätantiken Nutzung sind nicht bekannt. Sie gilt als die bisher letzte nachgewiesene Nutzung des Ortes. Anschließend scheint Tell Sheikh Hamad endgültig verlassen worden zu sein.