Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Tütelsches Kreuz

Das Tütelsche Kreuz und seine nähere Umgebung wird in dem berühmtesten Werk der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff in der Novelle Die Judenbuche erwähnt.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bauwerk und Bedeutung
  2. 2. Die Brüder Tütel und die Inschrift
  3. 3. Das Kreuz als Schauplatz in der Judenbuche
  4. 4. Bezug zu Annette von Droste-Hülshoff

Bauwerk und Bedeutung

Das Tütelsche Kreuz ist ein barockes Epitaphkreuz aus dem Jahr 1732. Ein Epitaph ist ein Erinnerungs- oder Gedenkmal für Verstorbene. Das denkmalgeschützte Kreuz steht auf dem ehemaligen Kapitelsfriedhof an der Ostseite der Stiftskirche St. Saturnina des früheren Stifts Heerse in Neuenheerse, an der Ostwand der St. Lambertikapelle.

Der frühere Kapitelsfriedhof war ausschließlich Mitgliedern des adeligen Damenstifts als Begräbnisstätte vorbehalten. Johannes Tütel, Kanonikus und „pastor secundus“ (zweiter Pastor) des Stifts Heerse, ließ das Kreuzepitaph 1732 für sich und seinen Bruder errichten.

Die Brüder Tütel und die Inschrift

Johannes Tütel war von 1718 bis zu seinem Tod Kanonikus und zweiter Pastor in Heerse. Sein Bruder Leonard Tütel war von 1725 bis 1726 Pfarrer in Ossendorf und starb 1726. Die Sockelinschrift bittet Jesus um ein Leben und Sterben in seiner Gnade sowie um das ewige Leben für die armen Seelen im Fegefeuer. Außerdem erinnert sie an die Brüder und nennt ihre Ämter und Todesdaten.

Die Inschrift bezeichnet Johannes Leonard Tütel als Pastor in Ossendorf und nennt den 4. März 1726 als Todestag. Für Johannes Gottfried Tütel wird der 19. Juli 1732 angegeben. Johannes Tütel wird als Kanonikus und Pastor dieser Kirche sowie als Errichter und Stifter des Epitaphs bezeichnet. Beim Todesjahr Johannes Tütels enthält der Artikel widersprüchliche Angaben: Im Beschreibungstext steht der 26. März 1737, die Inschrift wird mit dem 26. März 1732 wiedergegeben; beide Angaben nennen ein Alter von 50 Jahren.

Das Kreuz als Schauplatz in der Judenbuche

Das Tütelsche Kreuz und seine historisch erhaltene Umgebung sind der einzige eindeutig lokalisierbare Ort in Annette von Droste-Hülshoffs Novelle Die Judenbuche. In der Novelle verstecken sich Figuren bei Heerse hinter dem „großen Kreuz am Kirchhofe“, bis es heller wird. Sie fürchten die Steinbrüche am Zellerfelde und laufen bei Tagesanbruch weiter in Richtung P.

Damit verbindet das Kreuz einen real erhaltenen Ort mit einem Schauplatz des literarischen Werks. Auch der Kirchturm von St. Saturnina gehört zu dieser Blick- und Ortsbeziehung.

Bezug zu Annette von Droste-Hülshoff

Für den 19. September 1805 ist ein Ausflug der damals achtjährigen Annette von Droste-Hülshoff nach Neuenheerse belegt. Außerdem hielt sie sich von Ende September bis Mitte Dezember 1819, im Alter von 22 Jahren, längere Zeit dort auf. Wegen ihrer Verwandtschaft im Gebiet des früheren Hochstifts Paderborn wird angenommen, dass sie Neuenheerse auch bei weiteren Besuchen aufsuchte.

Ihre Großtante Felicitas von Westphalen zu Heidelbeck lebte in der Asseburger Familienpräbende. Droste besuchte sie während des längeren Aufenthalts von 1819 und berichtete ihrer Mutter ausführlich darüber. Felicitas war 1800 als letzte katholische Stiftsdame aufgenommen worden und starb 1832; die ebenfalls dort lebende Stiftsdame Theresia von Hornstein starb 1833. Beide wurden in der Nähe des Tütelschen Kreuzes auf dem Kapitelsfriedhof bestattet.

Weitere verwandtschaftliche Bezüge bestanden durch Maria Theresia Louise von Westphalen zu Heidelbeck, die Urgroßmutter der Dichterin, sowie durch die Stiftsdamen Dorothea und Sophia Theresia von Haxthausen zu Abbenburg. Die erhaltene Asseburger Kurie von 1777 lag in unmittelbarer Blickachse zum Kreuz und zum Kirchturm. Das historische Ensemble ist bis auf unwesentliche Veränderungen erhalten und wurde dadurch zu einem wichtigen realen Bezugspunkt für Droste-Hülshoffs briefliches und literarisches Werk.

Weiterlesen