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Sumerische Literatur

Als Sumerische Literatur bezeichnet man die aus Babylonien stammende Literatur in sumerischer Sprache. Sie gilt nach aktuellem Kenntnisstand als älteste …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Bedeutung und Merkmale
  2. 2. Überlieferung und Sprachen
  3. 3. Gattungen und Inhalte
  4. 4. Historische Entwicklung
  5. 5. Typische Werke und Textbeispiele

Begriff, Bedeutung und Merkmale

Als sumerische Literatur bezeichnet man die aus Babylonien stammende Literatur in sumerischer Sprache. Nach heutigem Kenntnisstand gilt sie als älteste Literatur der Welt.

Abgesehen von der sumerischen Sprache gibt es kein Merkmal, das allen Texten gemeinsam ist. Viele Werke stehen der mündlichen Überlieferung nahe: Sie sind eher kurz, enthalten liedartige Wiederholungen, nennen keinen Autor und konnten bei der Weitergabe frei verändert werden. Andere Texte, besonders literarische Briefe, gehören ausdrücklich zu einer schriftlichen Tradition.

Häufig beginnen Werke mit einer mythischen Einleitung über die Urzeit, beispielsweise über die Entstehung der Welt oder der Menschen. Eine solche Einleitung ist jedoch nicht zwingend. Sumerische Epen unterscheiden sich von Homers Ilias und anderen Epen durch ihr sehr geringes Interesse an Kampfszenen. Ob einzelne Epen und Streitgespräche szenisch vor Publikum aufgeführt wurden, ist umstritten; eindeutige Regieanweisungen gibt es nicht.

Überlieferung und Sprachen

Die Texte sind in Keilschrift auf Tontafeln überliefert. Der größte Teil der erhaltenen Tafeln besteht aus Abschriften der altbabylonischen Zeit. Damals war Sumerisch im Alltag bereits durch das semitische Akkadisch verdrängt worden. In den Schreiberschulen wurde Sumerisch aber weiterhin gelehrt, weshalb zahlreiche Schulabschriften entstanden.

Nur wenige Exemplare stammen aus älteren Epochen: aus der Akkadzeit, der Zeit der 2. Dynastie von Lagasch und der 3. Dynastie von Ur. Ein kleiner Teil der Literatur wurde noch bis zum Ende des 1. Jahrtausends v. Chr. weitergegeben. Einige Tafeln aus der Zeit nach Alexander übertragen sumerische Texte sogar in griechische Buchstaben.

Außerdem existieren akkadische Übersetzungen. Meist steht die Übersetzung Zeile für Zeile neben dem sumerischen Text auf derselben Tafel. Eigenständige Übersetzungen sind selten; ein wichtiges Beispiel ist die 12. Tafel des Gilgamesch-Epos.

Gattungen und Inhalte

Die sumerische Literatur umfasst zahlreiche Gattungen:

• Hymnen gehören zu ihren ältesten Formen und wurden bis ins 1. Jahrtausend v. Chr. überliefert. Sie preisen Götter, Könige, Tempel oder Städte. Klagehymnen bilden eine besondere Gruppe. Klagen über zerstörte Städte verarbeiten negative historische Ereignisse. Rituelle Klagehymnen wurden von Kultpriestern mit Musik im sumerischen Dialekt Emesal vorgetragen. Emesal wurde sonst vor allem für die wörtliche Rede von Frauen verwendet. Auch Städteklagen stehen teilweise in diesem Dialekt, besonders wenn eine Göttin als Sprecherin auftritt.

• Mythen erzählen vom Leben der Gottheiten, ihren Abenteuern und gegenseitigen Besuchen. Besonders häufig treten die Kriegs- und Liebesgöttin Inanna und der Gott Enki auf. Enki erscheint sowohl als Trunkenbold und Lüstling als auch als kluger, hilfreicher Gott. Manchmal handeln die Geschichten zusätzlich von Menschen.

• Epen behandeln Heroen vergangener Zeiten, meist teilweise mythische Könige der 1. Dynastie von Uruk.

• Schultexte und Streitgespräche dienten dem Erlernen des Sumerischen und möglicherweise als Übungen in Rhetorik, also in wirkungsvoller Rede. Satirische Schultexte beschreiben den Schulalltag. In Streitgesprächen treten personifizierte Gegensätze wie Sommer und Winter, Hacke und Pflug oder Vogel und Fisch gegeneinander an. Am Ende bestimmt eine Gottheit den Sieger.

• Fabeln lassen hauptsächlich Tiere handeln. Liebeslieder erzählen meist von der Liebe zwischen Inanna und dem Hirten Dumuzi.

• Weitere Formen sind Texte mit historischem Hintergrund, Rätsel, Beschwörungen und Sprichwortsammlungen.

• Literarische Briefe sind Schreiben von oder an historisch belegte Könige, selten auch an eine Gottheit. Sie wurden in Schreiberschulen kopiert. Einige sind sicher erfunden, andere könnten auf echten Briefen beruhen. Besondere Beachtung fand die Korrespondenz der Könige von Ur aus der 3. Dynastie.

Historische Entwicklung

Die ältesten bekannten Texte der Menschheit stammen aus den Schichten IV und III von Uruk. Sie erfassen Verwaltungsvorgänge, etwa die Summation von Gütern, bilden aber noch keine Sätze einer Sprache und gelten daher nicht als verschriftlichte Literatur. Ob die sogenannte Tribute List bereits ein literarischer Text ist, bleibt ungeklärt. Die Jahrhunderte jüngere Inschrift auf der sogenannten Figure aux plumes wurde zunächst als Rechtsurkunde oder Kaufvertrag angesehen, obwohl ihr Text nicht verstanden wurde. Einige Sumerologen deuten sie inzwischen als Hymne an den Gott Ningirsu.

Die ersten sicher literarischen Werke wurden in Fāra und Tell Abū ṢalābĪḫ gefunden und stammen ungefähr aus der Zeit um 2600 v. Chr. Dazu gehören Beschwörungen, Hymnen, Sprichwortsammlungen, Weisheitsliteratur und mindestens ein Auszug aus einem später nicht mehr überlieferten Epos über Lugalbanda. Diese Texte sind nur teilweise verständlich: Sprache und Schriftsystem unterscheiden sich vom jüngeren Sumerischen, grammatische Elemente wurden teilweise noch nicht notiert und die Zeichen konnten in unterschiedlicher Reihenfolge stehen. Viele Werke verwendeten außerdem ein zweites orthografisches System, das bis heute nicht vollständig entziffert ist.

Aus der jüngeren frühdynastischen Zeit, der Akkadzeit, der Zeit der 2. Dynastie von Lagasch und der 3. Dynastie von Ur bis 2003 v. Chr. wurden vergleichsweise wenige literarische Tafeln gefunden. Viele erst durch altbabylonische Abschriften bekannte Werke, darunter Hymnen auf die Könige von Ur, entstanden jedoch sicher schon in diesen Epochen. En-hedu-anna, die um 2200 v. Chr. in Ur lebte, ist der erste Mensch der Geschichte, der sich selbst als Autor beziehungsweise Autorin eines literarischen Werkes nennt. Die übrige sumerische Literatur ist anonym.

In altbabylonischer Zeit wurde im Alltag Akkadisch gesprochen, doch aus dieser Epoche stammt die umfangreichste schriftliche Überlieferung sumerischer Werke. Zahlreiche Gattungen sind nun nachweisbar. Für viele Werke endet die Überlieferung allerdings mit dieser Zeit; vor allem Klagehymnen und Beschwörungen wurden noch lange weitergegeben. Gleichzeitig schrieb man immer häufiger akkadische Literatur auf. Auch der ursprünglich sumerische Gilgamesch-Stoff wurde in akkadischer Sprache neu gestaltet.

Typische Werke und Textbeispiele

Der „Rat des Schuruppak“ gehört zu den ältesten Texten. Ein Vater gibt seinem Sohn praktische Lebensregeln, beispielsweise: „Lege dein Feld nicht neben eine Straße“. Die altbabylonische Fassung entstand etwa 800 Jahre später. Ihr Anfang wurde durch eine ausführliche Einleitung über „jene fernen Tage“ erweitert; Schuruppak erscheint darin als Sohn des Ubartutu und Ziusudra als sein Sohn. Das Beispiel zeigt, wie Texte bei ihrer Weitergabe verändert und ergänzt werden konnten.

Ein Liebeslied schildert eine Begegnung zwischen der jungen Inanna und Dumuzi. Dumuzi schlägt Inanna eine Ausrede gegenüber ihrer Mutter vor und bittet sie anschließend um ein Liebestreffen im Mondlicht. Das Beispiel veranschaulicht die Liebeslieder über Inanna und den Hirten Dumuzi.

Zu den zeitlich eingeordneten Werken zählen „Hymnus Inanna B“ aus der altakkadischen Zeit, etwa 2350–2154 v. Chr., und „Die Bauhymne des Gudea“ aus der Lagasch-II-Zeit im 22. Jahrhundert. „Dumuzis Traum“ sowie „Gilgamesch, Enkidu und die Unterwelt“ entstanden spätestens am Anfang der Isin-Zeit, 2017–1794 v. Chr. Der „Rat des Šuruppak“ ist zwischen der Fara-Zeit im 27./26. Jahrhundert v. Chr. und der mittelassyrischen Zeit im 11. Jahrhundert v. Chr. belegt.

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