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Sudetendeutscher Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Gegen die nationalsozialistische Herrschaft gab es auch einen Sudetendeutschen Widerstand. Inhaltsverzeichnis. 1 Geschichte; 2 Widerstandsgruppen …
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Überblick und Bedeutung
Der sudetendeutsche Widerstand umfasste den Kampf deutscher Bewohner des Sudetenlandes gegen die nationalsozialistische Herrschaft. Er reichte von politischer Untergrundarbeit und Fluchthilfe über Sabotage bis zum bewaffneten Partisanenkampf. Seine Geschichte ist bedeutsam, weil Sudetendeutsche lange häufig pauschal als „Fünfte Kolonne Hitlers“ wahrgenommen wurden, obwohl zahlreiche sudetendeutsche Antifaschisten verfolgt wurden, flohen oder aktiv Widerstand leisteten.
Flucht und Verfolgung
Nach Angaben des Autors Leopold Grünwald flohen nach der Eingliederung des Sudetenlandes in das Deutsche Reich Zehntausende deutsche Antifaschisten in das Landesinnere Böhmens und Mährens, um von dort aus weiter Widerstand zu leisten. Die tschechischen Behörden schickten jedoch die meisten zurück, wodurch sie der nationalsozialistischen Verfolgung ausgeliefert wurden. Rund 7.000 sudetendeutschen Antifaschisten gelang die Emigration, vor allem nach Großbritannien und Schweden; viele wurden staatenlos.
Im Oktober 1938 wurden etwa 10.000 der im Land gebliebenen sudetendeutschen Antifaschisten in Gefängnisse und Konzentrationslager eingeliefert. Bis zum Ende des Jahres stieg ihre Zahl auf ungefähr 20.000. Die meisten waren Mitglieder der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KPTsch) oder der freien Gewerkschaften. Auch der nicht nationalsozialistisch ausgerichtete Flügel der Sudetendeutschen Partei (SdP) wurde ausgeschaltet und verfolgt.
Organisation und Kampf
Grünwald zufolge bestanden etwa 185 Widerstandsgruppen. In den sudetendeutschen Ballungszentren bildeten sie ein dichtes Netz örtlicher Gruppen. Im Bezirk Karlsbad arbeitete die Gruppe „Meerwald“ mit 15 bis 20 Ortszellen. Auch in den Bezirken Tetschen-Bodenbach und Teplitz-Schönau waren weit verzweigte Gruppen unter verschiedenen Tarnnamen tätig.
Als größte und erfolgreichste Organisation gilt die Gruppe „Waltro“ in Nordböhmen. Sie unterstützte zahlreiche geflohene sowjetische Kriegsgefangene und führte Sabotageakte gegen Rüstungsbetriebe und Bahnlinien aus. Sudetendeutsche Antifaschisten beteiligten sich außerdem, teilweise gemeinsam mit Sowjetbürgern, am bewaffneten Kampf. Im Isergebirge nahm der Widerstand ein solches Ausmaß an, dass die Wehrmacht 1944 eine Sondereinheit zur Partisanenbekämpfung entsandte. Von Anfang 1944 bis Mai 1945 erreichten die Kämpfe ihren Höhepunkt. Auch innerhalb der deutschen Minderheit in der Slowakei bestand erheblicher Widerstand.
Anerkennung und Forschung
Am 24. August 2005 würdigte die tschechische Regierung die sudetendeutschen Widerstandskämpfer und die vom NS-Regime Verfolgten. Sie bedauerte, dass diese Menschen nach dem Krieg nicht die verdiente Anerkennung erhielten. Stattdessen waren sie trotz der damals geltenden Rechtslage teilweise von Maßnahmen betroffen, die sich in der Nachkriegs-Tschechoslowakei gegen die sogenannte feindliche Bevölkerung richteten. Bei den dadurch geschädigten aktiven Gegnern des Nationalsozialismus entschuldigte sich die Regierung.
Seit 2006 führen das Institut für Zeitgeschichte der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, das Museum der Stadt Ústí nad Labem und das Nationalarchiv in Prag im Regierungsauftrag ein Forschungsprogramm durch. Es soll die verbreitete Vorstellung widerlegen, alle Sudetendeutschen seien der „Heim-ins-Reich“-Propaganda gefolgt. Das Projekt erforscht die Lebensgeschichten ehemaliger tschechoslowakischer Bürger, die Gegner des Nationalsozialismus waren, sowie ihren Beitrag zum Kampf für die europäische Demokratie, und macht die Ergebnisse öffentlich zugänglich. Grünwald spricht von mehreren Tausend Opfern, die hingerichtet oder in Konzentrationslagern inhaftiert wurden.