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Sibylle Reinfried

Sibylle Reinfried (* 1955) ist eine Schweizer Geowissenschaftlerin und emeritierte Professorin für Geographiedidaktik.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Forschung und didaktische Konzepte
  4. 4. Nachhaltige Entwicklung und Fachpolitik
  5. 5. Funktionen und Ehrungen
  6. 6. Ausgewählte Veröffentlichungen

Einordnung

Sibylle Reinfried (* 1955) ist eine Schweizer Geowissenschaftlerin und emeritierte Professorin für Geographiedidaktik. Geographiedidaktik beschäftigt sich damit, wie geographische Inhalte im Unterricht gelernt und gelehrt werden. Reinfried ist vor allem wichtig, weil sie die Forschung zu Schülervorstellungen in der deutschsprachigen Geographiedidaktik mitgeprägt hat. Ihre Arbeiten verbinden geowissenschaftliche Fachinhalte mit Fragen des Lernens und der Unterrichtsentwicklung.

Ausbildung und beruflicher Weg

Reinfried studierte Geologie, Paläontologie, Mineralogie, Petrographie, Physik und Chemie an der Universität Heidelberg und wurde dort 1984 promoviert. Danach studierte sie Geographie an der Universität Zürich und erwarb dort auch das Diplom für das Höhere Lehramt.

1990 wurde sie Oberassistentin am Geographischen Institut der Eidgenössisch Technischen Hochschule Zürich (ETH). 1993 wurde sie Dozentin für Geographiedidaktik an der ETH und an der Universität Zürich. Von 1986 bis 2003 arbeitete sie zusätzlich als Geographielehrerin für die Sekundarstufen I und II.

2003 wurde sie Professorin für Geographie und Geographiedidaktik an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. 2006 übernahm sie eine Professur für Geographie und Geographiedidaktik an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz, die seit 2013/2014 PH Luzern heißt. 2018 wurde sie emeritiert. Außerdem war sie Visiting Professor an der Western Michigan University (2000) und am Macalester College in Minnesota (2002). 2018 gründete sie in Zürich die Beratungsfirma GeoEduc, deren Geschäftsführerin sie ist.

Forschung und didaktische Konzepte

Reinfrieds Forschungsschwerpunkte liegen in der fachdidaktischen Lehr-Lernforschung in den Geowissenschaften. Damit ist Forschung gemeint, die untersucht, wie Menschen fachliche Inhalte lernen und wie Unterricht dafür gestaltet werden kann.

Sie gilt als Wegbereiterin der Präkonzeptforschung in der deutschsprachigen Geographiedidaktik. Präkonzepte sind Vorstellungen, die Lernende schon vor dem Unterricht zu einem Thema haben; sie werden auch Alltagstheorien oder subjektive Theorien genannt. Reinfried machte in den 2000er Jahren dieses psychologische Konzept in der deutschsprachigen Geographiedidaktik bekannter. Dabei arbeitete sie aus einer konstruktivistischen Sichtweise des Lernens heraus: Lernen wird dabei als aktiver Aufbau von Wissen verstanden.

Wichtig in ihren Arbeiten sind außerdem der Prozess des Conceptual Change und der Ansatz der Didaktischen Rekonstruktion. Conceptual Change bedeutet, dass Lernende ihre bisherigen Vorstellungen verändern oder weiterentwickeln. Didaktische Rekonstruktion ist ein Ansatz, bei dem fachliche Inhalte und Lernvorstellungen so aufeinander bezogen werden, dass daraus geeigneter Unterricht entstehen kann.

Der Schwerpunkt ihrer Forschung liegt auf Schülervorstellungen zu physisch-geographischen Themen. Dazu gehören Treibhauseffekt und Klimawandel, Gletscher, Grundwasser und Wasserquellen. Zu diesen Themen entwickelte sie fachlich und lerntheoretisch begründete Lernangebote, um lernwirksamen Geographieunterricht anzustoßen.

Nachhaltige Entwicklung und Fachpolitik

Im Rahmen ihres fachpolitischen Engagements verfasste Reinfried 2007 zusammen mit Hartwig Haubrich und Yvonne Krautter, vormals Y. Schleicher, die Luzerner Erklärung über geographische Bildung für nachhaltige Entwicklung. Dies geschah anlässlich der UNESCO-Dekade für Bildung für nachhaltige Entwicklung 2005–2014.

Die Erklärung wurde 2007 beim IGU-CGE-Symposium in Luzern vom Vorsitzenden der Commission on Geographical Education der International Geographical Union, Lex Chalmers, unterzeichnet. 2008 wurde sie von der IGU-Plenarversammlung am IGU-Kongress in Tunis genehmigt. Die Luzerner Erklärung wurde in 14 Sprachen übersetzt.

Ein weiteres wichtiges Werk ist das Standardwerk der Geographiedidaktik „Geographie unterrichten lernen“. Reinfried gab es 2023 in aktualisierter und weiterentwickelter Neuauflage unter dem Titel „Unsere Erde – Geographie unterrichten lernen. Die Didaktik der Geographie“ heraus.

Funktionen und Ehrungen

Reinfried übernahm mehrere Funktionen in der Geographiedidaktik. Von 2003 bis 2012 war sie Mitglied des erweiterten Vorstands des deutschen Hochschulverbandes für Geographiedidaktik und dort Referentin für die Schweiz. Von 2004 bis 2012 war sie Mitglied des Steering Committees der International Geographical Union – Commission on Geographical Education (IGU CGE). Seit 2016 ist sie beratendes Mitglied dieser Kommission.

2008 war sie Mitbegründerin des Verbands Geographiedidaktik Schweiz VGD, vormals VFGg. Dort war sie von 2010 bis 2015 Vorstandsmitglied und von 2012 bis 2015 Ko-Präsidentin.

2010 erhielt sie zusammen mit den Hydrologen Simon Scherrer und Peter M. Kienzler von der Scherrer AG den Swiss Mountain Water Award des Kompetenznetzwerks Wasser im Berggebiet. Von 2020 bis 2023 vertrat sie die Geographiedidaktik in der Kommission Nachwuchsförderung der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz SCNAT. Seit 2022 ist sie Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat des Research Center for Climate Change Education for Sustainable Development ReCCE an der Pädagogischen Hochschule Freiburg im Breisgau.

Ausgewählte Veröffentlichungen

Zu Reinfrieds Herausgeberwerken gehören mehrere Publikationen zur geographischen Bildung und Geographiedidaktik. Dazu zählen „Geographical Views On Education For Sustainable Development“ von 2007, „Schülervorstellungen und geographisches Lernen“ von 2010, „Experience-based Geography Learning“ von 2012 und „Unsere Erde – Geographie unterrichten lernen. Die Didaktik der Geographie“ von 2023.

Ihre Beiträge in Fachzeitschriften behandeln zentrale Themen ihrer Forschung. 2009 veröffentlichte sie mit Christian Mathis und Ulrich Kattmann einen Beitrag zum Modell der Didaktischen Rekonstruktion. 2012 erschien mit Urs Aeschbacher und Benno Rottermann ein Artikel darüber, wie theoriegestützte Lernmaterialien das Verständnis des Treibhauseffekts verbessern können. Weitere Arbeiten befassen sich mit Wasserquellen und Gebirgshydrologie, mit Schülervorstellungen zum Treibhauseffekt und zur globalen Erwärmung sowie mit dem Modell der Educational Reconstruction in der physischen Geographie.

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