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Shared Information Space
Eine Wissensbasis zusammenhängender, relevanter Informationen eines Individuums oder einer Gruppe als „vernetzte“ Information (Daten und Metadaten im …
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Grundidee und Bedeutung
Der Shared Information Space (SIS), deutsch „Verteilter, virtueller Informationsraum“, ist ein informationstechnisches Konzept, das eine Arbeitsmethode mit IT-Werkzeugen verbindet. Sein Ziel ist ein organisationeller und persönlicher Informations- und Wissensvorsprung. Dazu werden Quellen und Informationen erschlossen, miteinander verknüpft, durch zeitgerechte Microservices und Web-Apps aufbereitet und für die aktuelle Informiertheit sowie für kooperative Entscheidungen genutzt.
Der Informationsvorsprung entsteht in einem Kreislauf: Die Beteiligten erhalten eine gemeinsame Sicht auf vorhandene Informationen. Neue Informationen, die durch ihre Verbindung und gegenseitige Ergänzung entstehen, werden sofort verbreitet. Eine Informationsmanagementmethode organisiert diesen Prozess dynamisch und steuert die Verwendung der Informationen.
Zu den wichtigsten Merkmalen gehören:
- Eine Wissensbasis aus zusammenhängenden, relevanten Informationen eines Individuums oder einer Gruppe. Diese „vernetzte“ Information umfasst Daten und Metadaten, also beschreibende Angaben zu den Daten, sowie ihre Beziehungen, ihren Kontext und ihre Semantik, das heißt ihre Bedeutung.
- Aktualität durch das Aktualisieren, Verbessern und begründete Fortschreiben von Informationen. So entsteht gegenseitige Informiertheit, auch Awareness genannt.
- Individuelle Aufbereitung und Darstellung sowie die Wiederverwendung vorhandener Inhalte.
- Kooperation zwischen mehreren Nutzern, Gruppen und Systemen. Workflows, also geregelte Arbeitsabläufe, werden dabei über Informationsflüsse unterstützt.
- Agilität durch Ad-hoc-Anpassungen und Apps auf einer Low-Code-Plattform, auf der Anwendungen mit wenig klassischer Programmierung erstellt werden können.
- Multidimensionalität durch unterschiedliche Semantiken und durch Modelle grundlegender Prinzipien.
Definition und technische Grundlagen
Bannon und Schmidt beschreiben einen gemeinsamen Informationsraum so: „Actors often cooperate at ‘arm’s length’, without direct communication and without necessarily knowing each other or knowing of each other, via a more or less shared information space, that is, a ‘space’ comprising data, personal beliefs, shared concepts, professional heuristics etc.“ Gemeint ist, dass Akteure auch ohne direkte Kommunikation und sogar ohne persönliche Kenntnis voneinander zusammenarbeiten können. Als gemeinsame Grundlage dient ein mehr oder weniger geteilter Raum aus Daten, persönlichen Überzeugungen, gemeinsamen Begriffen und professionellen Erfahrungsregeln.
Der SIS stammt aus dem interdisziplinären Forschungsgebiet Computer Supported Cooperative Work (CSCW). CSCW wird als „konkrete Lösung (soziotechnisches System) zur Unterstützung von Zusammenarbeit (Primäraufgabe) in einer bestimmten Gruppe verstanden, die ein gemeinsames Ziel anstrebt.“ Ein soziotechnisches System verbindet dabei technische Mittel mit Menschen, Arbeitsweisen und organisatorischen Regeln.
Eine moderne SIS-Realisierung soll an eine bestimmte Gruppe und deren Aufgabe angepasst sein. Sie führt verschiedene Informationsbereiche multidimensional zusammen und nutzt dafür vernetzte Informationen, beispielsweise Hypertext oder Graphentechnik. Ein Informationsnetz bildet nicht nur einzelne Inhalte, sondern auch ihre Beziehungen ab. So können Informationen aus verschiedenen Perspektiven geordnet, dargestellt und weiterverwendet werden.
Entwicklung und zivile Nutzung
Frühe technische Ansätze der CSCW-Idee waren Groupware-Produkte. Groupware bezeichnet Software, die die Zusammenarbeit einer Gruppe unterstützt. Solche Lösungen führten vor allem Unternehmensinformationen und Planungsdaten zusammen und präsentierten den Nutzern ein fest verbundenes Informationsbild. Beispiele sind ein Nextcloud-Portal mit Gruppenkalender und Kommunikationsfunktionen sowie ein Notes Portal mit Wissensdatenbanken.
Kooperation wurde innerhalb der jeweiligen Konfigurationsmöglichkeiten schrittweise als Zusatzfunktion ausgebaut. Damit entwickelten sich solche Systeme ansatzweise in Richtung CSCW. Für die besonderen SIS-Merkmale Informationsnetze und Ad-hoc-Anpassbarkeit sind jedoch noch keine weitverbreiteten Lösungen bekannt. Ein Grund ist, dass CSCW jeweils eine individuelle Lösung für eine bestimmte Aufgabe und Gruppe voraussetzt.
Microservices, also kleine, getrennte Dienste für einzelne Funktionen, und Web-Apps auf Low-Code-Plattformen ermöglichen dennoch entsprechende Umsetzungen. Kombinierte Bürokonzepte können außerdem im Zusammenhang mit der zunehmenden Unterstützung von Tele- und Heimarbeit an Bedeutung gewinnen.
Soziale Medien können technisch ebenfalls als Informationsnetze umgesetzt werden und bilden daher ein mögliches Gegenstück zum SIS. Der wesentliche Unterschied liegt nach Darstellung des Artikels in der Nutzung des erzeugten Mehrwerts: Marktübliche Anbieter verwerten verknüpfte Informationen zur Gewinnerzielung, während ein SIS seinen Nutzern die Vorteile unverfälscht und frei zur Verfügung stellen soll.
Militärische und soziale Anwendungen
Im militärischen Bereich gilt der SIS als organisatorische und technische Umsetzung des Paradigmas der „Vernetzten Operationsführung“ (NetOpFü). Diese kann nicht allein durch Technik erreicht werden. Vergleichbar mit dem Internet of Things sind zusätzlich Methoden und Verfahren nötig, um mit der Dynamik und dem Umfang der Informationen „smart“ umzugehen. Informationsmanagement wird damit auch zu einem Bestandteil der Führungskultur.
Der SIS darf nicht mit dem Cyber- und Informationsraum (CIR) verwechselt werden. Der CIR ist ein Organisationsbereich der Bundeswehr und deckt nur einen Teil der verteilten, vernetzten Informationsräume ab. Das Global Information Grid (GIG) konzentriert sich besonders auf technische Realisierungen. Nach dem Artikel berücksichtigt es die wesentlichen Gesichtspunkte der Führungskultur und des Informationsmanagements dagegen nicht ausreichend.
Grundsätzlich kann ein SIS auch als Grundlage für soziale Medien dienen. Freie oder kommerzielle Angebote dieser Art sind jedoch wenig verbreitet. Anbieter kostenloser Dienste verwenden laut Artikel auf der technischen Seite, also im Backend, vergleichbare Grundlagen für ihre Geschäftszwecke. Die Nutzer bezahlen dabei mit ihren Daten.
Verwandte Konzepte und Abgrenzung
Ein verwandter Ansatz war in den 90er Jahren das „Management Cockpit“. Es sollte Entscheidungsträgern relevante Informationen und Kennzahlen übersichtlich und aktuell auf einer Übersichtstafel beziehungsweise einem Bildschirm präsentieren. Neben statisch zusammengestellten Übersichten und Grafiken wurden zunehmend durch Hypertext verknüpfte Informationsquellen eingesetzt. Heutige „Lagezentren“ bei Netzbetreibern oder Sicherheitsfirmen gelten als Weiterentwicklung dieses Ansatzes.
Vom SIS sind mehrere ähnlich klingende Begriffe zu unterscheiden:
- Shared Space bezeichnet ein Raumkonzept für das städtische Leben. Es ähnelt einem SIS insofern, als viele unterschiedliche Objekte, Individuen und Prozesse gemeinsam präsent sind; es bezieht sich jedoch auf physikalische Objekte.
- Cyberspace ist ein allgemeiner Begriff für die Mittel des Internets und die dazugehörigen Umgangsformen und Kulturen. Der SIS richtet sich dagegen gezielt auf die Integration von Informationen und eine darauf beruhende Zusammenarbeit, die neue Informationen und erweitertes Wissen hervorbringen soll.
- Ein Informationsraum kann zunächst ein physischer Raum sein, in dem Betrachter informiert werden, beispielsweise in einem Museum. Bei IT-Systemen bezeichnet der Begriff den Informationsumfang, den ein bestimmtes System abdeckt und unterstützt. Ein SIS kann mehrere solche Teilräume integrieren. Seine Informationsmanagementmethode ordnet sie semantisch: Informationen anderer Systeme werden etwa über eine URL erreichbar, Systeme gehen weitgehend im SIS auf oder ihre Inhalte werden mit bereits bekannten Informationen zu einem Mehrwert verknüpft.
- Deep Space ist ein Begriff aus dem Bereich Kommunikation und ebenfalls vom Shared Information Space abzugrenzen.