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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Sebastian Bohrn Mena

Sebastian Bohrn Mena (* 21. März 1985 in Wien) ist ein österreichisch-chilenischer Stiftungsgründer und Publizist. Bild von Mann mit Mikrofon in der Hand, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person, Herkunft und Familie
  2. 2. Ausbildung und beruflicher Weg
  3. 3. Politisches und gesellschaftliches Engagement
  4. 4. Kontroversen um Kampagnen und Geschäftstätigkeit
  5. 5. Vorgehen gegen Hass im Netz und Kritik daran
  6. 6. Veröffentlichungen und Auszeichnungen

Person, Herkunft und Familie

Sebastian Bohrn Mena, geboren am 21. März 1985 in Wien, ist ein österreichisch-chilenischer Stiftungsgründer und Publizist. Er gehört zur zweiten Generation chilenischer Exilierter: Seine mütterliche Familie floh 1975 nach Österreich, nachdem sein Großvater Gregorio Mena Barrales, ein Unterstützer des chilenischen Präsidenten Salvador Allende, zwei Jahre im Wüstenlager Chacabuco interniert gewesen war.

Bohrn Mena ist mit der ehemaligen Gewerkschafterin und Autorin Veronika Bohrn Mena verheiratet. Das Paar hat zwei Söhne und eine Tochter und lebt im Waldviertel.

Ausbildung und beruflicher Weg

Von 2000 bis 2003 absolvierte Bohrn Mena eine kaufmännische Lehre als Buchhändler. Anschließend arbeitete er bis 2005 beim Österreichischen Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmerbund und legte berufsbegleitend die Berufsreifeprüfung ab. Von 2005 bis 2008 war er am Institut für Sozial- und Gesundheitspsychologie tätig, einer von seinen Eltern gegründeten Gemeinschaftspraxis und Forschungseinrichtung; 2008 wurde er deren Geschäftsführer.

Sein Diplomstudium Unternehmensführung an der Fachhochschule der Wirtschaft Wien schloss er im Juni 2008 ab. Danach studierte er Psychotherapiewissenschaft an der Sigmund-Freud-Privatuniversität. Seine Dissertation untersuchte die Auswirkungen von Flucht und extremer Traumatisierung auf nachfolgende Generationen. Im Juli 2010 wurde er mit Auszeichnung promoviert. Von Juli 2008 bis März 2009 leistete er Zivildienst im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands. Später arbeitete er an der Sigmund-Freud-Privatuniversität, gründete 2011 die Unternehmensberatung SBM Consult und wurde 2012 Direktor der Volkshochschule Penzing.

Von Jänner 2019 bis September 2025 war er Kolumnist und politischer Kommentator für die Tageszeitung Österreich und oe24.TV. Dort diskutierte er bis August 2025 wöchentlich mit Gerald Grosz und moderierte von 2024 bis September 2025 zweimal monatlich die Tier- und Naturschutzsendung „Unsere Tiere“.

Seit November 2019 führte er die Demokratiebüro GmbH, die unter anderem öffentlich beauftragte Ökologieprojekte zu Moorschutz und nachhaltigen Textilien umsetzte. Im September 2025 beendete er seine Tätigkeit als Unternehmensberater und begann mit seiner Frau über Steady eine Plattform gegen digitale Gewalt und Rechtsextremismus aufzubauen.

Politisches und gesellschaftliches Engagement

Bohrn Mena engagiert sich nach eigenen Angaben seit seinem 16. Lebensjahr gesellschaftlich. Er übernahm Funktionen in christlich-gewerkschaftlichen und sozialdemokratischen Organisationen und gehörte von 2009 bis 2017 der SPÖ an. Bei der Wiener Landtags- und Gemeinderatswahl 2015 kandidierte er für die Partei. Bei der Nationalratswahl 2017 trat er für die Liste Peter Pilz an und arbeitete danach für deren Parlamentsklub als Bereichssprecher für Kinderrechte und Tierschutz. Nach einem Zerwürfnis mit Peter Pilz verließ er die Partei im Juli 2018; der anschließende Rechtsstreit endete mit einer Einigung.

2019 initiierte Bohrn Mena das österreichische Tierschutzvolksbegehren, dessen Geschäftsführer und späterer Obmann er war. Es endete am 25. Jänner 2021 mit mehr als 416.000 Unterschriften.

Im Dezember 2021 gründete er gemeinsam mit seiner Frau die gemeinnützige Stiftung Común. Sie soll sozialen und ökologischen Fortschritt fördern und die Demokratie schützen. Im September 2024 veranstaltete die Stiftung gemeinsam mit dem Volkstheater Wien die Reihe „Umkämpfte Demokratie“ über Gefahren des Rechtsextremismus; die FPÖ kritisierte die Veranstaltung heftig. Im November 2024 ernannte ihn der Steyrer Bürgermeister Markus Vogl zum „Botschafter der Stadt Steyr“.

Bohrn Mena und seine Familie erhielten wiederholt Gewalt- und Morddrohungen. Im Dezember 2020 stand die Familie wegen konkreter Drohungen unter Polizeischutz. Weitere Morddrohungen wurden im Februar 2025 dokumentiert und Berichten zufolge dem rechtsextremen Milieu zugerechnet. Im September 2026 bestätigte die Polizei Ermittlungen wegen Drohungen gegen die drei Monate alte Tochter des Ehepaars.

Kontroversen um Kampagnen und Geschäftstätigkeit

2021 erhob der Tierschutzaktivist Martin Balluch Vorwürfe im Zusammenhang mit Bohrn Menas Beratungstätigkeiten. Bohrn Mena wies sie vollständig zurück und ging rechtlich gegen Veröffentlichungen vor; dabei erreichte er unter anderem eine Unterlassungserklärung des Handelskonzerns Billa.

Das Magazin Datum berichtete 2024 erneut über mögliche Überschneidungen zwischen Kampagnenarbeit und Geschäftstätigkeit. Nach einer Protestaktion gegen Ikea im August 2021 soll das Unternehmen ein entgeltliches Beratungsangebot erhalten haben. Der Anwalt des Ehepaars erklärte dagegen, Ikea habe selbst eine Zusammenarbeit angeboten. Greenpeace-Geschäftsführer Alexander Egit bezeichnete eine Vermischung von Kampagnen und Geschäften als „ethisch und moralisch unhaltbar“. Auch Berichte über bezahlte Unternehmenskooperationen des Mediums Oekoreich und öffentliche Förderungen wurden von Bohrn Menas Anwalt bestritten.

Nach einer Aussage Bohrn Menas, FPÖ-Obmann Herbert Kickl wolle ukrainische Flüchtlinge „sterben lassen“, klagte Kickl 2022 auf Widerruf und Unterlassung. Der Streit endete außergerichtlich. 2024 rügte der Österreichische Presserat die Kronen Zeitung, weil sie Vorwürfe gegen Bohrn Mena veröffentlicht hatte, ohne zuvor seine Sicht einzuholen.

Ende 2025 zeigte das Land Steiermark Bohrn Mena wegen der Verwendung des Landeswappens an. Er wertete dies als politische Einschüchterung. Eine parlamentarische Anfrage ergab 2026, dass er in den vorangegangenen Jahren die einzige deswegen angezeigte Privatperson war und zwischen der ersten Information und der Anzeige 124 Minuten lagen. Der NEOS-Politiker Niko Swatek vermutete politische Einflussnahme.

Vorgehen gegen Hass im Netz und Kritik daran

Seit 2025 gehen Sebastian und Veronika Bohrn Mena in großem Umfang juristisch gegen Drohungen, Gewaltaufrufe, Beleidigungen, Spott und teilweise auch Likes in sozialen Medien vor. Im Juli 2025 war von mehr als 1.000 betroffenen Verfassern die Rede. Ihr Anwalt Robert Kerschbaumer bezeichnete das Vorgehen als in Österreich bislang einzigartig. Angestrebt würden Vergleiche, bei Bedarf aber auch Klagen; laut Artikel wurden in vielen Fällen zunächst Klagen eingebracht und anschließend kostenpflichtige Vergleiche angeboten.

Die Verfahren richteten sich auch gegen führende FPÖ-Politiker, FPÖ-Funktionäre und rechte Medien. Gerichte ordneten unter anderem die Löschung oder Veröffentlichung gerichtlicher Entscheidungen an. Ein FPÖ-Repräsentant wurde rechtskräftig verurteilt, weil er Bohrn Mena als „linke Zecke“ bezeichnet hatte. Das Oberlandesgericht Innsbruck entschied im Fall Patrick Haslwanter, dass vor einem medienrechtlichen Antrag keine Aufforderung zur Löschung nötig gewesen sei. Gegen die Medien RTV und Info-Direkt wurden einstweilige Verfügungen wegen KI-generierter Deepfakes erlassen. Im April 2026 wurde ein von Bohrn Mena erwirktes Urteil des Oberlandesgerichts Wien bekannt, das als erstes österreichisches OLG-Urteil zu mithilfe künstlicher Intelligenz erstellten und in sozialen Netzwerken verbreiteten Fotomanipulationen bundesweite Beachtung fand.

Bis Dezember 2025 hatte das Ehepaar mehr als 250 Klagen eingebracht; persönlich betroffen waren über 55 FPÖ-Repräsentanten. Genannt wurden Verfahrenskosten von mehr als 300.000 Euro sowie ein persönlicher finanzieller Schaden von 20.000 Euro. Später teilte das Paar mit, mit einem Prozesskostenfinanzierer zusammenzuarbeiten. Im September 2026 wurde die FPÖ Wien als Medieninhaberin der Seite des Politikers Leo Lugner zu 24.000 Euro Strafzahlungen verurteilt, weil Hasskommentare trotz gerichtlicher Anordnung nicht gelöscht worden waren.

Die rechtliche Bedeutung von Likes ist nicht pauschal geklärt: Das Oberlandesgericht Wien stellte im Juni 2026 fest, dass jeder Fall einzeln geprüft werden müsse und ein Like nicht automatisch strafbar sei. Die Generalprokuratur erklärte im Juli 2026, auch ein Like für einen herabsetzenden Kommentar könne strafbar sein.

Das Vorgehen ist umstritten. Kritiker erhoben den Vorwurf rechtsmissbräuchlicher Klagen, sogenannter SLAPPs, die politische Gegner oder Journalisten durch kostspielige Verfahren einschüchtern sollen. Bohrn Mena weist dies entschieden zurück. Die Publizistin Ingrid Brodnig bezweifelte die Verhältnismäßigkeit mancher Klagen gegen Inhaber sozialer Medienprofile. Besondere Aufmerksamkeit erhielt eine Klage gegen Falter-Chefredakteur Florian Klenk wegen eines von einem Dritten veröffentlichten Kommentars, obwohl dieser nach Bekanntwerden gelöscht worden war. Der zugrunde liegende Wikipedia-Abschnitt ist selbst als grundsätzlich überarbeitungsbedürftig und möglicherweise einseitig gekennzeichnet.

Veröffentlichungen und Auszeichnungen

Bohrn Menas Veröffentlichungen behandeln vor allem Umwelt, Ernährung, Lieferketten und Vermögensfragen. Dazu gehören „Besser Essen. Wie wir über unseren Teller die Welt gestalten“ (2020), „Konzerne an die Kette! So stoppen wir die Ausbeutung von Umwelt und Menschen“ mit Veronika Bohrn Mena (2021) und der von ihm herausgegebene Band „Feuchtgebiete kompakt: Was man über Moore, Auen & Co und ihre Bewahrung wissen muss“ (2025). Bereits 2012 veröffentlichte er einen wissenschaftlichen Beitrag über biografische Einflüsse auf das Erben und Vererben.

2020 erhielt er die Albert-Schweitzer-Medaille für humanitäre Verdienste der Österreichischen Albert-Schweitzer-Gesellschaft. 2021 wurde er Ehrenmitglied von Euro-Toques Österreich.

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