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Schleimpilze

Die Schleimpilze (Mycetozoa oder Eumycetozoa) sind ein Taxon einzelliger Lebewesen, die in ihrer Lebensweise Eigenschaften von Tieren und Pilzen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bedeutung
  2. 2. Lebenszyklus und Körperformen
  3. 3. Fruchtkörper und Sporenbildung
  4. 4. Lebensräume
  5. 5. Verbreitung weltweit
  6. 6. Systematik und Artenzahlen

Einordnung und Bedeutung

Schleimpilze, auch Mycetozoa oder Eumycetozoa genannt, sind ein Taxon einzelliger Lebewesen. Sie verbinden in ihrer Lebensweise Eigenschaften von Tieren und Pilzen, gehören aber weder zu den Tieren noch zu den Pilzen. Trotz ihres Namens sind Schleimpilze also keine Pilze.

Die Gruppe umfasst knapp über 1000 Arten; diese Zahl gilt jedoch als ungenau. Nach neuerer Auffassung bilden die Schleimpilze keine gemeinsame natürliche Gruppe mehr. Die drei früher zusammengefassten Taxa Myxogastria, Dictyostelia und Protostelia werden daher nicht mehr als einheitliche Gruppe zusammengestellt. Die systematische Erforschung der Schleimpilze wird innerhalb der Biologie vor allem von der Botanik beziehungsweise der Mykologie betrieben.

Lebenszyklus und Körperformen

Schleimpilze durchlaufen im Lauf ihres Lebens mehrere sehr unterschiedliche Gestaltformen. Ihr Aussehen ist deshalb eng mit ihrem Lebenszyklus verbunden.

Aus Fruchtkörpern entstehen Sporen. Aus diesen Sporen entwickeln sich amoeboide Lebewesen, also amöbenartige Zellen, die ihre Form verändern können. Diese Amöben besitzen stets röhrenförmige Cristae, das sind Strukturen in den Mitochondrien, und spitz zulaufende Scheinfüßchen, mit denen sie sich bewegen und Nahrung aufnehmen können.

Am Anfang stehen einkernige Amoeboflagellaten oder Amöben. Aus ihnen entstehen je nach Gruppe vielkernige Plasmodien oder bei den Dictyostelia vielzellige Pseudoplasmodien. Ein Plasmodium ist eine große, vielkernige Zellmasse. Ein Pseudoplasmodium ist dagegen ein zeitweiliger Zellverband aus vielen einzelnen Amöben.

Fruchtkörper und Sporenbildung

Reife Schleimpilze können unter passenden Bedingungen Fruchtkörper ausbilden. Bei Myxogastria und Protostelia entsteht ein Sporokarp aus einer einzelnen amoeboiden Zelle. Bei Dictyostelia entsteht ein Sorokarp aus einer Ansammlung vieler amöboider Einzelzellen.

Bei Myxogastria und Protostelia wechseln einzelne Plasmodien von negativer zu positiver Phototaxis. Phototaxis bedeutet eine Bewegung als Reaktion auf Licht; positive Phototaxis heißt, dass sich das Lebewesen zum Licht hin bewegt. Dadurch suchen die Plasmodien einen erhöhten, hellen Ort auf. Dieser Ort ist zugleich meist dem Wind ausgesetzt, was für die Verbreitung der Sporen günstig ist. Dort bilden sie die Fruchtkörper, die Sporokarpe.

Bei Dictyostelia ist der Ablauf komplexer. Zellen, die zuvor einzeln als Amöben lebten, sammeln sich und bilden ein Pseudoplasmodium. Diese vorübergehende vielzellige Organisationsform bewegt sich schneckenähnlich fort. Am passenden Ort verändert sie sich erneut: Ein Teil der Zellen bildet einen Stiel, andere bilden den Sorus, der die Sporen enthält. Der Fruchtkörper heißt hier Sorokarp und ist nicht das Ergebnis einer einzelnen Zelle, sondern eines Zellverbunds.

Lebensräume

Die Mehrheit der Schleimpilzarten lebt terrestrisch, also an Land. Nur von wenigen Arten ist eine vollständig untergetauchte Lebensweise bekannt. Innerhalb dieser Lebensräume unterscheidet man verschiedene Mikrohabitate, also kleine, spezielle Lebensräume.

Besonders wichtig sind Baum-Mikrohabitate. Das wichtigste Mikrohabitat ist Totholz. Weitere bedeutende Lebensräume sind die Rinde lebender Bäume, verrottendes Pflanzenmaterial im Streuhorizont, Erdböden und Tierexkremente. Eine seltene Sonderform, vor allem bei tropischen Arten, ist die Besiedlung lebender Blätter von Pflanzen.

Häufig findet man Schleimpilze in offenen Wäldern, besonders in Hutewäldern. Wenn die grundlegenden Bedingungen vorhanden sind, kommen sie aber auch an ungewöhnlichen Orten vor. Dazu gehören Wüsten, etwa die Sonora-Wüste, für die allein 33 Arten nachgewiesen sind, außerdem Schmelzwasser alpiner Schneeverwehungen und Regionen sehr hoher Breitengrade.

Verbreitung weltweit

Schleimpilze sind mit der Mehrheit ihrer Arten weltweit verbreitet. In gemäßigten Breiten treten sie jedoch deutlich häufiger auf und erreichen dort einen höheren Artenreichtum als in den Subtropen und Tropen.

Für die geringere Häufigkeit in den Tropen werden mehrere Gründe genannt. Die Wälder dort sind oft lichtarm, was die positive Phototaxis beeinträchtigen kann. Windstille ist ungünstig für die Verteilung der Sporen. Hohe Luftfeuchtigkeit kann den Befall durch Schimmelpilze fördern. Außerdem werden sehr saure Böden, eine Vielfalt von Fressfeinden und häufige, sehr starke Regenfälle genannt. Solche Regenfälle können die Zellen abwaschen oder zerstören.

Systematik und Artenzahlen

Die Klasse der Schleimpilze umfasst nach älteren Angaben rund 1000 bis 1100 Arten. Eine Arbeit aus dem Jahr 2007 schätzte die Artenzahl auf deutlich mehr als 1000. Danach war Myxogastria mit weit über 900 Arten die mit Abstand größte Gruppe. Dictyostelia war mit über 100 Arten deutlich kleiner, und Protostelia umfasste als kleinste Unterklasse nur 36 Arten.

Schätzungen anhand sequenzierter Umweltproben gehen davon aus, dass die Gruppe wesentlich größer ist als bisher bekannt. Für Myxogastria werden 1200–1500 Arten angenommen, für Dictyostelia etwa 300 und für Protostelia 150. Diese Zahlen zeigen, dass die bekannte Vielfalt vermutlich noch unvollständig erfasst ist.

Die dargestellte Systematik orientiert sich im Wesentlichen an Adl et al. 2005; bei den Rängen und der weiteren Unterteilung der größten Gruppe, Myxogastria, folgt sie Dykstra und Keller 2000. Genannt werden die Unterklassen Myxogastria, Protostelia und Dictyostelia. Zu Myxogastria gehören unter anderem die Ordnungen Liceida, Echinosteliida, Trichiida, Stemonitida und Physarida. Protostelia enthält die Ordnung Protosteliales. Bei Dictyostelia werden unter anderem die Gattungen Acytostelium, Coenonia, Polysphondylium und Dictyostelium genannt. Unklar ist, ob die Gattung Guttulinopsis zu den Schleimpilzen gehört oder zu den Heterolobosea gestellt werden muss.

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