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SQ3R-Methode

Survey (Überblick gewinnen): Der erste Schritt ermöglicht dem Leser einen Überblick über den ganzen Text (Buch). Überschriften, Aufbau sowie Stichwörter fallen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Ziel
  2. 2. Die fünf Schritte der SQ3R-Methode
  3. 3. Varianten und verwandte Lesemethoden
  4. 4. Vorteile, Nachteile und Voraussetzungen
  5. 5. Ergebnisse und offene Fragen der Wirksamkeitsforschung
  6. 6. Weiterentwicklung: das MURDER-Schema

Grundidee und Ziel

Die SQ3R-Methode ist eine von Francis P. Robinson entwickelte Lesestrategie zum effektiven, aktiven und verstehenden Lesen. Sie wurde erstmals 1946 in seinem Buch Effective Study vorgestellt. SQ3R bezeichnet die Abfolge von fünf Arbeitsschritten: Survey, Question, Read, Recite und Review.

Ziel der Methode ist nicht, die Lesegeschwindigkeit zu erhöhen. Im Mittelpunkt stehen vielmehr das Verstehen und das Behalten von Inhalten, insbesondere beim Lesen wissenschaftlicher Bücher und anderer anspruchsvoller Texte. Die Methode fordert dazu auf, einen Text zunächst zu überblicken, eigene Fragen zu entwickeln, abschnittsweise zu lesen, das Gelesene aus dem Gedächtnis wiederzugeben und anschließend in den Gesamtzusammenhang einzuordnen.

Die fünf Schritte der SQ3R-Methode

  • Survey (Überblick gewinnen): Zunächst verschafft sich der Leser einen Überblick über den ganzen Text oder das Buch. Überschriften, Aufbau und Stichwörter werden betrachtet, damit ein grober Zusammenhang und der Gesamtrahmen erkennbar werden.

  • Question (Fragen): Zu den einzelnen Abschnitten werden mögliche Fragen formuliert. Dadurch wird der Leser aktiv und motiviert, beim Lesen Antworten auf diese Fragen zu finden.

  • Read (Lesen): Der Text wird abschnittsweise gelesen. Dieser Schritt stellt den größten Arbeitsaufwand dar. Die Inhalte sollen verstanden und dadurch für das Gedächtnis gespeichert werden. Wichtige Schlüsselwörter und Zusammenhänge können farbig hervorgehoben werden.

  • Recite (Wiedergeben): Nach jedem Abschnitt wird das Gelesene rekapituliert, also gedanklich wiederholt. Dabei wird geklärt, worum es ging, welche Schlüsselwörter wichtig waren und wie sie zusammenhängen. Nach mehreren Abschnitten soll das Gelesene zusätzlich schriftlich festgehalten werden, etwa in Zusammenfassungen oder Mindmaps.

  • Review (Rückblick): Zum Schluss wird überlegt, wie der einzelne Abschnitt mit dem Gesamtrahmen und den anderen Abschnitten zusammenhängt. Außerdem wird geprüft, wie das Gelernte praktisch angewendet werden könnte oder aus welchen Gründen eine Anwendung sinnvoll ist.

Varianten und verwandte Lesemethoden

Auf der SQ3R-Methode beruhen weitere Lesestrategien. E. L. Thomas und H. A. Robinson entwickelten 1972 die PQ4R-Methode. Sie umfasst sechs Phasen:

  • Preview (Vorprüfung): Inhaltsverzeichnis, Klappentext, Zusammenfassung oder einzelne Passagen werden überflogen.
  • Question (Fragen): Zu den Textabschnitten werden konkrete Fragen formuliert.
  • Read (Lesen): Der Text wird mit dem Ziel gelesen, die Fragen zu beantworten.
  • Reflect (Nachdenken): Die Argumentation und ihre Belege werden geprüft. Der Leser versucht, Beispiele oder Gegenbeispiele zu finden, zusätzliche Argumente zu erarbeiten und die Leitfragen gegebenenfalls kritisch zu überprüfen.
  • Recite (Wiedergeben): Die Fragen werden schriftlich und aus dem Gedächtnis beantwortet.
  • Review (Rückblick): Die wichtigsten Punkte werden gedanklich zusammengefasst und die Fragen nochmals beantwortet.

Die SQ4R-Methode unterscheidet sich von SQ3R durch eine zusätzliche vorletzte Stufe „reflect or record“. Gemeinsam ist diesen Methoden, dass sie ihre Wirksamkeit teilweise aus lerntheoretischen Erkenntnissen und teilweise aus logisch-trivialen Erfahrungen ableiten. In Anlehnung an SQ3R wurde außerdem die TQ3L-Methode entwickelt, die die Zuhör- und Lernfähigkeit verbessern soll.

Vorteile, Nachteile und Voraussetzungen

Das durch SQ3R erworbene Wissen soll wegen der großen Eigeninitiative und der in den Schritten enthaltenen Elaboration besonders gut im Gedächtnis gespeichert werden. Elaboration bedeutet hier eine vertiefte geistige Verarbeitung und Vernetzung des Lernstoffs. Dadurch soll die Wahrscheinlichkeit steigen, Wissen später korrekt abzurufen, verglichen mit „normalem“ Lesen.

Als Nachteil wirkt die Methode anfangs aufwändig und zeitintensiv. In der Praxis werden deshalb häufig einzelne Schritte zusammengefasst oder weggelassen. Dadurch kann die Effizienz der Methode sinken. Laut Groeben (1982, S. 122) führt die Anwendung einzelner Teilschritte zu keiner Verbesserung des Textverständnisses; für die Wirksamkeit sei es vielmehr erforderlich, alle Schritte vollständig zu durchlaufen.

Ergebnisse und offene Fragen der Wirksamkeitsforschung

Laut Christmann prüften Robinson (1966) und Harris (1970) die Wirksamkeit der SQ3R-Methode. Viele Untersuchungen beschäftigten sich jedoch mit einzelnen Schritten der Lesemethoden. Häfele (1995) fand keinen Unterschied zwischen einer Gruppe, die nur Fragen formulierte, einer Gruppe, die diese Fragen nur beantwortete, und einer Gruppe, deren Fragen vom Autor beantwortet wurden. Auch zwischen schriftlicher und rein gedanklicher Beantwortung der Fragen konnte er keinen Unterschied sichern. Häfele weist allerdings darauf hin, dass unterschiedlich anspruchsvolle Fragen möglicherweise getrennt betrachtet werden müssten.

Anderson und Biddle werteten 1975 insgesamt 77 Studien aus. Ihrer Zusammenfassung zufolge verbessern Fragen, die nach dem Lesen gestellt werden, die Behaltensleistung in einem späteren Test – auch bei Fragen, die zuvor noch nicht gestellt wurden. Werden Fragen dagegen vor dem Lesen gestellt, verschlechtert sich die Fähigkeit, zuvor nicht gestellte Fragen zu beantworten. Eine mögliche Erklärung ist, dass die Aufmerksamkeit auf die vorgegebenen Fragen gelenkt wird und dadurch Informationen, die für diese Fragen nicht relevant sind, schwerer aufgenommen werden.

Zur Erklärung der Wirkung wurden verschiedene Annahmen diskutiert. Die Elaboration-Hypothese geht davon aus, dass eine vertiefte Beschäftigung mit dem Text stärker vernetzte Gedächtnisspuren erzeugt und fehlendes Wissen dadurch leichter rekonstruiert werden kann. Nach der Focus-Hypothese verbessert eine stärkere Aufmerksamkeit auf zentrale Textinhalte die Behaltensleistung. Offen ist unter anderem, ob eine vorgegebene Struktur, beispielsweise eine Zusammenfassung, dem Leser die geistige Arbeit abnehmen könnte, die die PQ4R-Methode verlangt. Ebenfalls untersucht wurde, ob die Verbindung mit bereits erworbenem Wissen, besonders mit dem autobiografischen Gedächtnis, die Gedächtnisleistung verbessert. Diese Frage betrifft vor allem den PQ4R-Schritt „Reflect“, bei dem persönliche Beispiele gesucht werden; dieser Schritt gehört nicht zur SQ3R-Methode.

Weiterentwicklung: das MURDER-Schema

Das MURDER-Schema von Danserau und anderen (1979) ist eine Weiterentwicklung der SQ3R-Methode. Das Akronym bezeichnet sechs Arbeitsschritte:

  • M – setting the mood to study: Lernbereitschaft und Motivation wecken sowie eine geeignete Lernatmosphäre herstellen.
  • U – reading for understanding: Auf Textverstehen ausgerichtet lesen und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden.
  • R – recalling the material: Den Inhalt ohne den Text mit eigenen Worten wiedergeben, also paraphrasieren, Beispiele finden, bildhafte Vorstellungen erzeugen und grafische Darstellungen wie Mindmaps oder Concept Maps anfertigen.
  • D – digest the material: Die Informationen in das eigene Wissen einordnen und vorhandenes Wissen bei Bedarf umstrukturieren oder korrigieren.
  • E – expanding knowledge: Über den Text hinausgehende Informationen aus dem eigenen Wissen oder aus anderen Informationsquellen hinzuziehen.
  • R – review: Das Lernergebnis überprüfen, Schwierigkeiten feststellen und Lücken im Textverständnis erkennen.

Lernvideos zu SQ3R-Methode

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