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SIX Group
Das Unternehmen erbringt Dienstleistungen rund um Wertpapiergeschäfte, die Aufbereitung von Finanzinformationen, den Zahlungsverkehr und baut eine digitale …
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Aufgabe, Bedeutung und Organisation
SIX Group AG ist ein international tätiges Finanzdienstleistungsunternehmen mit Hauptsitz in Zürich. Es betreibt zentrale Infrastrukturen für die Finanzplätze der Schweiz und Spaniens. Dazu gehören der Wertpapierhandel, die Abwicklung abgeschlossener Geschäfte, die Verwahrung von Finanzinstrumenten, die Aufbereitung und Verteilung von Finanzinformationen sowie Systeme für den Zahlungsverkehr. Außerdem baut SIX digitale Infrastrukturen für den sicheren Austausch von Finanzdaten und Dienstleistungen auf. Die Bezeichnung SIX steht für Swiss Infrastructure and Exchange.
SIX wurde 2008 gegründet und ist eine Aktiengesellschaft. 2024 beschäftigte das Unternehmen 4'293,5 Vollzeitäquivalente (FTE) und erzielte einen Umsatz von 1,5 Mrd. CHF. Geschäftsführer ist Bjørn Sibbern, Verwaltungsratspräsident Thomas Wellauer.
Das Unternehmen gehört rund 120 nationalen und internationalen Finanzinstituten, die zugleich die wichtigsten Nutzer seiner Dienstleistungen sind. SIX selbst ist nicht börsennotiert. Wichtigster Eigentümer ist nach der Fusion mit Credit Suisse die UBS.
Entwicklung des Unternehmens
Die Wurzeln von SIX reichen bis zur 1930 in Zürich gegründeten Ticker AG zurück. Sie übermittelte Börsenkurse über einen Börsenticker: Zürcher Kurse sowie Schlusskurse anderer Schweizer und bedeutender ausländischer Börsen wurden in kursiver Schrift auf schmalen Papierstreifen an viele Empfänger gesendet. 1961 führte die Ticker AG das erste Börsenfernsehen überhaupt ein, auf dessen Bildschirm die Kurse von bis zu neunzig Titeln verfolgt werden konnten. Später wurde das Unternehmen in Telekurs AG umbenannt.
1987 nahm Swiss Interbank Clearing (SIC) den Betrieb auf. Dieses Online-Clearingsystem nutzte ein zentrales Computersystem bei Telekurs und verband die Teilnehmer online; zunächst wurden hauptsächlich Zahlungen in Schweizer Franken abgewickelt. 1993 schlossen sich die Börsen von Genf, Basel und Zürich zur Schweizer Börse Swiss Exchange zusammen.
1995 führte die Schweizer Börse den elektronischen Börsenhandel mit integrierter Abwicklung und Verwahrung ein. 1996 wurde daraufhin der Ringhandel eingestellt. Technische Voraussetzungen waren die Verbindung zum SECOM-System für SEGA und zum von Telekurs betriebenen Interbank-Zahlungssystem SIC. 1999 startete euroSIC für Euro-Zahlungen und verband Schweizer Banken mit den europäischen Zahlungssystemen. Gleichzeitig entstand durch den Zusammenschluss von SEGA und INTERSETTLE die SIS Group; INTERSETTLE war zuvor für die Abwicklung nach dem Börsenhandel zuständig.
2001 erwarb SIS eine bedeutende Sammlung historischer Wertpapiere und gründete eine Stiftung. Daraus entstand 2003 die Wertpapierwelt in Olten; die Ausstellung befindet sich heute im Schweizer Finanzmuseum in Zürich.
Im Zusammenhang mit der 2005 eingeführten DCC-Funktion zur dynamischen Währungsumrechnung warf die Wettbewerbskommission der SIX Multipay AG den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung vor. Die Funktion war zunächst nur auf Terminals der SIX Card Solutions AG verfügbar. Im Dezember 2006 öffnete SIX Multipay die Funktion für andere Terminalanbieter und veröffentlichte die nötigen Schnittstelleninformationen. Vier Jahre später verhängte die Wettbewerbskommission gegen SIX eine Busse von sieben Millionen Schweizer Franken.
Fusion und weitere Entwicklung
Am 1. Januar 2008 fusionierten SWX Group, SIS Group und Telekurs Group zur Swiss Financial Markets Services AG. Das vereinigte Unternehmen deckte Wertschriftenhandel, Börsentransaktionen, Finanzinformationen und Zahlungsverkehr ab. Am 21. August 2008 wurde es in SIX Group AG umbenannt.
2016 führte SIX gemeinsam mit verschiedenen Schweizer Banken die Mobile-Payment-Lösung Twint ein und etablierte sie am Markt. 2018 ging SIX eine strategische Partnerschaft mit Worldline ein. Worldline übernahm SIX Payment Services, während SIX zunächst 27 % an Worldline hielt. Nach der 2020 angekündigten Reduktion dieser Beteiligung besaß SIX im März 2022 noch 10,6 % der Worldline-Aktien.
Wertpapierhandel und Abwicklung
SIX betreibt mit der SIX Swiss Exchange die Schweizer Börse. Zu ihren Kernaufgaben gehören die Zulassung von Wertpapieren, der Betrieb der Handelsplattform, die Überwachung des Handels und die Verbreitung von Marktinformationen. Auf der gemeinsamen Plattform der SIX Swiss Exchange und der SIX Structured Products Exchange werden unter anderem Aktien, Anleihen, Derivate, Anlagefonds und Zertifikate gehandelt.
Exchange Regulation ist eine unabhängige und vom operativen Geschäft getrennte Einheit innerhalb von SIX. Sie übernimmt die gesetzlich vorgesehene Selbstregulierung der Börse: Sie erlässt Regeln für Emittenten, also Herausgeber von Wertpapieren, und für Handelsteilnehmer, überwacht den Handel und setzt die Regeln durch.
Nach einem abgeschlossenen Börsengeschäft übernimmt SIX die nachgelagerten Prozesse. SIX Securities Services tritt in Europa als zentrale Gegenpartei zwischen Käufer und Verkäufer. Beim Clearing werden die gegenseitigen Verpflichtungen festgestellt und die Risiken beider Handelsparteien gesenkt. Anschließend erfolgt das Settlement, also die elektronische Erfüllung und Abwicklung der Transaktion. Dazu gehören auch Echtzeit-Zahlungen zwischen Banken.
Unter Custody versteht man die sichere Verwahrung von Anlagewerten und Dokumenten. SIX ist Zentralverwahrer der Schweiz und verwahrt die meisten nach Schweizer Recht ausgegebenen Finanzinstrumente; ihre Verwahrungsleistungen bietet sie auch international an.
Zu Securities Services gehören außerdem Plattformen für Lastschriften und E-Rechnungen sowie Terravis, das elektronische Schweizer Auskunftsportal für Grundbuchdaten. Terravis unterstützt Hypotheken-, Grundstücks- und Handelsregistergeschäfte. SIX Interbank Clearing betreibt SIC und euroSIC und ermöglicht Finanzinstituten weltweit, Großbetrags- und Massenzahlungen in Franken und Euro abzuwickeln.
Das im Januar 2018 gestartete kommerzielle Security Operations Center (SOC) sollte laut einer Mitteilung vom November 2020 aufgelöst werden. Bestehende Verträge, unter anderem mit T-Systems, sollten eingehalten werden; für die interne Sicherheit von SIX blieb das SOC bestehen.
Finanzdaten, Zahlungsverkehr und digitale Vernetzung
SIX bezieht Finanzdaten in Echtzeit von internationalen Börsen und Unternehmen und gibt sie an Kunden weiter. Dazu zählen Referenzdaten, also grundlegende Angaben über börsennotierte Unternehmen, sowie Corporate Actions. Damit sind Maßnahmen gemeint, die Kapital- und Stimmrechte von Aktionären betreffen. Kunden können außerdem Preise und Marktkurse von rund 15 Millionen Finanzinstrumenten abrufen. Banken und andere Marktteilnehmer nutzen diese Informationen, um Finanzgeschäfte zu beurteilen und Anlagerisiken zu bewerten. SIX berechnet zudem Indizes und Benchmarks, darunter den Swiss Market Index als Leitindex des Schweizer Aktienmarkts.
Im bargeldlosen Zahlungsverkehr verarbeitet SIX Mobile-Payment sowie Kredit-, Debit- und Wertkartenzahlungen in der Schweiz, Österreich, Luxemburg und zahlreichen weiteren europäischen Ländern. Die Infrastruktur ermöglicht außerdem Bargeldbezüge an Geldautomaten und schafft sichere Voraussetzungen dafür, dass Hotels, Gastronomiebetriebe und der Handel Online- und Terminalzahlungen annehmen können. In Österreich gab SIX zeitweise selbst Zahlkarten heraus. SIX Payment Services wurde 2018 an Worldline verkauft.
Für Open Finance betreibt SIX seit Mai 2020 die Plattform bLink. Sie stellt standardisierte Programmierschnittstellen, sogenannte APIs, bereit, über die Finanzinstitute Daten und Dienste sicher mit Drittanbietern teilen können. Zunächst verbanden sich Finanzinstitute über diese Schnittstellen mit Anbietern von Buchhaltungslösungen wie Bexio. 2021 kamen drei Schnittstellen für Schweizer Vermögensverwalter hinzu. Die bLink-APIs sollen auch in Kernbankensysteme wie dasjenige von Finnova integriert werden.
Initiativen und Mitgliedschaft
SIX unterstützt das Schweizer Finanzmuseum, das aus der früheren Wertpapierwelt in Olten hervorging. Seine multimediale Ausstellung behandelt die Ursprünge des Wirtschaftssystems sowie die Bedeutung des Schweizer Finanzmarkts und seiner Infrastruktur.
SIX ist Gründungsmitglied des FinTech Incubators und Accelerators F10. Dort arbeiten unter anderem Beschäftigte von SIX mit Start-ups an der Weiterentwicklung der Schweizer Finanztechnologie. Für 2019 plante SIX außerdem einen Open-Banking-Hub für Geschäftskunden. Als beteiligte Anbieter von Buchhaltungssoftware wurden Abacus und Klara genannt; UBS, Credit Suisse, Zürcher Kantonalbank, Valiant und die Raiffeisen-Gruppe wirkten ebenfalls an dem Projekt mit.
SIX ist Mitglied der Federation of European Securities Exchanges.