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SIG Group

Die SIG Group AG (ursprünglich Schweizerische Industrie-Gesellschaft) ist ein weltweit tätiger Verpackungs- und Verpackungsmaschinenhersteller mit Sitz in …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernprofil und Bedeutung
  2. 2. Entwicklung zur Verpackungsgruppe
  3. 3. Umstrukturierungen seit 2000
  4. 4. Frühere Geschäftsfelder
  5. 5. Produkte, Standorte und Nachhaltigkeit

Kernprofil und Bedeutung

Die SIG Group AG, ursprünglich Schweizerische Industrie-Gesellschaft, ist ein weltweit tätiger Hersteller von Verpackungen und Verpackungsmaschinen mit Sitz in Neuhausen am Rheinfall in der Schweiz. Das Unternehmen produziert Verpackungen und Abfüllanlagen für die Getränke- und Nahrungsmittelindustrie und wartet diese in mehr als 60 Ländern. Es gehört zu den 500 grössten Unternehmen der Schweiz. Die Aktien sind an der SIX Swiss Exchange kotiert und gehören zum SMI MID Index.

SIG ist als Aktiengesellschaft organisiert. Für 2025 werden etwa 9700 Mitarbeitende und ein Umsatz von 3,2 Milliarden Euro genannt. An der Spitze stehen Ann-Kristin Erkens als CEO sowie ad interim als CFO und Ola Rollén als Verwaltungsratspräsident. Die heutige Bedeutung des Unternehmens liegt vor allem in der Verpackungstechnik: SIG bietet unter anderem aseptische Kartonpackungen, Bag-in-Box-Verpackungen, Standbeutel mit Verschlüssen sowie die dazugehörigen Füll- und Verpackungsmaschinen an.

Entwicklung zur Verpackungsgruppe

SIG wurde am 17. Januar 1853 von Friedrich Peyer im Hof, Johann Conrad Neher und Heinrich Moser als Schweizerische Waggon-Fabrik in Neuhausen am Rheinfall gegründet. Ursprünglich war das Unternehmen stark diversifiziert und stellte über die Jahrzehnte sehr unterschiedliche Produkte her, darunter Schienenfahrzeuge, Waffen, Strassenfahrzeuge, Hydraulik- und Bergbautechnik sowie Automationssysteme. Im Jahr 2000 entschied SIG, sich auf Verpackungstechnologie zu konzentrieren.

In der Verpackungstechnik begann SIG 1906 mit Anlagen für die Nahrungsmittelindustrie, zunächst für Schokolade und Suppenwürfel, später auch für Gebäck und Butter. Ab 1944 wurden erste Maschinen im Non-Food-Bereich hergestellt; im selben Jahr entstand der Geschäftsbereich SIG Pack. Ab 1957 kamen horizontale Schlauchbeutelmaschinen hinzu, 1961 Vakuumpaketieranlagen für gemahlenen Kaffee.

Ein wichtiger Schritt war 1989 der Zukauf der PKL Pack- und Klebstoffwerke Linnich. Damit stieg SIG in die Verpackung flüssiger Lebensmittel ein. PKL und ihr Vorläufer, die Jagenberg-Werke, waren 1929 durch die flüssigkeitsdichte Faltschachtel „Perga“ bekannt geworden und entwickelten 1975 mit „combibloc aseptic“ ein System zur keimfreien Abfüllung haltbarer Lebensmittel.

Nach 2000 baute SIG den Verpackungsbereich durch Übernahmen aus, unter anderem von Hamba, Simonazzi und Krupp Plastics. Der fremdfinanzierte Aufbau des Plastics-Bereichs, vor allem PET, erhöhte 2001 die Verschuldung um mehr als 200 Millionen Franken. 2002 wurde Ryka Blow Molds in SIG Beverages integriert. Zugleich hatte SIG etwa 2 % Weltmarktanteil bei Verpackungsmaschinen für Trockenprodukte. 2003 betrug der Umsatz 1,9 Milliarden Euro.

Umstrukturierungen seit 2000

In den Jahren nach 2000 verkaufte SIG mehrere Bereiche, die nicht zum künftigen Schwerpunkt passten. 2004 übernahm Bosch Packaging Technology den Bereich SIG Pack mit Verpackungsmaschinen für Trockengüter, Pharma, Süsswaren und Nahrung. Dieser Bereich hatte etwa 1500 Angestellte, rund 230 Millionen Euro Verkaufserlös und machte ungefähr 20 % des SIG-Umsatzes aus. Simonazzi und SIG Alfa gingen an Tetra Laval. 2008 wurde SIG Beverages, also Abfüllanlagen für PET-Flaschen, mit 480 Mitarbeitenden und 150 Millionen Euro Umsatz an die Salzgitter AG verkauft. Innerhalb von fünf Jahren sank die Beschäftigtenzahl damit von rund 9000 auf 4000.

Von 2007 bis 2015 gehörte SIG zur neuseeländischen Rank Group Holdings Ltd. von Graeme Hart. Am 2. November 2007 wurden die Aktien der damaligen SIG Holding AG von der Swiss Exchange zurückgezogen. Im April 2009 wurde das Unternehmen in SIG Combibloc Group AG umbenannt. 2014 kaufte die kanadische Onex Corporation SIG Combibloc. 2018 brachte Onex einen Teil der Anteile wieder an die Börse, hielt zunächst aber mehr als 50 %. Inzwischen sind die Aktien wieder breit gestreut; der grösste Aktionär besitzt weniger als 10 %.

2021 produzierte SIG 48 Milliarden Packungen. Im April 2022 wurde die SIG Combibloc Group AG in SIG Group AG umbenannt. Im selben Jahr stieg der Umsatz vor allem durch die Übernahmen von Scholle IPN und des Asiengeschäfts des US-Konkurrenten Evergreen um 35 %. Scholle IPN wurde 1945 gegründet und gilt nach Unternehmensangaben als Erfinder und grösster Anbieter von Bag-in-Box-Verpackungen, etwa für Kaffee, Apfelsaft, Soda-Getränkekonzentrate oder Wein in der Gastronomie. Zudem ist Scholle IPN auf Standbeutel- und Quetschbeutel-Verpackungen spezialisiert. Über Evergreen mit Produktionsstätten in China, Taiwan und Südkorea stieg SIG in den Markt für Frischprodukte ein, besonders Frischmilch.

Frühere Geschäftsfelder

Das erste Geschäftsfeld von SIG waren Schienenfahrzeuge. Bei der Gründung 1853 hatte das Schweizer Eisenbahnnetz erst 23 Kilometer. Die Wasserkraft des Rheinfalls war für das Unternehmen eine wichtige Energiequelle. 1855 wurden SIG-Waggons an der Weltausstellung in Paris ausgezeichnet. Später stellte SIG unter anderem Bergbahnen, Seilbahnkabinen und Tramwagen her. Bis 1969 wurden 25'000 Schienenfahrzeuge produziert. Ab etwa 1981 konzentrierte sich SIG auf Drehgestelle, also die Fahrwerke von Schienenfahrzeugen. In den 1990er-Jahren entwickelte SIG die elektrische Neigetechnik des SBB RABDe 500. Die Sparte ging Anfang der 1990er-Jahre in das Joint Venture Fiat-SIG ein und kam 2000 mit Fiat Ferroviaria zu Alstom. Ab 2005 konzentrierte sich das Werk Neuhausen nur noch auf Service.

Im Bereich Strassenfahrzeuge begann SIG 1919 oder 1921 mit Automobilprojekten. Martin Fischer entwickelte ein Cyclecar mit V2-Motor von MAG, 1088 cm³ Hubraum, 345 cm Radstand, 110 cm Spurweite und Aluminiumkarosserie für zwei hintereinander sitzende Personen. Es entstanden nur wenige Exemplare. SIG stellte ausserdem elektrisch angetriebene Handwagen, Baumaschinen wie den Raupentraktor „Uranus“ und zwischen 1933 und 1953 strassenzugelassene Nutzfahrzeuge mit Elektromotor her. Der Automobilbau endete 1955.

Ab 1860 fertigte SIG Waffen und nutzte dafür Kenntnisse der Metallverarbeitung aus dem Waggonbau. Der Durchbruch war 1868 die Neubewaffnung der Schweizer Armee mit dem Vetterligewehr. Bekannt wurden besonders die Pistolen SIG P210 und SIG P220 sowie die Sturmgewehre 57 und 90. Von 1970 bis 2000 gehörten Hämmerli AG, J. P. Sauer & Sohn und Blaser Jagdwaffen GmbH zu SIG. Der Waffenbereich wurde 2000 abgespalten und verkauft.

Weitere frühere Bereiche waren Automation sowie Hydraulik, Bau- und Bergbautechnik. Von 1988 bis 2000 besass SIG Berger Lahr, dessen Positionier- und Automatisierungssysteme unter „SIG positec“ vermarktet wurden; 2000 ging der Bereich an Schneider Electric. Aus technischen Nebenentwicklungen entstanden unter anderem Pressluftwerkzeuge, Hydraulikpumpen und Produkte wie Druckluftbohrer, Lafetten-Bohrhammer und Schnellschlag-Bohrmaschine. Der Bau- und Bergbau-Produktbereich „SIG Rocktools“ wurde 2002 verkauft.

Produkte, Standorte und Nachhaltigkeit

Heute stellt SIG vor allem aseptische Kartonpackungen, Bag-in-Box-Verpackungen und Standbeutel mit Verschlüssen für Lebensmittel her. „Aseptisch“ bedeutet, dass ein Produkt keimfrei abgefüllt und verpackt wird. Durch dieses Verfahren bleiben Geschmack, Aussehen und Nährwerteigenschaften von Getränken und flüssigen Lebensmitteln bis zu zwölf Monate ohne Kühlung oder Konservierungsstoffe erhalten. Für das weltweit erste Vollbarriere-Packungsmaterial ohne Aluminiumschicht für aseptische Kartonpackungen erhielt SIG den Sustainability Award 2023 von Packaging Europe.

SIG produziert, betreibt und wartet auch Verpackungsmaschinen. 2018 wurden mit rund 1150 bei Kunden installierten Füllmaschinen in über 60 Ländern 35 Milliarden Kartonverpackungen abgefüllt. 550 SIG-Service-Ingenieure betreuten die Maschinen an den jeweiligen Standorten.

Die SIG Group hat 90 Tochtergesellschaften in 41 Ländern in Europa, Asien, Ozeanien, dem Mittleren Osten, Afrika sowie Nord-, Süd- und Mittelamerika. Wichtige Produktionsstätten befinden sich unter anderem in Neuhausen am Rheinfall, Saalfelden, Linnich, Wittenberg, Alsdorf, Eisfeld, Tilburg, Barcelona, Shanghai, Suzhou, Palghar, Pune, Ahsan, Hsinchu, Rayong, Edinburgh North, Riyadh, Northlake, Peachtree City, Querétaro, Campo Largo, Vinhedo und Santiago.

Das SIG-Areal direkt am Rheinfall wurde 2011 an die SIG Gemeinnützige Stiftung übertragen. Dort befinden sich neben umgenutzten Bereichen für Wohnen, Gewerbe, Retail und Gastronomie weiterhin der Hauptsitz und eine Produktionsstätte mit 200 Mitarbeitenden. Die Stiftung unterstützt Projekte zu Zivilgesellschaft und Umwelt. „Cartons for Good“ soll überschüssige Lebensmittel vor Verschwendung bewahren, den Lebensunterhalt von Landwirten sichern und bedürftige Menschen ernähren. Das Projekt startete als Pilot in Bangladesch; 2023 ermöglichte ein Gewinn im Projektwettbewerb der Save Food Initiative eine lokale Studie in Ägypten. „Recycle for Good“ soll Menschen dazu bewegen, wiederverwertbare Abfälle an Sammelstellen abzugeben und Kreislaufwirtschaft zu praktizieren. Das im März 2023 in Indonesien gestartete Programm richtete innerhalb eines Jahres mehr als 150 Sammelstellen im Grossraum Jakarta ein.

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