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Rondel

Das Rondel (von französisch rond „rund“) ist eine ursprünglich französische Gedichtform mit 13 oder 14 Versen und nur zwei Reimen. Rondel und Rondeau.

Inhalt3 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Einordnung
  2. 2. Aufbau des modernen Rondels
  3. 3. Varianten und Beispiele

Grundidee und Einordnung

Das Rondel ist eine ursprünglich französische Gedichtform. In ihrer heute gebräuchlichen, engeren Bedeutung hat sie 13 Verse und nur zwei Reime. Sie gehört wie Rondeau und Roundel zu Formen, die aus mittelalterlichen Tanzliedern hervorgegangen sind. Solche Lieder hatten meist zwei Reime und konnten Wiederholungen von Versen oder Versabschnitten enthalten; diese Wiederholung heißt Refrain, auf Französisch rentrement.

Ursprünglich war „Rondel“ keine einheitlich festgelegte Form. Eustache Deschamps nannte in L’art de dictier fünf unterschiedliche Schemata; eines davon entspricht der heute Triolett genannten Form. Auch frühe als Rondel bezeichnete Gedichte zeigen keine gemeinsame feste Struktur. Deshalb dient „Rondel“ in der Verslehre heute als Sammelbezeichnung für mittelalterliche Formen, während die neuzeitlichen verwandten Formen meist Rondeau genannt werden.

Aufbau des modernen Rondels

Die heute speziell „Rondel“ genannte Form wurde von Théodore de Banville in seinem Petit Traité de poésie française als Muster festgelegt. Sie besteht aus 13 Versen in drei Gruppen von 4–4–5 Versen.

Die ersten beiden Verse werden als 7. und 8. Vers wiederholt. Der erste Vers erscheint außerdem erneut als Schlusszeile. Das Reimschema lautet genau: [ABba abAB abbaA]. Großbuchstaben bezeichnen dabei die wiederholten Verse.

Im ersten Vierzeiler liegt ein umarmender Reim vor: abba, also reimen sich der erste mit dem vierten und der zweite mit dem dritten Vers. Der zweite Vierzeiler ist kreuzgereimt: abab. In den letzten vier Versen steht ein Paarreim: bbaa. Damit enthält das Rondel alle drei verbreiteten Reimformen: umarmenden Reim, Kreuzreim und Paarreim.

Varianten und Beispiele

Banville nahm in der ersten Auflage seines Werkes von 1872 wegen eines Missverständnisses zunächst eine 14-zeilige Form an: ABba abAB abbaAB. In der zweiten Auflage korrigierte er dies; in der französischen Dichtung setzte sich danach die 13-zeilige Form durch. Genannt werden Edmond Haraucourt mit Rondel de l'adieu sowie besonders Stéphane Mallarmé und die Symbolisten.

In England bevorzugten Henry Austin Dobson, Edmund Gosse, Robert Louis Stevenson und andere eine dem Sonett ähnlichere 14-zeilige Form. Sie wird auch Rondel prime oder Rondel supreme genannt.

In der deutschen Literatur ist das Rondel selten. Oskar Loerkes Ländliche Rondellen gehören dazu. Sein Rondell von der Posaune verwendet abweichend nicht zwei, sondern nur einen Reim. Georg Trakls Gedicht Rondel folgt ebenfalls nicht dem modernen 13-zeiligen Muster. Es hat jedoch einen symmetrischen Aufbau, zwei Reime und Verswiederholungen; mit dem Reimschema [ABbBA] entspricht es dem allgemeinen, mittelalterlichen Begriff des Rondels.

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