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Rendzina

Zusätzlich kommt es aufgrund der biologischen Aktivität im Oberboden zur Akkumulation von Humus. ... Die Erosion kann allerdings den Bodentyp der Rendzina …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Verbreitung
  2. 2. Entstehung und Entwicklung
  3. 3. Horizonte und Subtyp
  4. 4. Eigenschaften
  5. 5. Nutzung und Vergleich mit anderen Ah/C-Böden

Definition und Verbreitung

Die Rendzina, auch Rendsina genannt, ist ein flachgründiger Boden der Bodenkunde und Geologie. Sie bildet sich auf karbonat- oder gipsreichen Gesteinen und gehört zur Klasse R der Ah/C-Böden. Ihre Abkürzung lautet RR. Typisch ist sie für Karstgebiete und viele Gebirge, besonders dort, wo kalkreiches Material und Hangneigung zusammentreffen. In den Schichtstufenlandschaften der Mittelgebirge kommt sie vor, wenn Kalksteinschichten an der Oberfläche liegen.

In Deutschland wurde die Rendzina am 5. Dezember 2024, dem Weltbodentag, vom Kuratorium Boden des Jahres als Boden des Jahres 2025 ausgezeichnet.

Entstehung und Entwicklung

Rendzinen können sich auf Festgestein oder Lockermaterial mit mindestens 75 Masse-% Carbonat oder Gips bilden. Sie entwickeln sich aus den Initialböden Syrosem oder Lockersyrosem. Das häufigste Ausgangsmaterial ist Kalkstein. Weitere Ausgangsgesteine sind Marmor, magnesiumhaltiger Dolomit und Gips (Calciumsulfat). Auch Kreide, etwa auf Rügen, sehr junge Seekreiden im Bodenseeraum sowie kalkreiche technogene Materialien wie Beton oder Ziegel kommen infrage.

Bei der Bodenbildung wirken physikalische Verwitterung und Lösungsverwitterung zusammen. Carbonate werden durch kohlenstoffdioxidhaltiges Wasser gelöst und als Hydrogencarbonat mit dem Sickerwasser abtransportiert:

CaCO₃ + H₂O + CO₂ → 2 HCO₃⁻ + Ca²⁺

Sulfate werden durch einfache Lösung ebenfalls mit dem Sickerwasser ausgeführt. Je reiner oder klüftiger das Ausgangsmaterial ist, desto schneller verläuft die Lösungsverwitterung. Im Oberboden sammeln sich die unlöslichen Bestandteile, vor allem Tonminerale, an. Gleichzeitig reichert sich durch biologische Aktivität Humus an. Der Ah-Horizont bleibt deshalb deutlich humos und enthält weiterhin Carbonat oder Gips, allerdings in geringerer Menge als das Ausgangsgestein.

Mit zunehmender Carbonat- oder Gipsverarmung entwickelt sich die Rendzina zu stärker gegliederten Böden weiter. Wird der A-Horizont mehr als 40 cm mächtig, gehört der Boden zur Klasse der Schwarzerden. Entsteht im Untergrund ein verbraunter Horizont, kann sich eine Braunerde mit B-Horizont oder eine Terra fusca mit T-Horizont bilden. Die Rendzina ist daher meist ein relativ schnell überschrittenes Entwicklungsstadium. Erosion kann sie jedoch dauerhaft erhalten, weil der Bodenabtrag die Entwicklung immer wieder zurücksetzt.

Horizonte und Subtyp

Als nicht tiefgründiger Boden besitzt die Rendzina zwei Horizonte: Ah/cC.

  • Ah: Über dem Ausgangsmaterial liegt ein humoser Oberbodenhorizont. Er ist mehr als 2 cm und höchstens 40 cm mächtig, meist dunkelgrau bis schwärzlich gefärbt und enthält wegen der Humusbildung viel organische Substanz. Bei Ackernutzung heißt er Ap, wobei p für Pflughorizont steht.
  • cC: Direkt darunter liegt das Ausgangsmaterial. Es ist carbonatisch oder gipshaltig und muss einen Kalk- oder Gipsgehalt von mindestens 75 Masse-% aufweisen. Das vorangestellte c wird teilweise weggelassen, weil dieser Gehalt für die Ansprache als Rendzina obligatorisch ist. Ein angewitterter C-Horizont kann als Cv bezeichnet werden, wobei v für verwittert steht.

In der internationalen Bodenklassifikation World Reference Base for Soil Resources (WRB) gehören Rendzinen überwiegend zu den Leptosolen und Phaeozemen.

Ein wichtiger Subtyp ist die alpine Pechrendzina. Sie kann sich in niederschlagsreichen, schattseitigen Hochlagen bilden und besteht fast ausschließlich aus einem H-Horizont auf Fels oder in Hohlräumen zwischen Blockschutt. Sie ist sehr mineralarm und völlig humifiziert. Im erdfrischen Zustand ist sie tief schwarz und schmierig, im trockenen Zustand vor allem bei dichtem Wurzelfilz rötlich-braunschwarz und hart.

Eigenschaften

Der Ah-Horizont enthält in der Regel noch Carbonat oder Gips. Deshalb liegt der pH-Wert meist im basischen Bereich zwischen 7 und 8. Der Rückstand der Lösungsverwitterung besteht vor allem aus Ton; Rendzinen können bis zu 60 Masse-% Ton enthalten. Dieser Ton enthält viele Nährstoffe und ermöglicht eine hohe Kationenaustauschkapazität von bis zu 40 cmol₊.

Das Porenvolumen ist besonders groß: Während es in durchschnittlichen Böden bei 45 Vol-% liegt, kann es bei Rendzinen bis zu 70 Vol-% erreichen. Dadurch sind die Böden sehr gut belüftet, bearbeitbar und entwässerbar.

Der hohe pH-Wert, die Nährstoffe und der Porenraum schaffen günstige Bedingungen für Bodenlebewesen. Eingetragenes organisches Material wird sehr schnell abgebaut und vollständig in den Boden eingearbeitet. Der Humus liegt als Mull vor, der als Humusform die höchste mögliche Qualität besitzt. Der gesamte A-Horizont ist sehr humusreich und enthält oft 10–20 Masse-% Humus. Außerdem besitzt er eine lockere, gut entwickelte Krümelstruktur.

Nutzung und Vergleich mit anderen Ah/C-Böden

Trotz ihrer günstigen chemischen und biologischen Eigenschaften sind Rendzinen wegen ihrer Flachgründigkeit landwirtschaftlich nur bedingt geeignet. Die Bodenbearbeitung wird durch Steine erschwert, und das geringe Bodenvolumen begrenzt Wasserspeicherung und Nährstoffversorgung. Wegen des hohen Porenvolumens trocknen die Böden schnell aus; besonders an Südhängen und in niederschlagsarmen Wintern sind sie dürregefährdet. Der dünne Ah-Horizont bietet wenig Wurzelraum. An den meist geneigten Standorten besteht außerdem eine hohe Erosionsgefahr.

Mit Pferdepflügen, deren Pflugtiefe etwa 15–20 cm betrug, konnten Rendzinen früher häufig bewirtschaftet werden, ohne den steinigen Untergrund zu erreichen. Große Landmaschinen arbeiten bis etwa 30 cm tief und verursachen dadurch häufiger Probleme. Hohe Erträge sind möglich, wenn Erosion und Wasserversorgung kontrolliert werden; heute werden Rendzinen dennoch nur selten als Acker genutzt. In Karstgebieten gibt es extensiv genutzte Weiden mit naturschutzfachlich wertvollem Kalkmagerrasen. Mähweiden sind wegen hervorstehender Steine seltener. Typisch für Mitteleuropa ist außerdem die forstwirtschaftliche Nutzung, insbesondere als Standort für Buchenwälder.

In der Klasse der Ah/C-Böden unterscheiden sich weitere Bodentypen diagnostisch vor allem durch den Kalkgehalt des Ausgangsmaterials:

  • Pararendzina: auf mergeligem Material mit mehr als 2 und weniger als 75 Masse-% Carbonat, meist auf Lockergestein.
  • Ranker: auf kalkarmem oder kalkfreiem Festgestein mit höchstens 2 Masse-% Carbonat.
  • Regosol: auf kalkarmem Lockermaterial mit höchstens 2 Masse-% Carbonat.

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