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Red-Queen-Hypothese
Als Red-Queen-Hypothese (auch Red-Queen-Dynamik oder Red-Queen-Modell) bezeichnet man eine wissenschaftliche Hypothese der Evolutionsbiologie, wonach …
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Kern der Red-Queen-Hypothese
Die Red-Queen-Hypothese, auch Red-Queen-Dynamik oder Red-Queen-Modell, ist eine Hypothese der Evolutionsbiologie. Sie besagt, dass biologische Arten unter beständigem Konkurrenzdruck fortlaufend neue Anpassungen und Weiterentwicklungen hervorbringen müssen, um nicht unterzugehen. Eine Art muss sich also verändern, um ihre bereits erreichte Stellung zu bewahren.
Die Hypothese soll insbesondere zwei grundlegende Phänomene erklären: den evolutionären Vorteil der aus evolutionsbiologischer Sicht eigentlich wenig effektiven sexuellen Fortpflanzung sowie das dauernde „Wettrüsten“ zwischen konkurrierenden Organismen, etwa zwischen Parasit und Wirt oder zwischen Beute und Jäger.
Begründung, Übertragungen und Kritik
Leigh Van Valen schlug die Hypothese 1973 vor. Er verglich die Existenzdauer von Mitgliedern aus etwa 50 großen und unterschiedlichen Organismengruppen. Diese Dauer wurde als Zeitraum zwischen erster und letzter Dokumentation im Fossilbeleg verstanden und näherungsweise mit dem Zeitraum zwischen Artbildung und Aussterben gleichgesetzt. Nach seinen Beobachtungen war das Aussterberisiko einer Gruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt unabhängig von ihrer bisherigen Existenzdauer beziehungsweise ihrem geologischen Alter.
Einige Fassungen der Evolutionstheorie erwarten dagegen, dass lange bestehende Gruppen seltener aussterben: Sie hätten mehr Zeit gehabt, sich perfekt an die Umwelt anzupassen. Van Valen folgerte hingegen, dass sich die tatsächlichen Umweltbedingungen für jede Gruppe mit annähernd konstanter Rate verändern, in der Regel verschlechtern. Frühere erfolgreiche Anpassungen helfen deshalb nicht automatisch für die Zukunft.
Der Zusammenhang wird auch Red Queen Effect oder Van Valen’s Law genannt. Er wurde von makroevolutionären Zusammenhängen auf koevolutionäres Wettrüsten übertragen: Veränderungen bei Räubern können Reaktionen der Beute auslösen, ebenso Veränderungen bei Parasiten und Wirten. Auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern durch sexuelle Selektion wurden damit erklärt. Wenn Veränderungen eines Geschlechts dessen Paarungswahrscheinlichkeit erhöhen, folgen Reaktionen des anderen Geschlechts; die grundlegenden Verhältnisse bleiben trotz ständiger Veränderungen im Einzelnen nahezu gleich.
Graham A. C. Bell übertrug das Bild 1980 auf den allgemeinen Nutzen sexueller Fortpflanzung. Auf mikroevolutionärer Ebene ermögliche sie schnellere Anpassung, weil alle Nachkommen einer Art experimentelle Mischungen der Gene beider Eltern seien. Dadurch könne eine Art eine eroberte ökologische Nische besser halten.
Van Valens ursprüngliche These zur Existenzdauer von Gattungen oder Familien in geologischen Epochen wurde später kritisiert. Andere Forschende meinten, in ihren Daten doch einen Zusammenhang zwischen Existenzdauer und Aussterbewahrscheinlichkeit zu erkennen. Das Sprachbild der Roten Königin ist dennoch in der Wissenschaftssprache etabliert; auch für Freiwilligenarbeit in Öffentliche-Güter-Spielen wird ein Rote-Königin-Mechanismus beschrieben. Als gegensätzliche Hypothese gilt die 1999 von Anthony Barnosky aufgestellte Hofnarren-Hypothese: Ihr zufolge sind abiotische Umweltfaktoren, also unbelebte Faktoren der Umwelt, und nicht evolutionsbiologischer Konkurrenzdruck die treibende Kraft der Artenentwicklung.