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Rechtschreibkompetenz

Rechtschreibkompetent ist somit derjenige, der die korrekte Schreibung eines unbekannten Wortes mit Hilfe verschiedener Rechtschreibstrategien herleiten kann.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Kernbegriff
  2. 2. Grundlagen der Schrift
  3. 3. Orthographische Prinzipien
  4. 4. Erwerb und Schwierigkeiten
  5. 5. Laute und Zeichen
  6. 6. Schreibstrategien

Kernbegriff

Rechtschreibkompetenz ist die Fähigkeit, bekannte und unbekannte Wörter in verschiedenen Schreibsituationen selbstständig richtig zu schreiben. Dabei muss eine Handlung zugleich manuell, normiert und kommunikativ ausgeführt werden, möglichst fehlerfrei. Sie gilt als Schlüsselqualifikation, weil auf ihr weitere Kompetenzen aufbauen.

Rechtschreibkompetent ist eine Person besonders dann, wenn sie die richtige Schreibung eines unbekannten Wortes mithilfe verschiedener Rechtschreibstrategien herleiten kann. Dafür ist nicht nur das Hören von Lauten wichtig, sondern auch das Wissen über Bedeutung und grammatische Funktion eines Wortes.

Grundlagen der Schrift

Die deutsche Rechtschreibung beruht auf der lateinischen Alphabetschrift. Diese ist grundsätzlich eine phonographische Schrift: Sie stellt vor allem die Ausdrucksseite von Sprache dar, also Laute und Lautfolgen, nicht direkt den Inhalt.

Im Deutschen gibt es mehr Phoneme als Grapheme. Ein Phonem ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Lauteinheit einer Sprache. Ein Graphem ist die kleinste bedeutungsunterscheidende Schrifteinheit. Weil nicht jedem Laut eindeutig ein eigenes Schriftzeichen entspricht, braucht die Orthographie zusätzliche Regeln.

Das geschriebene Wort bezieht sich auf drei Ebenen: die Lautung, also die phonologische Ebene, den Inhalt, also die semantische Ebene, und das Geschriebene selbst, also die graphische Ebene. Inhalt und Klang eines Wortes hängen, abgesehen von wenigen Interjektionen, nicht unmittelbar zusammen.

Orthographische Prinzipien

Für die Rechtschreibung reicht es nicht aus, Wörter nur nach dem Gehör zu schreiben. Neben der auditiven Seite sind mehrere orthographische Prinzipien wichtig.

Dazu gehören das silbische Prinzip, also die Orientierung an Silben, das morphologische Prinzip, also die Orientierung an Wortbausteinen und verwandten Wortformen, sowie die grammatische Struktur von Wörtern. Diese Prinzipien helfen, Schreibungen zu erklären, die nicht rein lauttreu sind.

Das Wissen über Bedeutung und grammatische Funktion eines Wortes ist deshalb elementar. Wer die Bedeutung eines Wortes nicht kennt, kann nur phonographisch schreiben, also lauttreu nach dem Gehör.

Erwerb und Schwierigkeiten

Beim Rechtschreiberwerb müssen Lernende zunächst erkennen, welche Einheiten der gesprochenen Sprache welchen Einheiten der Schrift entsprechen. Diese Beziehung heißt Phonem-Graphem-Korrespondenz.

Schwierig ist dabei, dass gesprochene Sprache als kontinuierlicher Lautstrom erscheint. Außerdem können einzelne Schriftzeichen mehrdeutig sein, und es gibt mehrgliedrige Schriftzeichen. Ein Graphem kann in der deutschen Orthographie für unterschiedliche Phoneme stehen, zum Beispiel <s> in <Seele>, in <bis> oder in <Stamm>.

Lernende müssen außerdem verstehen, dass Raumlage, Reihenfolge und Richtung einer Buchstabenfolge bedeutend sind. So unterscheiden sich <Nebel> = [ˈneːbl̩] und <Leben> = [ˈleːbn̩] oder <Lager> = [ˈlaːɡɐ] und <Regal> = [ʁeˈɡaːl].

Laute und Zeichen

Einige Lautmerkmale sind für die Rechtschreibung wichtig, zum Beispiel Stimmhaftigkeit und Stimmlosigkeit bei b/p, d/t und g/k. Andere Lautunterschiede werden dagegen nicht verschieden geschrieben. So bleiben Rachen-R und Zungen-R orthographisch gleich.

Rechtschreibkompetenz bedeutet auch, zu wissen, welche graphischen Unterschiede für die Identität eines Zeichens wesentlich sind und welche nicht. Dieses Wissen betrifft die Allographie, also unterschiedliche sichtbare Formen desselben Zeichens. Wesentlich sind Unterschiede wie P/R, O/Q oder A/H. Unwesentlich sind dagegen verschiedene Schreib- oder Druckformen desselben Buchstabens, etwa K / K / K.

Auch Drehungen von Buchstaben spielen eine Rolle: Manche Buchstaben bleiben beim Drehen gleich oder ähnlich, etwa <o> oder <l>, andere verändern ihre Identität, etwa <d> und <p> oder <n> und <u>.

Schreibstrategien

Individuelle Schreibstrategien sind für die Entwicklung von Rechtschreibkompetenz zentral. Sie führen Lernende von frühen Formen der Worterkennung und Wortschreibung zu komplexeren Strategien.

Gemeinsam ist diesen Strategien, dass sie von der Logographie über die Silbenorientierung und Morphologie bis zur grammatisch bedingten Wortschreibung überleiten. Logographie meint hier eine frühe Orientierung an Wortbildern. Silbenorientierung bezieht sich auf die Gliederung in Silben, Morphologie auf Wortbausteine und Wortfamilien, grammatisch bedingte Wortschreibung auf Regeln, die von der Funktion eines Wortes im Satz abhängen.

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