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Ralph-Johannes Lilie
Ralph-Johannes Lilie (* 30. Dezember 1947 in Hamburg) ist ein deutscher Byzantinist. Ralph-Johannes Lilie legte das Abitur an der Sankt-Ansgar-Schule in …
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Person und Fachgebiet
Ralph-Johannes Lilie (* 30. Dezember 1947 in Hamburg) ist ein deutscher Byzantinist. Byzantinistik ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit Geschichte, Kultur und Quellen des Byzantinischen Reiches, also des oströmischen Reiches. Lilie gilt als einer der führenden Kenner der Komnenenzeit, einer Epoche der byzantinischen Geschichte, die im Artikel vor allem mit den Jahren 1081 bis 1204 verbunden wird.
Besonders wichtig sind seine Forschungen zu Byzanz und den Kreuzzügen. International bekannt wurde er, weil er die byzantinische Politik gegenüber den Kreuzfahrern von den Anfängen bis zum Wendepunkt 1204 systematisch aufarbeitete. Sein Werk „Byzanz und die Kreuzfahrerstaaten“ von 1981 wurde zum Standardwerk und erschien 1993 auch auf Englisch unter dem Titel „Byzantium and the Crusader States“.
Ausbildung und akademische Laufbahn
Lilie legte das Abitur an der Sankt-Ansgar-Schule in Hamburg ab. 1968 begann er an der Universität Hamburg ein Studium der klassischen Philologie und Geschichte. Anschließend setzte er sein Studium an der Universität München mit Byzantinistik fort.
1975 wurde er in München im Fach Byzantinistik promoviert. Seine von Hans-Georg Beck betreute Dissertation trug den Titel „Die byzantinische Reaktion auf die Ausbreitung der Araber. Studien zur Strukturwandlung des byzantinischen Staates im 7. und 8. Jahrhundert“. Von 1976 bis 1978 hatte er ein Forschungsstipendium im Deutschen Studienzentrum in Venedig.
Von 1978 bis 1984 war Lilie wissenschaftlicher Assistent bei Paul Speck am Byzantinisch-Neugriechischen Seminar der Freien Universität Berlin. In seinem Habilitationsprojekt wollte er die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Byzanz und den Seerepubliken von ihren Anfängen bis zum Vierten Kreuzzug untersuchen. Er habilitierte sich 1982/1983 an der Freien Universität Berlin. Die Ergebnisse erschienen 1984 unter dem Titel „Handel und Politik zwischen dem byzantinischen Reich und den italienischen Kommunen Venedig, Pisa und Genua in der Epoche der Komnenen und der Angeloi (1081–1204)“.
Forschung und institutionelle Arbeit
Von 1984 bis 2005 war Lilie außerplanmäßiger Professor an der Freien Universität Berlin. Von 1992 bis 2013 leitete er die Arbeitsstelle des Projekts „Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit“ (PmbZ) an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, die 1994 wieder gegründet wurde. Prosopographie bezeichnet eine Forschungsform, die Personen einer bestimmten Zeit systematisch sammelt und auswertet.
Zu Lilies zentralen Themen gehören die byzantinische Geschichte, die Komnenenzeit, die Beziehungen zwischen Byzanz und den italienischen Kommunen Venedig, Pisa und Genua sowie die Politik des Byzantinischen Reiches gegenüber den Kreuzfahrerstaaten. Außerdem begründete er mit den „Berliner Byzantinistischen Studien“ eine neue wissenschaftliche Reihe. In dieser Reihe erschien auch seine Darstellung „Byzanz unter Eirene und Konstantin VI. (782–802)“. Lilie ist mit der Mediävistin Marie-Luise Favreau-Lilie verheiratet.
Wichtige Veröffentlichungen
Zu Lilies Schriften zählen mehrere Bücher zur byzantinischen Geschichte. Seine Dissertation erschien 1976 unter dem Titel „Die byzantinische Reaktion auf die Ausbreitung der Araber. Studien zur Strukturwandlung des byzantinischen Staates im 7. und 8. Jahrhundert“.
1981 veröffentlichte er „Byzanz und die Kreuzfahrerstaaten. Studien zur Politik des Byzantinischen Reiches gegenüber den Staaten der Kreuzfahrer in Syrien und Palästina bis zum 4. Kreuzzug (1096–1204)“. 1984 folgte „Handel und Politik zwischen dem byzantinischen Reich und den italienischen Kommunen Venedig, Pisa und Genua in der Epoche der Komnenen und der Angeloi (1081–1204)“.
Weitere wichtige Bücher sind „Byzanz. Kaiser und Reich“ (1994), „Byzanz unter Eirene und Konstantin VI. (780–802)“ (1996), „Byzanz. Das zweite Rom“ (2003), „Byzanz und die Kreuzzüge“ (2004) und „Einführung in die byzantinische Geschichte“ (2007). Seine knappe Einführung „Byzanz. Geschichte des oströmischen Reiches 326–1453“ erschien erstmals 1999 und 2014 in sechster, aktualisierter Auflage. Laut Artikel gehört sie zu den meistgelesenen Büchern zu Byzanz im deutschsprachigen Raum. Hinzu kommen Artikel und Aufsätze zur byzantinischen Geschichte sowie Mitarbeit und Herausgeberschaften im Rahmen der „Prosopographie der mittelbyzantinischen Zeit“.