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Präsidentschaftswahl in Frankreich 2007

Bei der französischen Präsidentschaftswahl 2007 bestimmten gut 44 Millionen wahlberechtigte Franzosen den Nachfolger von Staatspräsident Jacques Chirac.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Ablauf und Bedeutung der Wahl
  2. 2. Zugelassene Kandidaten
  3. 3. Erster Wahlgang
  4. 4. Wahlbeteiligung
  5. 5. Stichwahl und Wahlkampf
  6. 6. Spätere Ermittlungen

Ablauf und Bedeutung der Wahl

Bei der französischen Präsidentschaftswahl 2007 bestimmten gut 44 Millionen Wahlberechtigte den Nachfolger von Staatspräsident Jacques Chirac. Chirac hatte am 11. März 2007 erklärt, nicht erneut zu kandidieren. Der erste Wahlgang fand am 22. April 2007 statt, in Teilen der Überseegebiete bereits am 21. April. Da kein Kandidat unmittelbar gewann, folgte am 6. Mai die Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten Ségolène Royal und Nicolas Sarkozy. Sarkozy gewann die Wahl.

Zugelassene Kandidaten

Am 20. März 2007 wurde die Liste der zwölf offiziell zugelassenen Bewerber veröffentlicht. Für eine Zulassung waren 500 Wahlpatenschaften gewählter Volksvertreter aus ganz Frankreich erforderlich; zuvor hatten mehr als 40 Personen eine Kandidatur angekündigt.

Für die sozialistische PS kandidierte die ehemalige Umweltministerin Ségolène Royal. Sie hatte sich am 17. November 2006 bei einer parteiinternen Urwahl gegen Laurent Fabius und Dominique Strauss-Kahn durchgesetzt. Die konservative Regierungspartei UMP nominierte ihren Parteichef Nicolas Sarkozy Mitte Januar nahezu einstimmig und ohne Gegenkandidaten. Weitere wichtige Bewerber waren François Bayrou für die liberale Zentrumspartei UDF sowie Jean-Marie Le Pen, Parteichef des rechtsextremen Front National.

Die weiteren Kandidaten waren Olivier Besancenot (Ligue communiste révolutionnaire, trotzkistisch), Philippe de Villiers (Mouvement pour la France, nationalkonservativ), Marie-George Buffet (Parti communiste français, eurokommunistisch), Dominique Voynet (Les Verts), Arlette Laguiller (Lutte Ouvrière, trotzkistisch), der parteilose linke Bauernführer und Globalisierungskritiker José Bové, Frédéric Nihous (Chasse, Pêche, Nature, Traditions, konservativ-traditionell) und Gérard Schivardi, der parteilos war und von der trotzkistischen Parti des travailleurs unterstützt wurde.

Erster Wahlgang

Nach dem amtlichen Ergebnis des französischen Innenministeriums erreichten Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal die Stichwahl. Sarkozy erhielt 11.448.663 Stimmen beziehungsweise 31,18 %, Royal 9.500.112 Stimmen beziehungsweise 25,87 %. François Bayrou kam mit 6.820.119 Stimmen auf 18,57 %, Jean-Marie Le Pen mit 3.834.530 Stimmen auf 10,44 %.

Es folgten Olivier Besancenot mit 1.498.581 Stimmen (4,08 %), Philippe de Villiers mit 818.407 (2,23 %), Marie-George Buffet mit 707.268 (1,93 %), Dominique Voynet mit 576.666 (1,57 %), Arlette Laguiller mit 487.857 (1,33 %), José Bové mit 483.008 (1,32 %), Frédéric Nihous mit 420.645 (1,15 %) und Gérard Schivardi mit 123.540 (0,34 %).

Wahlbeteiligung

Im ersten Wahlgang lag die Wahlbeteiligung bei 83,78 % der auf den Wahllisten eingeschriebenen Personen. Dies war die dritthöchste Beteiligung in der Geschichte der Fünften Republik. Als wichtiger Hintergrund gilt die Wahl von 2002: Damals hatte Jean-Marie Le Pen überraschend den Sozialisten Lionel Jospin überholt und war gegen Jacques Chirac in die Stichwahl eingezogen. Chirac gewann diese Stichwahl mit dem Rekordergebnis von 82,2 %, weil auch viele Anhänger des linken Spektrums ihn wählten, um Le Pen zu verhindern.

Zum Vergleich betrug die Wahlbeteiligung bei Präsidentschaftswahlen 1965 84,8 %, 1969 77,6 %, 1974 84,2 %, 1981 81,1 %, 1988 81,4 %, 1995 78,4 %, 2002 71,6 % und 2007 83,8 %.

Stichwahl und Wahlkampf

In der Stichwahl gewann Nicolas Sarkozy mit 18.983.138 Stimmen und 53,06 % gegen Ségolène Royal mit 16.790.440 Stimmen und 46,94 %. Die Wahlbeteiligung betrug 83,97 %, der höchste Wert seit mehr als 40 Jahren. Um 12 Uhr hatten nach Angaben des Innenministeriums 34,11 % gewählt, um 17 Uhr 75,11 %.

Vor der Stichwahl wurde eine geplante Debatte zwischen Royal und Bayrou zunächst von Canal+ unter Hinweis auf rechtliche Probleme abgesagt. Bayrou warf Sarkozy vor, Druck auf den Sender ausgeübt zu haben; Sarkozy bestritt dies. Royal und Bayrou diskutierten schließlich am 28. April 2007 von 11:00 bis 12:30 Uhr in einem Hotel in Paris, live übertragen von BFM TV. Royal versuchte dabei, Bayrous Wähler zu gewinnen, während Bayrou sich von ihrem Programm abgrenzte.

Das TV-Duell Royal–Sarkozy am 2. Mai wurde um 20:30 Uhr auf TF1 und France 2 ausgestrahlt und von rund 23 Millionen Menschen verfolgt. Die französische Presse bewertete es eher als unentschieden; eine von Opinionway für Le Figaro durchgeführte Umfrage sah Sarkozy bei den Zuschauern als überzeugender an. Bayrou erklärte wenige Tage vor der Stichwahl, er werde nicht Sarkozy wählen, ließ aber offen, ob er sich enthalten oder Royal wählen werde.

Besancenot, Buffet, Voynet, Laguiller und Bové riefen zur Wahl Royals auf; de Villiers empfahl Sarkozy. Le Pen rief zum Wahlboykott oder zur Enthaltung auf.

Spätere Ermittlungen

Sarkozy wurde am 20. März 2018 von der französischen Polizei festgenommen. Er stand unter dem Verdacht, vom libyschen Diktator Gaddafi 50 Millionen Euro zur Finanzierung seines Wahlkampfs erhalten zu haben.

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