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Präsidentschaftswahl in Frankreich 1965

Die Präsidentschaftswahl in Frankreich 1965 fand am 5. und 19. Dezember statt und war die zweite Präsidentschaftswahl in der Fünften Republik.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern der Wahl
  2. 2. Wahlverfahren
  3. 3. Kandidaten und politische Lager
  4. 4. Wahlkampf und Fernsehen
  5. 5. Ergebnisse

Kern der Wahl

Die Präsidentschaftswahl in Frankreich 1965 fand am 5. und 19. Dezember statt. Sie war die zweite Präsidentschaftswahl der Fünften Republik, aber die erste, bei der die französischen Staatsbürger den Präsidenten direkt wählten. Grundlage war eine Verfassungsänderung, die 1962 per Referendum durchgesetzt worden war. Bei der ersten Wahl 1958 war der Präsident noch durch ein Wahlmännergremium aus Repräsentanten verschiedener Ebenen des französischen Staats und seiner Kolonialgebiete gewählt worden.

Sieger war der amtierende Präsident Charles de Gaulle. Er galt vor der Wahl als klarer Favorit, verfehlte aber im ersten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit. Deshalb musste er in einer Stichwahl gegen François Mitterrand antreten und wurde dort für ein weiteres Mandat von sieben Jahren bestätigt. Die Wahl zeigte zugleich, dass de Gaulle politisch angreifbar war. Mitterrand wurde durch sein gutes Ergebnis zu einem der führenden Politiker der französischen Linken.

Wahlverfahren

Im ersten Wahlgang am 5. Dezember 1965 war der Kandidat gewählt, der die absolute Mehrheit der gültigen Stimmen erreichte. Absolute Mehrheit bedeutet: mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen.

Wenn kein Kandidat diese Mehrheit erreichte, mussten die beiden stimmenstärksten Kandidaten zwei Wochen später in einer Stichwahl gegeneinander antreten. In dieser Stichwahl war der Kandidat gewählt, der die meisten Stimmen erhielt. Genau dieser Fall trat 1965 ein, weil Charles de Gaulle im ersten Wahlgang nur 44,6 % erreichte.

Kandidaten und politische Lager

Charles de Gaulle trat als Amtsinhaber an und ging als hoher Favorit in die Wahl. Er setzte sich für die weitere Etablierung der Fünften Republik ein, die maßgeblich von ihm begründet worden war. In Abgrenzung zur Vierten Republik sah er sich als über den Parteien stehende Persönlichkeit. Seine politische Stütze war die Union pour la nouvelle République – Union démocratique du travail, die im Artikel als wenig mehr als ein Wahlbündnis zur Unterstützung seiner Person und Politik beschrieben wird. De Gaulle kündigte seine Kandidatur erst gut einen Monat vor dem ersten Wahlgang offiziell an.

François Mitterrand war Vorsitzender der kleinen Linkspartei Convention des institutions républicaines (CIR). Ihm gelang es, die Unterstützung der sozialistischen Partei SFIO, der kommunistischen PCF und einiger kleinerer Linksparteien zu gewinnen. Damit trat er als gemeinsamer Kandidat der französischen Linken an und führte einen kraftvollen Oppositionswahlkampf gegen de Gaulle.

Jean Lecanuet war Kandidat der zentristischen Parteien. Politisch war er ähnlich wie de Gaulle verortet, präsentierte sich aber als moderne Alternative zum dreißig Jahre älteren General. Er war zu Beginn des Wahlkampfs noch relativ wenig bekannt und setzte stark auf moderne Wahlkampfmittel wie Fernsehauftritte, PR-Beratung und Meinungsumfragen.

Jean-Louis Tixier-Vignancour kandidierte unabhängig für die extreme Rechte sowie für Algerienfranzosen, die nach dem Algerienkrieg ins französische Mutterland geflüchtet waren und weitgehend antigaullistisch eingestellt waren. Außerdem traten Pierre Marcilhacy vom Parti libéral européen und Marcel Barbu als unabhängiger Kandidat an.

Wahlkampf und Fernsehen

Während des Wahlkampfs erschien de Gaulles Wiederwahl insgesamt sehr wahrscheinlich. Die wichtigste offene Frage war, ob er schon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit gewinnen würde. Deshalb versuchte er, sein Image als Präsident aller Franzosen zu bewahren, und hielt sich persönlich lange weitgehend aus dem Wahlkampf heraus.

De Gaulle lehnte zunächst sogar ab, die ihm wie den anderen Kandidaten zugewiesene Redezeit im Fernsehen zu nutzen. Erst kurz vor der Wahl entschloss er sich wegen schlechter Umfragewerte doch dazu. Das Fernsehen wurde zu einem wichtigen neuen Faktor des Wahlkampfs. In Frankreich gab es damals bereits über sechs Millionen Empfangsgeräte.

Jean Lecanuet nutzte dieses Medium besonders stark. Unter dem Eindruck des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs Kennedy-Nixon von 1960 setzte er auf Fernsehauftritte, PR-Beratung und Meinungsumfragen und erreichte im ersten Wahlgang ein zweistelliges Ergebnis. Jean-Louis Tixier-Vignancour war zwar als guter öffentlicher Redner bekannt, konnte aber auf dem Bildschirm weniger überzeugen.

Ergebnisse

Im ersten Wahlgang erhielt Charles de Gaulle 10.828.521 Stimmen, das waren 44,6 %. François Mitterrand kam auf 7.694.005 Stimmen und 31,7 %. Jean Lecanuet erreichte 3.777.120 Stimmen und 15,6 %. Jean-Louis Tixier-Vignancour erhielt 1.260.208 Stimmen und 5,2 %, Pierre Marcilhacy 415.017 Stimmen und 1,7 %, Marcel Barbu 279.685 Stimmen und 1,2 %. Insgesamt wurden im ersten Wahlgang 24.254.556 gültige Stimmen gezählt. Die Zahl der ungültigen Stimmen lag bei 248.360, also 1,0 %.

Da de Gaulle die absolute Mehrheit verfehlte, kam es zur Stichwahl zwischen ihm und Mitterrand. Im zweiten Wahlgang gewann de Gaulle mit 13.083.699 Stimmen, also 55,2 %. Mitterrand erhielt 10.619.735 Stimmen, also 44,8 %. Insgesamt wurden im zweiten Wahlgang 23.703.434 gültige Stimmen gezählt. Die Zahl der ungültigen Stimmen stieg auf 799.482, also 3,3 %.

Die Wahlbeteiligung wird in der Infobox mit 84,7 % im ersten Wahlgang und 84,3 % im zweiten Wahlgang angegeben. In der Ergebnistabelle stehen für die Wählenden 24.502.916 und 84,8 %. Als Wahlberechtigte nennt die Tabelle 28.910.581 im ersten Wahlgang und 28.902.704 im zweiten Wahlgang. Die Angaben stammen laut Artikel aus Quellen des Conseil constitutionnel und dem Journal officiel de la République française.

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