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Polynomring

zusammen mit der üblichen Addition und Multiplikation von Polynomen. Davon zu unterscheiden sind in der abstrakten Algebra die Polynomfunktionen, nicht zuletzt, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Aufbau
  2. 2. Mehrere Veränderliche und rationale Funktionen
  3. 3. Rechnen und Grad
  4. 4. Strukturelle Eigenschaften und Einsetzen
  5. 5. Polynomfunktionen und Nullstellenbeispiele

Grundidee und Aufbau

Ein Polynomring R[X] fasst alle Polynome mit Koeffizienten aus einem kommutativen Ring R mit 1 und einer Unbestimmten X zusammen. Er ist wichtig, weil er Polynome nicht nur als Rechenausdrücke, sondern als Elemente eines Rings behandelt. Davon sind Polynomfunktionen zu unterscheiden: Verschiedene Polynome können dieselbe Funktion bestimmen.

Formal ist R[X] die Menge R^(ℕ₀) aller Folgen (aᵢ), deren Einträge in R liegen und bei denen fast alle Einträge 0 sind. Addition erfolgt komponentenweise. Bei der Multiplikation wird der Koeffizient zu Xᵏ durch Faltung berechnet: (aᵢ)·(bᵢ) = (Σ_{i+j=k} aᵢbⱼ)ₖ. Dabei ist 1=(1,0,0,…) und X=(0,1,0,…). Es gilt Xᵏ=(0,…,0,1,0,…) mit der 1 an der (k+1)-ten Stelle.

Jedes Element besitzt genau eine Darstellung f=a₀+a₁X+…+aₙXⁿ=Σᵢ₌₀ⁿaᵢXⁱ. Die Zahlen oder Ringelemente aᵢ heißen Koeffizienten.

Mehrere Veränderliche und rationale Funktionen

Polynomringe in mehreren Unbestimmten werden rekursiv definiert durch R[X₁,…,Xₙ]:=R[X₁,…,Xₙ₋₁][Xₙ]. Man betrachtet also Polynome in Xₙ, deren Koeffizienten selbst Polynome in den vorherigen Variablen sind. Jedes Polynom lässt sich eindeutig als Σ_{k=(k₁,…,kₙ)∈ℕ₀ⁿ} aₖX₁ᵏ¹…Xₙᵏⁿ schreiben.

Ist K ein Körper, so heißt der Quotientenkörper von K[X] K(X); er ist der rationale Funktionenkörper. Entsprechend ist K(X₁,…,Xₙ) der Quotientenkörper von K[X₁,…,Xₙ].

Rechnen und Grad

Für f=Σᵢ₌₀ᵐfᵢXⁱ und g=Σᵢ₌₀ⁿgᵢXⁱ gilt f+g=Σₖ₌₀^max(m,n)(fₖ+gₖ)Xᵏ und f·g=Σₖ₌₀^(m+n)(Σ_{i+j=k}fᵢgⱼ)Xᵏ. Der Polynomring ist außerdem ein R-Modul und damit eine kommutative assoziative Algebra über R.

Der Grad eines von 0 verschiedenen Polynoms f ist deg(f)=max{k∈ℕ₀ | aₖ≠0}; für das Nullpolynom gilt deg(0)=−∞. Der Koeffizient a_{deg(f)} heißt Leitkoeffizient. Es gelten deg(f·g)≤deg(f)+deg(g) und deg(f+g)≤max{deg(f),deg(g)}. Gleichheit bei Produkten gilt, wenn die Leitkoeffizienten keine Nullteiler sind.

Über einem Körper sind die Einheiten von R[X] genau die von 0 verschiedenen konstanten Polynome. Außerdem ist R[X] dann ein euklidischer Ring: Eine Division mit Rest ist möglich, wobei der Rest kleineren Grad als der Divisor hat. Beispiel: Über ℤ haben 1+2X und 1+3X jeweils Grad 1; ihr Produkt 1+5X+6X² hat Grad 2. Über ℤ/6ℤ wird daraus 1+5X, also Grad 1, weil 6X²=0 ist.

Bei mehreren Variablen ist der Totalgrad eines Monoms a_{k₁,…,kₙ}X₁ᵏ¹…Xₙᵏⁿ die Summe k₁+…+kₙ. Der Grad eines Polynoms ist der größte Totalgrad seiner nichtverschwindenden Monome. Eine Summe von Monomen gleichen Totalgrads heißt homogenes Polynom; der Gradsatz gilt auch in mehreren Veränderlichen.

Strukturelle Eigenschaften und Einsetzen

Ist R nullteilerfrei, dann auch R[X]. Ist R faktoriell, dann auch R[X] (Lemma von Gauß). R ist genau dann ein Körper, wenn R[X] euklidisch und damit ein Hauptidealring ist. Für noethersches R gilt dim(R[X])=dim(R)+1; außerdem ist R[X₁,…,Xₙ] noethersch (Hilbertscher Basissatz).

Für einen Integritätsring R hat jedes nichtverschwindende f∈R[X] höchstens deg(f) Nullstellen. Bei Ringen, die keine Integritätsringe sind, gilt dies im Allgemeinen nicht. Ein Polynom f=aₙXⁿ+…+a₀ ist genau dann invertierbar, wenn a₀ invertierbar und alle übrigen Koeffizienten nilpotent sind. Über einem Integritätsring sind daher genau die konstanten Polynome mit einer Einheit als konstantem Koeffizienten invertierbar.

Ein Ringhomomorphismus φ:A→B lässt sich durch Anwenden auf alle Koeffizienten zu einem Homomorphismus A[X]→B[X] erweitern. Allgemeiner gibt es zu φ:R→S und s∈S genau einen Homomorphismus Φ:R[X]→S mit Φ(X)=s und Φ|R=φ. Er wertet ein Polynom aus: Φ(a₀+a₁X+…+aₙXⁿ)=a₀+a₁s+…+aₙsⁿ. Diese universelle Eigenschaft bestimmt R[X] bis auf Isomorphie eindeutig.

Polynomfunktionen und Nullstellenbeispiele

Ein Polynom f=a₀+a₁X+…+aₙXⁿ bestimmt die Polynomfunktion f_R:R→R, x↦a₀+a₁x+…+aₙxⁿ. Die Zuordnung vom Polynom zu seiner Funktion muss nicht injektiv sein: In ℤ/2ℤ[X] ist X²+X nicht das Nullpolynom, bestimmt aber die Nullfunktion.

Allgemein gilt in dem endlichen Körper 𝔽_q für jedes x∈𝔽_q: x^q=x. Deshalb bestimmt X^q−X=∏_{a∈𝔽_q}(X−a) die Nullfunktion auf 𝔽_q, obwohl es kein Nullpolynom ist. Ist q prim, entspricht dies dem kleinen fermatschen Satz.

Bei Polynomen mit zwei Veränderlichen können Nullstellenmengen endlich oder unendlich sein. ((X−2)(X−3))²+Y² in ℝ[X,Y] hat genau die Nullstellen (2,0) und (3,0). X²+Y²−1 hat als Nullstellen den Einheitskreis, während Y−X² die Normalparabel als Nullstellenmenge besitzt. Solche Nullstellenmengen polynomialer Gleichungen sind Gegenstand der algebraischen Geometrie.

Jedes f∈ℂ[X] vom Grad n hat genau n komplexe Nullstellen, wenn Vielfachheiten mitgezählt werden. Eine Nullstelle z ist k-fach, wenn (X−z)^k ein Teiler von f ist, aber (X−z)^(k+1) nicht. Dies gilt auch für reelle Polynome, wenn sie als komplexe Polynome betrachtet werden. So hat X²+1 die Nullstellen i und −i, und X²+1=(X+i)(X−i).

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