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Politik zum Anfassen
Politik zum Anfassen e. V. ist ein gemeinnütziger, eingetragener Verein der seit 2006 Politische Bildung, Beteiligungs- und Medienprojekte für Schulklassen …
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Verein und Bildungsauftrag
Politik zum Anfassen e. V. ist ein gemeinnütziger, eingetragener Verein, der 2006 von Monika und Gregor Dehmel gegründet wurde. Er hat seinen Sitz in Altwarmbüchen/Hannover und arbeitet deutschlandweit. Unter dem Motto „Wir machen Lust auf Demokratie“ entwickelt und veranstaltet er politische Bildungs-, Beteiligungs- und Medienprojekte für Schulklassen und Erwachsene. Die Angebote sind unabhängig, überparteilich und für alle Schulformen gedacht. Jährlich nehmen mehr als 10.000 Schüler an den Projekten teil; der Verein hat rund 40 Mitarbeiter und finanziert seine Arbeit vor allem projektbezogen sowie durch Kooperationen mit Stiftungen.
Zentrales Ziel ist, Schülern demokratische Institutionen und das Funktionieren der Demokratie im Alltag verständlich zu machen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Kommunalpolitik, also politischen Entscheidungen in Gemeinden, Städten und Landkreisen. Weitere Ziele sind ein verantwortungsbewusster Umgang mit Medien und mit Künstlicher Intelligenz. Planspiele, Workshops und Filmprojekte verbinden die Vermittlung von Wissen mit praktischer Beteiligung. Dabei bearbeiten Schüler auch schwierige gesellschaftliche Themen wie Zwangsehen und Einbürgerung.
Kommunalpolitische Planspiele
Das bekannteste Planspiel des Vereins ist „Pimp Your Town!“, das seit 2009 gemeinsam mit der Landeshauptstadt Hannover durchgeführt wird. Ein Planspiel bildet reale Abläufe vereinfacht nach, damit die Teilnehmer politische Verfahren selbst erproben können. Die Schüler lernen zunächst die Grundlagen der Kommunalpolitik kennen. Danach arbeiten ihre Klassen wie politische Fraktionen: Sie formulieren Anträge, beraten diese in zusammengestellten Ausschüssen und diskutieren und beschließen sie schließlich in einer großen Ratssitzung.
Die Ergebnisse bleiben nicht auf das Spiel beschränkt. Die Anträge werden der echten Politik übergeben, dort erneut beraten, auf ihre Realisierbarkeit geprüft und zu großen Teilen umgesetzt. Eine weitere Schulklasse begleitet das Verfahren als Presse-Team und produziert einen Film sowie ein gedrucktes Magazin. Kennzeichnend ist die enge Zusammenarbeit mit der jeweiligen Kommunalpolitik. Sie ermöglicht sowohl die Durchführung im Rathaus als auch die spätere Behandlung der Vorschläge.
Seit 2011 gibt es auf Fehmarn jährlich die Variante „Pimp My Island!“. In Hildesheim wurde das Modell 2011 und 2012 unter dem Namen „City-Upgrade“ durchgeführt. Stand 2016 fand „Pimp Your Town!“ außerdem in Uetze, Hasbergen, Goslar, Hemmingen, Laatzen, der Region Hannover, Cappeln, Jork und Isernhagen statt. Weitere Planspiele entstanden im Rahmen des „Zukunftsprojekt Erde“ von Wissenschaft im Dialog in Hannover, München und Magdeburg. Auch abstrakte Aufgaben werden parlamentarisch bearbeitet: Bei der „Sahlkamp-Charta“ entwickelten Schüler ein Regelwerk für einen Stadtteil.
Medienbildung und gesellschaftliche Themen
In den Medienprojekten recherchieren Schüler eigenständig, prüfen Informationen und bereiten ihre Ergebnisse für andere auf. Beim „Kulturscanner“ teilen sich Schulklassen in kleine Arbeitsgruppen. Jede Gruppe erwirbt Fachwissen über besondere kulturelle Einrichtungen und vermittelt dieses anschließend Gleichaltrigen in einer unterhaltsamen medialen Form.
Der Verein bearbeitet mit Schülern auch bundespolitische Fragen. Für Bundestagsabgeordnete wie Kerstin Tack (SPD) entstehen beispielsweise im Projekt „WahlkreisTACKtiker“ Filme über Datenschutz, Berufsvorbereitung und weitere Themen. Die Jugendlichen sammeln in ihrer Umgebung Fakten und Meinungen und setzen diese als Umfragen, Interviews, Comics oder kurze Spielszenen filmisch um.
Andere Filmprojekte beschäftigen sich mit komplexen gesellschaftlichen Fragen wie Zwangsehe oder Einbürgerung. Die Ergebnisse werden über YouTube und teilweise auch offline verbreitet. Ein Beispiel ist der Film „Kartoffel werden“. Er erklärt auf einfache und verständliche Weise den Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft und wird in der Einbürgerungsbehörde Hannover an Menschen verteilt, die sich einbürgern lassen möchten.
Weitere Beteiligungs- und Lernangebote
Die KI-Workshops des Vereins erklären, wie Künstliche Intelligenz praktisch eingesetzt werden kann, wo sie Menschen im Alltag begegnet, wie sie arbeitet und welche Herausforderungen daraus entstehen. Die Teilnehmer probieren Anwendungen außerdem selbst aus.
Der „Kinderrat“ richtet sich an Grundschüler. Die Kinder sollen erfahren, dass lokale Demokratie wirksam sein kann, und zugleich daran mitarbeiten, ihren Heimatort lebenswerter zu gestalten. Für dieses Programm wurde der Verein 2017 ausgezeichnet.
Berufsvorbereitende Projekte wie „Berufshelden“, „Bewerbungspaten“ und die „Ich-Kampagne“ helfen Schülern, ihre eigenen Stärken zu erkennen und zu präsentieren. Teilweise in Zusammenarbeit mit Unternehmen üben sie außerdem für Bewerbungsgespräche und Assessment-Center, also Auswahlverfahren für Bewerber.
In Projekten wie „Umfrage1417“ führen ganze Klassen Befragungen durch, werten die Antworten aus und stellen die Ergebnisse öffentlich vor. Häufig geht es um das Freizeitverhalten und die Lebensqualität Jugendlicher in ihrem Orts- oder Stadtteil. Die Daten liefern Jugendeinrichtungen und der Kommunalpolitik Hinweise auf die Bedürfnisse junger Menschen. Mit der App „PLACEm“ können Schüler Beteiligungsverfahren und Wahlen sicher durchführen.
Auszeichnungen
Die Arbeit des Vereins und einzelne Projekte wurden mehrfach ausgezeichnet. „Pimp Your Town!“ wurde 2011 als beste Bildungsidee Deutschlands ausgewählt; dadurch wurde der Verein Bundessieger im Wettbewerb „Land der Ideen“. 2012 bewertete das Bündnis für Demokratie und Toleranz das Planspiel als „vorbildlich“ und verlieh ihm einen Preis für Demokratie und Toleranz.
Die „Sahlkamp-Charta“ erhielt 2012 gemeinsam mit der Landeshauptstadt Hannover den Integrationspreis des Deutsch-Türkischen Netzwerks und wurde 2013 vom Bündnis für Demokratie und Toleranz erneut als „vorbildliches Projekt“ ausgezeichnet. Für den „Kinderrat“ erhielt der Verein 2017 den Primus-Preis der Stiftung Bildung und Demokratie. 2018 folgten der Sonderpreis Demokratieförderung bei der Google Impact Challenge sowie das Bundesverdienstkreuz am Bande für die Vereinsgründer Monika und Gregor Dehmel, verliehen durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. 2024 wurde das Projekt „Pimp My Future!“ mit dem Hans-Sauer-Preis geehrt.
Weitere Anerkennungen waren 2011 der 1. Integrationspreis der Landeshauptstadt Hannover in der Kategorie Medien und ein Sonderpreis des 21. Juniorenpressepreises für „Polarbsen.de“ als beste Online-Schülerzeitung. 2015 gewann die Realschule Isernhagen mit Unterstützung des Vereins den Best Witness Award beim internationalen Schülerfilm-Wettbewerb Kid Witness News von Panasonic in Singapur. Der Verein war zudem 2011 und 2012 für den Deutschen Engagementpreis nominiert.