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Picardische Sprache
Wortschatz ; Cha vo ti? Comint qui va? Wie geht's? ; Cha va fin bien. Es geht gut. ; Merchi, Danke ; Comint cha s'lonme …? Wie heißt …?
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Wesen und Verbreitung
Picardisch, auch picardische oder pikardische Sprache genannt, ist eine dem Französischen nahe verwandte galloromanische Sprache und gehört zu den nördlichen Oïl-Sprachen. Die Oïl-Sprachen bilden innerhalb der romanischen Sprachen einen Zweig der galloromanischen Sprachen; diese gehören zu den indogermanischen Sprachen.
Picardisch wird in Frankreich in der Picardie, im Artois und im romanischen Teil von Französisch-Flandern gesprochen. In Belgien ist es vor allem im Westen der Provinz Hennegau verbreitet, unter anderem in Tournai, Ath und Mons, also im Westen Walloniens. Für Frankreich werden 500.000 Sprecher angegeben; für Belgien ist die Zahl im Artikel mit „(?)“ als unbekannt beziehungsweise nicht angegeben vermerkt.
Je nach Region gibt es unterschiedliche Bezeichnungen. In der Picardie spricht man von Picardisch. In Französisch-Flandern und im Artois werden auch „chti“ und „chtimi“ verwendet. Im Raum um Lille und Valenciennes ist „Rouchi“ gebräuchlich; in Flandern sagt man häufig nur „patois“. Linguisten verwenden ausschließlich die Bezeichnung Picardisch. Die genannten Bezeichnungen gelten im Artikel als synonym.
Sprachlicher und politischer Status
Die Französische Gemeinschaft Belgiens erkannte Picardisch 1990 als Regionalsprache an. Diese Anerkennung gilt ebenso für Wallonisch, Lothringisch, Champenois und Francique. In Belgien besitzt Picardisch damit den Status einer „langue régionale endogène“.
Der französische Staat erkennt Picardisch dagegen nicht als Regionalsprache in gleicher Weise an. Grund dafür ist seine Politik, auf französischem Staatsgebiet ausschließlich Französisch als Amtssprache zuzulassen. Einige Gutachten betrachten Picardisch dennoch als eine vom Französischen getrennte Sprache.
Trotz der fehlenden entsprechenden staatlichen Anerkennung wird Picardisch von der Délégation Générale à la Langue Française et aux Langues de France des französischen Kulturministeriums unterstützt. An der Université de Picardie Jules Verne in Amiens wurde 1971 das Zentrum für pikardische Studien gegründet. Erster Direktor war René Debrie.
Grundwortschatz und Zählsystem
Der Grundwortschatz zeigt eigenständige Formen, die zugleich teilweise an das Französische erinnern. Beispiele für Begrüßung und Alltagssprache sind:
- „Bojour!“ oder „Bojour mes gins!“ – Guten Tag
- „Salut ti z’aute!“ – Hallo, informell
- „Cha vo ti? Comint qui va?“ – Wie geht’s?
- „Cha va fin bien.“ – Es geht gut.
- „Merchi“ – Danke
- „Comint cha s’lonme …?“ – Wie heißt …?
- „Éj n’ comprinds poin“ – Ich verstehe nicht
- „Bonsoèr!“ – Guten Abend
- „La boinne nuit!“ – Gute Nacht
- „À l’arvoïure!“ oder „À t’ervir!“ – Auf Wiedersehen
- „Sins vos komander“ (formell) oder „Sins t’ komander“ (informell) – Bitte
- „Kmint qu’os vos aplez?“ – Wie heißen Sie?
- „Min nom ch’est …“ – Ich heiße …
- „Combin qu’ ha coute?“ – Was kostet das?
Wie das Standardfranzösische verwendet Picardisch beim Zählen ein Zwanzigersystem. Das zeigt sich besonders bei den Zahlen ab 70 und bei 80 sowie 90. Wichtige Formen aus dem Zahlenbereich 0 bis 2000 sind:
- 0 „zéro“, 1 „un, eune“, 2 „deus“, 3 „troés“, 4 „quate“, 5 „chonc“, 6 „sis“, 7 „sèt“, 8 „uit“, 9 „neu“, 10 „dis“
- 11 „onze“, 12 „dousse“, 13 „trèsse“, 14 „quatore“, 15 „tchinse“, 16 „sèse“, 17 „dis-sèt“, 18 „dis-uit“, 19 „dis-neu“
- 20 „vint“, 21 „vint-et-un“, 22 „vint-deus“, 23 „vint-troés“, 24 „vint-quate“, 25 „vint-chonc“, 26 „vint-six“, 27 „vint-sèt“, 28 „vint-uit“, 29 „vint-neu“
- 30 „trinte“, 31 „trinte-et-un“, 32 „trinte-deus“, 40 „quarante“, 50 „chinquante“, 60 „soéchante“
- 70 „soéchante-dis“, 71 „soéchante-et-onze“, 72 „soéchante-dousse“, 73 „soéchante-trèsse“; 80 „quate-vint“, 81 „quate-vint-un“, 90 „quate-vint-dis“, 91 „quate-vint-onze“, 92 „quate-vint-dousse“ und 93 „quate-vint-trèsse“
- 100 „chint“, 200 „deus chint“, 1000 „mile“ und 2000 „deus mile“.
Die Formen verdeutlichen, dass Zahlen wie 80 nach dem Muster „vier Zwanziger“ und Zahlen wie 90 nach dem Muster „vier Zwanziger zehn“ gebildet werden.
Picardisch in der Populärkultur
Über Frankreich und Belgien hinaus wurde Picardisch vor allem durch die französischen Filmkomödien „Willkommen bei den Sch’tis“ aus dem Jahr 2008 und „Die Sch’tis in Paris – Eine Familie auf Abwegen“ aus dem Jahr 2018 bekannt. Beide Filme stellen in warmherzig-humorvoller Weise das Aufeinandertreffen von Picardisch und Hochfranzösisch dar.
Für die deutsche Synchronfassung wurde das Picardische nicht durch einen bestehenden deutschen Dialekt ersetzt. Die Synchronregisseurin Beate Klöckner entwickelte stattdessen ein fiktives Kauderwelsch. Durch leichte Anklänge an rheinfränkische Dialekte wirkte diese Kunstsprache dennoch mit dem Picardischen verwandt.